Was ist der Unterschied zwischen fernöstlichem und christlichem Glauben?

Im Osten nichts Neues? Viele Schweizer sind anderer Ansicht. Östliche Glaubensrichtungen sind in, allen voran der Buddhismus. Was wäre im christlichen Glauben anders?

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Was vor 30 Jahren noch Teil der exotischen Jugendsekten war, ist dank Filmen wie "Schritte der Achtsamkeit", "Sieben Jahre in Tibet" und "Kundun" mehrheits- und salonfähig geworden. Im Juni 1996 wurde im solothurnischen Gretzenbach ein imposanter Tempel eingeweiht. Buddhismus ist chic, und der Glaube an Wiedergeburten und zukünftige Leben weitverbreitet, auch unter Kirchgängern. In vielen Wohnzimmern steht ein kleiner Buddha – Souvenir aus den Ferien in Fernost oder rasch in der Bahnhofspassage erstanden. Ist es letztlich egal, ob nun Buddha einen „göttlichen Weg“ zeigt oder Jesus? In den Schulbüchern stehen sie ja als „Religionsgründer“ ohnehin nebeneinander.

Verlockendes Nichts?


Man kann die Alternativen auch anders beschreiben. Nicht „Buddha oder Jesus“, sondern „Täuschung oder Wirklichkeit“. Denn nach der Lehre des Gautama, des Gründers des Buddhismus, ist alles Leben nur eine Illusion. Im älteren Hinduismus heisst das Maya. Meditation und gute Taten beenden irgendwann das Rad der Widergeburten (Samsara) und führen aus diesem leidvollen Dasein heraus. Das erlösende Ziel heisst aber nicht Leben, sondern Nirwana – Nichts. Der Weg führt also nicht von der Täuschung zur Erfüllung, sondern – in ein Loch.

Einer hatte das Nichts erlebt


Jesus teilt die Sicht, dass der Mensch Erlösung aus dem Leiden braucht. Nur kann er die nicht selber schaffen. Er, der Gottessohn, ist wegen dieser Leiden ans Kreuz gegangen, ins Nichts, als er bei seinem Tod ausrief „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“. Das Nichts hat sich also bereits ereignet, und zwar mitten in der Geschichte. Der einzelne Mensch ist dem jetzt nicht mehr ausgeliefert, geschweige dann, dass er es erstreben müsste. Das Ziel ist seitdem positiv gefüllt: ein Leben hier und jetzt in Verbindung mit einem lebendigen Gott.

Diese kleine Gegenüberstellung zeigt bereits die wesentlichen Unterschiede zwischen einer östlichen Religiosität und dem christlichen Glauben.

  • Gott hat die Welt erschaffen und liebt sie. Wir sollen sie darum nicht „hinter uns bringen“, sondern ganz und gern in ihr Leben.[1]
  • Leiden wird auch nicht als blindes Schicksal beschrieben, sondern meistens im Zusammenhang mit Schuld, eigener oder fremder. Seit dem (bewussten!) Sündenfall ist es Teil unseres Lebens.[2]
  • Den Ausweg hat Jesus selber geschaffen, indem er die Trennung zwischen Gott und dem Menschen beseitigte, die Schuld.[3] Das Leiden ist deswegen nicht aus der Welt geschafft, wohl aber überboten worden.[4]
  • „Lasst euch versöhnen mit Gott“ ist seitdem die Aufforderung an alle Menschen. Anders gesagt: Erkennt, dass diese Versöhnung schon geschehen ist, und werdet dankbar dafür.[5] Nichts anderes heisst „glauben“.
  • Die Folge davon ist keine Abwendung vom Leben, sondern im Gegenteil ein neues Leben. Dieser Wechsel ist dermassen grundlegend, dass er in der Bibel mit dem (bildlich gemeinten!) Begriff der Wiedergeburt umschrieben wird. Der Mensch befindet sich in einem neuen Element, dem Heiligen Geist.[6]
  • „Gute Werke“, die sind kein Eintrittsgeld in den Himmel (oder ins Nichts), sondern das äussere Zeichen dafür, dass von innen her etwas Wesentliches neugeworden ist.[7]

Die Alternative „Illusion oder Wirklichkeit“ ist also nicht christlich-rechthaberisch zu verstehen, sondern als Angebot zum Leben.

Weiterführende Links:
Warum ausgerechnet das Christentum?
Buddhismus – die atheistische Abspaltung des Hinduismus

 

[1] „Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen“; Johannes 10,10.
[2] Bei der Vertreibung aus dem Paradies werden folgende Leiden angekündigt: Schmerzen bei der Geburt, unerfüllte Liebe, mühevolle Arbeit, der Tod (1. Mose 3,16-19).
[3] „Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet“; Kolosser 2,14.
[4] „Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg?“, fragt Paulus in übermütigem Lobpreis (1. Korinther 15,55).
[5] 2. Korinther 5,20
[6] „Gelobt sei Gott, der uns ... wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“; 1. Petrus 1,3 (ähnlich Johannes 3,7 und 8).
[7] „Denn wir sind sein Werk, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werke, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir sie tun“; Epheser 2,10. In Jakobus 2,26 steht dasselbe in mahnendem Tonfall: “Denn wie der Leib ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne die Werke tot.”
Datum: 24.03.2005

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