Glauben

Sünde – ein Weg zu Gott?

Sünde und Gott, das geht nicht zusammen. Das ist wie Feuer und Wasser. Und doch ist Verbindung zwischen beiden enger als man meinen sollte.

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Zunächst einmal: Sünde trennt von Gott, ja. Dadurch, dass ein Mensch Gottes Gebote missachtet und sich diesem Gott entzieht, erlebt er eine Trennung von ihm. Diese Schuld kann der Mensch nun nicht alleine bewältigen. Er braucht die Vergebung, die ihm nur Gott geben kann.

Sünde der Unabhängigkeit

Bei Sünde denken die meisten an konkrete Verfehlungen wie Lügen, Betrügen, Stehlen etc. Doch die Bibel spricht auch noch in einem grundsätzlicheren Sinne von Sünde: Sie meint damit den Wunsch des Menschen, unabhängig von Gott zu sein.

Wenig Fehler und trotzdem weit weg von Gott!

Wie weit aber die Nähe zu Gott und das Einhalten der Gebote Gottes auseinanderliegen können, spricht Jesus an. Er beschreibt, wie verschieden ein Pharisäer und ein Zöllner im Tempel beten:

Selbstsicher stand der Pharisäer dort und betete: «Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie andere Leute: kein Räuber, kein Gottloser, kein Ehebrecher und schon gar nicht wie dieser Zolleinnehmer da hinten. Ich faste zweimal in der Woche und gebe von allen meinen Einkünften den zehnten Teil für Gott.» Der Zolleinnehmer dagegen blieb verlegen am Eingang stehen und wagte kaum aufzusehen. Schuldbewusst betete er: «Gott, vergib mir, ich weiss, dass ich ein Sünder bin!» (Die Bibel, Lukas, Kapitel 18, Verse 11-13)

Jesus lobte das Bekenntnis des Zöllners, und er verurteilt die selbstgerechte Haltung des Pharisäers.

Nur eine Frage des Stolzes?

Der Pharisäer verhielt sich zunächst eitel und stolz. Aber die Frage dahinter lautet: Warum denkt er so? Ganz sicher, weil er nicht wirklich verstanden hat, wie sehr er das Erbarmen und die Liebe Gottes braucht. Stattdessen brüstet er sich mit seinen guten Taten vor den Menschen und vor Gott.

Er, der fromme Mann, der die Gebote nach Kräften einhielt, ist damit viel weiter weg von Gott als der Zöllner, der sich seinen Unterhalt mit Betrug verdient. Aber jener weiss zumindest darum, dass er Gott und seine Vergebung dringend braucht.

Sünde treibt uns in Gottes Arme

Man kann also die überraschende Beobachtung machen, dass Sünde nicht nur von Gott trennt, sondern dass sie auch in die Arme Gottes treiben kann. Sie birgt damit immer auch eine positive Möglichkeit in sich.

Sünde ist also nicht nur Verfehlung und Scheitern, sondern auch eine Chance, zu Gott zu kommen. Umgekehrt ist dann gerade der Mensch besonders weit von Gott weg, der sich selbst nicht als Sünder sieht.

Sünde kann in Gottes Nähe bringen

Sünde kann den Menschen also durchaus zu Gott bringen. Natürlich nicht die jeweilige böse oder egoistische Tat, aber die Haltung danach: «Herr, ich sehe meine Fehler. Bitte vergib mir! Befreie mich von der Last meiner Schuld und lass mich bei Dir Frieden finden. Ich brauche Dich.»

Dass ein Mensch sündigt, diese Tatsache kann zugleich der Boden dafür sein, dass er von Herzen nach Gott rufen lernt. Wer dagegen die eigene Sünde nicht sehen will, der steht in der Gefahr, einer Selbstgerechtigkeit und Selbsttäuschung zu erliegen. Es wären genau diese Haltungen, die in gefährlicher Weise die Trennung von Gott aufrechterhielten.
 


Autor: Norbert Abt
Quelle: Jesus.ch

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