Können wir aus Gottes Hand fallen?

Zoom
„Bei Gott wird ein Leben erfahrbar, dem Alter und Tod kein Ende setzen können.“ Die Worte der Pfarrerin klangen tröstlich. Sie brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass der Verstorbene nun in den guten Händen Gottes sei.

Und dann sagte sie in ihrer Abdankungspredigt: „Was auch geschehen mag Gott weicht nicht von unserer Seite. Seine Gegenwart bleibt.“ Ich fühlte mich erinnert an die Zeilen im Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke:

«Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.»

Wir hangen der Vorstellung an, dass wir nicht tiefer fallen können als in die Hand Gottes – und dass wir dort auf sein Erbarmen treffen, das so liebevoll und gütig ist, dass Gott nicht anders kann, als uns bei sich zu bergen und uns ewige Ruhe zu schenken.

Was wir uns wünschen…

Aber ist es wirklich so? Oder haben wir einfach angewöhnt, so von Gott zu denken, weil es uns beruhigt? Wir möchten fest mit seinem Erbarmen rechnen können, mit dem er alles Unvollkommene, Halbheiten und Schwächen, das Verkorkste und Kaputte zudeckt. Wenn Gott Liebe ist, dann wird er doch nicht…

Das Grossartige an Christus ist, dass er den Akzent ganz aufs Leben gesetzt hat. Er ist als Sohn Gottes in die Welt gekommen, um uns zu retten. «Wer sich an ihn hält, hat das ewige Leben», schreibt der Evangelist Johannes. «Ich bin nicht als Richter in die Welt gekommen, sondern als Retter», sagte Jesus Christus, als er sein Wirken in der Öffentlichkeit beendete. «Was mein Vater mir aufgetragen hat, bringt euch ewiges Leben; das weiss ich.»

Die Kehrseite des Angebots

Doch das ist noch nicht die ganze Wahrheit. Genau zwischen diesen wunderbaren, verheissungsvollen Worten findet sich der Satz von Jesus: «Wer mich ablehnt und nicht annimmt, was ich sage, hat seinen Richter schon gefunden: Die Worte, die ich gesprochen habe, werden ihn am letzten Tag verurteilen» (Johannes 12,48).

Das ist eindeutig. In der Bibel findet sich eine doppelte Perspektive: für das Leben mit Gott und für den Weg ohne Gott, der in den zeitlichen und ewigen Tod führt. Diese doppelte Perspektive wird von Jesus Christus endgültig formuliert und liegt uns vor als Herausforderung, der wir nicht ausweichen können: Entweder nehmen wir an, was er sagt – das bringt ein Leben in der Nähe Gottes, welches nie mehr aufhört – oder wir lehnen es ab, verweigern uns seinen Worten.

Deutliche Worte in der Bibel

Wer dies tut, gehört nicht zum Haus Gottes und findet sich auch nicht unter seinem Dach wieder, wenn es stürmt. Es gibt einen Gott-losen Weg durchs Leben, und wer ihn geht, muss sich nicht wundern, wenn am Ende keine Türe in den Himmel aufgeht, sondern jene in die ewige Einsamkeit und Kälte, welche die Bibel Hölle nennt.

Die Bücher der Bibel, die von den letzten Dingen reden, verschweigen diese furchtbare Realität nicht; in einigen finden sich die Warnungen davor sogar noch in den letzten Zeilen. «Alle, die die Lüge lieben und entsprechend handeln“», werden nicht in der neuen Stadt Gottes leben, sagt etwa die Offenbarung (22,15).

Unendlich anpassungsfähiger Gott?

Gott ist nicht einer, der von unserer Seite weichen will. Das ist nicht seine Natur; das widerstrebt seinem liebevollen Herzen. Aber wenn wir uns losreissen, um selbst unser Leben zu bestimmen, kann es sein, dass wir uns tatsächlich entfernen – und er uns ziehen lässt, für immer.

Unsere Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass Menschen auf ihrem individuellen Recht bestehen, das Leben zu gestalten und selbst zu entscheiden. In eigentümlichem Kontrast dazu gehen wir davon aus, dass Gottes Hand uns gleichwohl hält und er in unserer Nähe bleibt. Als könnten wir tun, was wir wollen – und Gott wäre immer da.

Es geht um das ewige Leben

Wenn Sie dieser Vorstellung anhangen – und sich doch fragen, ob die Rechnung am Ende aufgeht, dann nehmen Sie die Bibel zur Hand. Lesen Sie die ersten Kapitel des Johannesevangeliums. Sie umkreisen die zentralen Sätze (3,16-18):

«So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.»

Ihr Leben entscheidet sich daran, ob Sie diesen Worten Glauben schenken und danach handeln.

Mehr zum Thema:
Mit Gott per Du

Wie werde ich Christ?


Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Information

Anzeige