Scherben wegwerfen?

Schatz in zerbrochenen Gefässen

Für die meisten von uns ist ein Stück Töpferei, wenn es zerbrochen ist, ruiniert. Ein Teller in Scherben oder ein angeknackster Krug – wegwerfen! Sehen wir ein Leben in Scherben nicht genauso an? Es gibt auch eine ganz andere Sicht.

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Ein wiederhergestellte Gefäss wird oft als schöner und wertvoller angeschaut, vielleicht sogar als Kunstwerk ausgestellt.
Es ist uns allen schon passiert – ein Teller, eine Tasse oder eine Schale rutscht aus der Hand, und die Scherben sind über den ganzen Boden verstreut. In der Regel fegen wir es zusammen und werfen die Scherben weg. Flicken? Kaum. Nicht nur halten wir ein angeknackstes Gefäss für wertlos, wir möchten auch nicht, dass andere es sehen. Sie könnten ja denken …. oder?

In der japanischen Kunst gibt es eine ganz andere Haltung. Wenn etwas zerbricht – sagen wir eine Schale – werden die Stücke sorgfältig gesammelt und wieder zusammengeklebt – und zwar mit goldenen Rändern, wo die Ritzen sind! Das so wiederhergestellte Gefäss wird als schöner und wertvoller angeschaut, vielleicht sogar als Kunstwerk ausgestellt (kintugi). Warum? Weil viel Arbeit und Sorgfalt für das Flicken verwendet wurde und weil das so geflickte Stück eine eigene Geschichte erzählt. Statt das Kaputte wegzuwerfen, ehren es die Japaner.

Zerbrochenheit

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Ein Leben in Scherben, ist ein Schatz in zerbrochenem Gefäss
Die meisten von uns – seien wir ehrlich – sind ernsthaft beschädigt. Wir versuchen, die Risse und Spalten unseres Lebens zu verstecken, tun so, als sei nichts geschehen und denken, dass andere Menschen schlechter von uns denken, wenn sie sie sehen. Aber ein Topf, der jeden Tag gebraucht wird, kriegt Risse – nur die im Schrank hinter Glas bleiben wie neu. Das Leben kostet jeden von uns seinen Tribut, einige mehr als andere, aber keiner von uns ist in einwandfreiem Zustand.

Wenn wir unsere Schäden verdrängen, verleugnen wir ein Stück unserer Geschichte. Wir übersehen die Tatsache, dass Gott unser Leben sorgfältig und liebevoll wieder zusammenbaut, wie ein wertvolles und geliebtes Stück Besitz, in das er seine ganze Aufmerksamkeit investiert. Eine der hoffnungsvollsten Geschichten des Alten Testaments erzählt, wie dem Töpfer ein Geschirr kaputtgeht und er daraufhin die ganze Sache noch einmal neu schafft (Die Bibel, Jeremia Kapitel 18, Verse 3 und 4).

Paulus redet davon, dass wir einen Schatz in einem «irdenen» Gefäss haben – dieses Wort drückt im Deutschen eine schöne Doppeldeutigkeit aus (2. Korintherbrief Kapitel 4 Vers 7). Welch ein Gegensatz zur heutigen weitverbreiteten Betonung des «human potential», das unglaublich viele Menschen unter den Druck setzt, schön, erfolgreich, gutaussehend und makellos zu sein – und ihre Wunden und Scherben sorgfältig zu verstecken und zu verdrängen!

Das Gold, mit dem unsere Risse und Spalten zusammengesetzt werden, ist das Werk Gottes in unserem Leben. Ein so «zerbrochener» und wiederhergestellter Mensch ist schöner und wertvoller als ein fehler- und makelloser. Der zerbrochene Typ, der hinten in der Kirche betet «Gott, sei mir Sünder gnädig» ist in Gottes Augen viel wertvoller als der, der da vorne seine religiösen Leistungen aufzählt (vgl. Lukas-Evangelium Kapitel 18, Verse 9-14).

Wunden im Leben wirken Wunder

«Trau niemandem, der nicht zerbrochen ist», sagte ein Freund von mir, und recht hat er. Erst als Jakob an der Hüfte – dem Sitz der Manneskraft – berührt wurde und hinkte, wurde er zu «Israel». Die Wunden eines Lebens sind schlussendlich das Geheimnis, dass Gottes Gegenwart in einem Leben zum Anfassen real werden kann.

Gott liebt das Zerbrochene so sehr, dass er uns weiter braucht, repariert, heilt, bis mehr und mehr von ihm durch unser zerbrochenes Äusseres scheint. Wenn Sie das nächste Mal unter einer grosse Wunde oder Scherbe in Ihrem Leben leiden – danken Sie Gott dafür, dass er weiter und geduldig an Ihnen arbeitet. Und wenn wir andere die Risse unseres Lebens sehen lassen, bekommen sie auch die Gelegenheit, die heilende Kraft Gottes in unserem Leben an der Arbeit zu sehen.

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Datum: 06.10.2016
Autor: Reinhold Scharnowski / Tim Herbert
Quelle: Jesus.ch / Syzygy.org.uk

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