Was meinte Jesus mit dem „Reich Gottes“?

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Wenn Jesus auftrat, hörten die Menschen zu. Ergriffen. Verwundert. Verwirrt. „So wie dieser hat noch keiner gesprochen“, hiess es. Jesus redete nicht um den heissen Brei herum. Klipp und klar sagte er denen, die es hören wollten, was Sache ist. Er fuhr den selbstverliebten Frommen an den Karren, er gab den Armen eine Perspektive, er richtete die Leidenden auf – und er kam immer wieder auf sein Lieblingsthema zu sprechen: das Reich Gottes.

Segen vom höchsten König

Im griechischen Urtext des Neuen Testaments steht für ‚Reich’ das Wort ‚basileia’. Es meint königliche Herrschaft. Jesus bringt damit zum Ausdruck, dass Gott vom Himmel aus gerecht und gütig unter seinen Menschen herrscht, sie von Schuld und Verstrickungen befreit, sie heilt und beschenkt, sie zu einer neuen Gemeinschaft verbindet und mit seiner väterlichen Nähe ihr Leben bestimmt.


Nähe Gottes erleben – zuerst im Glauben

Wie der Herold, der ein neues Zeitalter ankündigt, trat Jesus auf mit der Proklamation: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt diese gute Botschaft!“ (Markus 1,15). Damit machte er deutlich, dass diese neu angekommene Herrschaft erst zu glauben war. Handfest da, so dass jede und jeder sie spürte, war sie nicht.

Reich Gottes? Wie denn, fragten die Leute? Wie, wenn die Legionen der Römer brutal dafür sorgen, dass jeder dem Kaiser Steuern zahlt? Wie, wenn Lokalfürsten, die Oberschicht und Zöllner die Bevölkerung ausbeuten? Wie kann man da von Gottes Herrschaft reden?

Nicht politisch-militärische Macht…

Jesus wurde nicht müde, das Wesen und stufenweise Werden von Gottes Herrschaft, die Entwicklung – und Vollendung – der ‚basileia’ zu erläutern. Er sagte es mit knappen Sätzen und scharfen Kontrasten. So fragte einer der frommen Pharisäer, wann das Reich Gottes komme, wollte wohl den Zeitpunkt der politischen Machtübernahme erfahren.

…sondern Gemeinschaft von Menschen, die auf Gott hören

Jesus sagte dazu: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äusseren Anzeichen erkennen kann. Man wird auch nicht sagen können: ‚Seht, hier ist es!’ oder: ‚Es ist dort!’ Nein, das Reich Gottes ist mitten unter euch“ (Lukas 17,20-21). Anders gesagt: Das Reich Gottes ereignet sich in der Gemeinschaft der Menschen, die sich nach den Worten von Jesus von Gott rufen, miteinander verbinden und in ihrem Lebensstil bestimmen lassen.

Dem römischen Prokurator Pilatus, der ihn verhörte, tat Jesus seine Stellung in diesem Reich kund, und er unterstrich zugleich dessen nicht-staatlichen Charakter: „Das Reich, dessen König ich bin, ist nicht von dieser Welt… Ich bin in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeuge zu sein“ (Johannes 18,36).

Gleichnis-Geschichten zur Verdeutlichung

Diese Wahrheit brachte Jesus in einprägsamen Geschichten zum Ausdruck, in Gleichnissen, deren Sinn allerdings nicht gleich allen aufging. Er nahm Begebenheiten aus der Natur und dem Alltag der Menschen, um zu zeigen, wie Gott die Sache anging, was das Wesen der ‚basileia’ ausmacht und welche Verantwortung den Menschen zukommt, die damit konfrontiert werden.

Unauffällige Anfänge, unaufhaltsame Entfalrung

Jesus verglich die Ankündigung des Reiches Gottes mit dem Ausstreuen von Samen, die auf ganz unterschiedlichen Grund fallen (Lukas 8,5-15). Er forderte damit die Hörerinnen und Hörer auf, ein guter Boden zu sein und der Botschaft vom Reich in ihrem Leben Raum zu geben.

Dass den unscheinbaren Anfängen seines Reichs eine grandiose Entwicklung folgen würde, brachte Jesus mit dem Bild eines Senfkorns zum Ausdruck, aus dem schliesslich der grösste Baum erwachsen wird (Matthäus 13,31-32). Gottes Initiative gleicht der Einladung eines Königs zum Hochzeitsbankett seines Sohns – einer Einladung, der erstaunlicherweise manche nicht Folge leisten (Matthäus 22,2-14).

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Perlen

Gott erwartet Initiative und Versöhnlichkeit

Zum Reich gehören, heisst vorerst, vom König befristet überlassene Vermögensteile, seine Talente aktiv zu verwalten und im Leben daraus das Beste zu machen. Der König wird nach Ablauf der Zeit Rechenschaft dafür fordern (Matthäus 25,14.30).

Die ‚basileia’ Gottes (Matthäus braucht den gleichbedeutenden Ausdruck ‚basileia’ der Himmel, daher Himmelreich) ist von Vergebung geprägt: Schuld wird dem erlassen, der reuig zu Gott kommt und darum bittet; ein totaler Neuanfang ist möglich. Wer zwar Vergebung in Anspruch nimmt, aber selbst nicht vergeben will, sondern unversöhnlich bleibt, hat keinen Platz im Reich Gottes, sagt Jesus (Matthäus 18,23-34).

Anderseits gilt Gottes Zusage, dass er Menschen annimmt, wie tief sie auch gefallen sind, wie unwürdig sie sich auch vorkommen. Jesus spricht von dem Vater, der nicht aufhört zu warten auf den Sohn, der ihm davon gelaufen ist, und ihn umarmt und ehrt, wie er in Lumpen heimkommt (Lukas 15,11-27).

Kostbar wie nichts Anderes

Den Wert der ‚basileia’ für den Einzelnen verdeutlichte der Wanderprediger aus Nazareth mit einem Schatz und einer Perle (Matthäus 13,44-46). Es lohnt sich, sagte Jesus mit diesem Gleichnis, alles dranzugeben, um zur ‚basileia’ von Gott zu gehören!

Datum: 27.03.2003
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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