Was soll ich von den Wundern halten, die Jesus angeblich getan hat?

Wunderberichte gibt es auch in den griechischen Sagen und anderen Erzählungen. Aber stellen wir die Berichte der Bibel nicht vorschnell mit ihnen auf eine Stufe. Es könnte mehr dran sein. 

 

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Jesus heilt einen Blinden.
Die Begriffe, welche diese Wunder im Neuen Testament umschreiben, geben eine Vorstellung von «übernatürlichen Kräften» wieder.[1] Sie werden auch in den griechischen Wundergeschichten verwendet. Dagegen fehlt dort und bei römischen Autoren ein zusätzliches Wort, nämlich «Zeichen». Denn die Wunder des Neuen Testaments sind nicht nur «übernatürliche Krafttaten», sondern auch Zeichen; Zeichen für die Glaubwürdigkeit dessen, der sie getan hat – Zeichen für eine Autorisierung durch Gott selbst.[2]

Das ist erster Hinweis darauf, dass die Wunderberichte von Jesus in eine andere Kategorie fallen könnten. Ein zweiter ist ihre Schlichtheit. Es fällt auf, dass sie in sehr einfachen, geradezu kargen Worten geschildert werden, ohne blumige, übertriebene Ausschmückung, wie wir sie in anderen Berichten finden.

 
Geschichte statt Mythos
Zum dritten ist der Rahmen der Wunderhandlungen zu nennen. Den bilden immer konkrete Alltagsereignisse an ganz bestimmten Orten wie zum Beispiel bei einer Hochzeit im Dorf Kana, gelegen in der israelischen Nordprovinz Galiläa.
[3] Einer relativ armen Hochzeitsgesellschaft geht der (billige) Wein aus, und ohne viel Aufhebens draus zu machen, hilft ihnen Jesus aus der Verlegenheit und verwandelt Wasser zu Wein. Die beschriebenen Verhältnisse sind absolut glaubwürdig. Unzählige Dokumente und archäologische Ausgrabungen haben sie inzwischen bestätigt. In den Sagen und Märchen der Völker fehlen die geschichtlichen Bezüge aber weitgehend.

 
In eine ähnliche Richtung zielt ein viertes Argument. Die Wunder der Bibel sind barmherzige Handlungen an einzelnen Menschen oder kleinen Gruppen. Sie werden aus ganz konkreten notvollen Umständen heraus gesund, befreit oder gespeist; ob auf den Hügeln um einen See in Galiläa oder individuell in einem Haus. Sie tragen die Namen ihrer Zeit und teilen ihre Nöte. Wie anders klingt es doch, wenn in einer griechischen Sage Perseus der schlangenartigen Medusa das zu Stein gewordene Haupt abschlägt, nachdem er sie in den Spiegel seines Schildes hat blicken lassen. Und auf dem Rückflug (dank seiner von den Göttern geschenkten Flügel ...) befreit er noch nebenbei die an den Felsen der Küste geschmiedete Andromeda, indem er  durch das immer noch wunderwirksame Haupt der Medusa die Meeresungeheuer zu Stein werden lässt ...

 
Die Kritiker müssen zustimmen

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Aufschlussreich ist ferner, dass die Wunder von Jesus auch nicht von seinen Kritikern geleugnet wurden. Nie wurde er gefragt, ob er Wunder vollbracht habe, sondern immer nur, wie er dazu imstande war, wer ihm dazu Macht und Autorität gegeben hätte.[4] Die Heilung von Hunderten von Menschen konnte niemand leugnen. Die Tatsachen standen nicht zur Diskussion. Keine zwei Monate nach der Kreuzigung von Jesus konnte Simon Petrus seine Zuhörer daran erinnern. An Pfingsten predigte er vor einer grossen Versammlung: «Jesus von Nazareth, einen Mann, der von Gott euch gegenüber beglaubigt wurde durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr auch selbst wisst; diesen …»[5]

 
Ich sehe was, was du nicht siehst
Es spricht also einiges dafür, die Wunder, die uns von Jesus berichtet werden, für bare Münze zu nehmen. Warum fällt das vielen trotzdem so schwer, und sie betrachten sie mit soviel Skepsis? Die Antwort ist wohl, dass sie einfach nicht in unser Weltbild passen und nicht unseren Erfahrung entsprechen. Weil kaum jemand schon selber ein Wunder erlebt hat, schliessen wir daraus, dass es so etwas auch nicht geben kann. Aber diese Argumentation steht auf schwachen Beinen. Auch ein Galileo Galilei hatte zunächst gegen alle Erfahrung behauptet, die Erde drehe sich um die Sonne.

 
Skeptisch – na und?
Wer damals bei den Wundern dabei war, konnten sie ebenfalls oft nicht einordnen. Ein Mensch, der als Blinder geboren wurde, kann normalerweise nicht im nächsten Moment wieder sehen,
[6] und ein paar einzelne Brote und Fische machen nie und nimmer 5000 Menschen satt.[7] Auf dem Wasser laufen? Wo hätte man so etwas schon mal gehört?[8]

Die Zeitgenossen von Jesus waren nicht viel weniger skeptisch als wir heute. Nur konnten sie den Tatsachen weniger leicht ausweichen. Denn sie waren vor ihren eigenen Augen geschehen und riefen danach, dass man zu ihnen Stellung bezieht. Einige dieser Augenzeugen haben uns ihre Berichte überliefert. Sie bezeugen einen Jesus, der heute noch derselbe ist und alte Erfahrungshorizonte erweitert.

 

bearbeitet von: Jens Kaldewey, Lothar Mack




[1] „Dynameis“ = Kräfte, Kraftwirkungen

[2] Johannes 20,30-31

[3] Johannes 2,1-11

[4] Matthäus 21,33

[5] Apostelgeschichte 2,22

[6] Johannes 9,32

[7] Johannes 6,5-9

[8] Matthäus 14,26
Datum: 14.03.2005
Autor: Josh McDowell
Quelle: Das kann ich nicht glauben

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