Nicht nur Blechschaden

Die Beule, die ich nicht vergessen konnte

Zoom
Das Knirschen des aufeinanderprallenden Metalls hörte sich hässlich an. Der Blick in den Rückspiegel bestätigte mir, dass ich den hinteren Kotflügel des rotbraunen Autos erwischt hatte. Die Schuld lag eindeutig bei mir!

Ich war gerade dabei den Minibus aus dem engen Parkplatz zu manövrieren. Ich fuhr etwas vor, korrigierte leicht und kam beim zweiten Anlauf ohne Probleme aus der Lücke heraus. Dann stieg ich aus um den angerichteten Schaden zu begutachten. Ich stellte fest, dass der Fahrer viel zu nahe an meiner Seite parkiert hatte.

Ein kurzer Augenschein zeigte, dass der Bus selber unbeschädigt war, aber die hintere Stossstange hatte ihre Marke beim Nachbarn hinterlassen. Nun stellte sich die Frage, für welche der Beulen ich verantwortlich war. Es standen drei Beulen zur Auswahl. Zwei kleinere und eine etwas längere und vor allem tiefere zierten den matten, glanzlosen Lack des leicht gewölbten Schutzbleches. Ich entschied mich für eine der kleineren. Auch auf der anderen Seite zeugten einige Stellen von unfreiwilligen Bekanntschaften mit anderen Autos.

Diesen Wagen konnte man sich eher auf einem Autofriedhof als auf einem Hotelparkplatz vorstellen. Den Besitzer kannte ich nicht, wusste aber, dass er zu einer kleinen Gruppe von Feriengästen gehörte. An diesem Tag kreuzten sich unsere Wege nicht und ich entschied, die Sache auf sich beruhen zu lassen, denn eine Beule mehr oder weniger tat dem «alten Klapf» nun wirklich keinen Abbruch. Aber das Ganze hatte einen Haken. Ich konnte die Beule nicht vergessen.

Mir gings ähnlich wie dem Psalmdichter David. Er schreibt im Psalm 32: «Solange ich es verschwieg, waren meine Glieder matt, den ganzen Tag musste ich stöhnen. Denn deine Hand lag schwer auf mir bei Tag und bei Nacht; meine Lebenskraft war verdorrt wie durch die Glut des Sommers.» So schlecht wie David ging es mir zwar nicht, denn die Beule war im Vergleich zu Ehebruch und Mord eigentlich eine Bagatelle.
Gestöhnt habe ich nicht, auch meine Lebenskraft war nicht verdorrt, und schlafen konnte ich trotzdem gut. Aber die Hand Gottes lag auf meiner Seele und der Beule. David erkannte, was zu tun war. «Ich will meinen Frevel bekennen», sagte er. Als ich nach dem Mittagessen durch den Aufenthaltsraum ging, las ein Mann aus der Reisegruppe in der Tageszeitung.

Ich ging auf ihn zu und sprach ihn an. Aufmerksam hörte er meinem Geständnis zu und sagte dann freundlich schmunzelnd: «Da haben Sie meinen Wagen erwischt – aber auf eine Beule mehr oder weniger kommt es nun wirklich nicht mehr an. Lassen Sie es gut sein.» Als David seine Schuld bekannt hatte, fühlte er sich wieder wohl. So erging es auch mir. Ich fühlte mich erneut schlichtweg super.

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von TextLive zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema:
Dossier Vergebung
Dossier Schuld


Quelle: Textlive

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Information

Anzeige