Die vergessene Wahrheit

Fürchten Sie Gott?

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Es gab einmal eine Zeit, als Christen «gottes-fürchtig» genannt wurden. In vergangenen Generationen war das eins der grössten geistlichen Komplimente, die man einem Menschen machen konnte. Haben wir heute, im Zeitalter des Kuschelgottes, etwas ganz Wichtiges verloren?

Nicht wahr, solche Ausdrücke haben wir nicht gern. Gott fürchten? Bewahre! Gott ist doch lieb, nett, nahbar. Er will unser Bestes, oder? Wie sollten wir ihn da fürchten?

Das Problem: Die ganze Bibel redet immer wieder von «Gottesfurcht» – und zwar nicht nur als etwas Marginales, das man vernachlässigen könnte. Im Buch der Sprüche heisst es sehr deutlich: «Die Furcht Gottes ist der Anfang der Weisheit». Wow! Man kann also nicht weise sein, ohne Gott zu fürchten. Auch im Neuen Testament gibt's solche Töne; zum Beispiel werden wir ermahnt, unsere Rettung «mit Furcht und Zittern zu bewirken». Eine neue Übersetzung macht es etwas klarer: «[achtet darauf,] euch mit aller Ehrfurcht und Gewissenhaftigkeit darum zu bemühen, dass eure Rettung sich auswirkt.» (Neue evangelistische Übersetzung).

Der «gott» von heute

Jemand sagte einmal: «Die Leute wünschen sich keinen Vater im Himmel, sondern einen Grossvater – einen, der alt ist und schon etwas tatterig und sagt 'lass die Jungen doch machen…'.»  Es scheint, dass für viele heute «gott» mit einem kleinen Anfangsbuchstaben geschrieben wird. Er ist nicht wert, dass man ihn fürchtet: ein kindliches, kränkliches, verweiblichtes und pathetisches Wesen, das sich nach unserer Liebe und nach unserem Interesse sehnt, statt nach unserer Furcht. Dieser «gott» ist kraftlos, verletzlich, schwach und von unserer menschlichen Zuwendung abhängig. Oh, wie sehnt er sich, dass wir ihn annehmen! Oh, wie wäre er dankbar, wenn er in unserem Herzen einen kleinen besonderen Platz bekäme!

Er ist ganz anders

Das ist, zugegeben, ein wenig übertrieben. Aber nur ein wenig. Denn das ist ganz sicher nicht der Gott, den wir in der Bibel kennenlernen. Dieser Gott ist dreimal heilig. Er ist hoch erhaben und erhoben. Wenn er ruft, werden die Himmel erschüttert. Nichts kommt gegen ihn an. Nichts – keine schlechten Nachrichten, keine Drohungen und keine Feinde – bringt ihn zum Zittern. Er lacht über seine Feinde. Er lässt Pharao und sein ganzes Heer versinken, um sein Volk zu schützen. Er lässt Königin Isebel von Hunden auffressen. Und als die Mächte der damaligen Zeit seinen Sohn kreuzigen, streckt er die Hand aus und weckt ihn vom Tod wieder auf – in einer erstaunlichen Demonstration seiner Allmacht. «Zur Hölle mit dir, Tod», knurrt er. «Ich hole meinen Sohn zurück!»

Fürchten – oder lieben?

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Für viele ist «Furcht» das Gleiche wie Angst. Und vielen ist mit dem Herrgott als Kinder Angst gemacht worden: «Pass auf, kleines Auge, was du siehst.» Dass Gott als moralischer Zeigefinger oder sogar als Droh-Instrument missbraucht wird, darf uns allerdings nicht ins Gegenteil verfallen lassen. Verharmlosung Gottes ist keine Lösung. Heute würden wir «Furcht» Gottes darum vielleicht am ehesten mit «grossem Respekt, Ehrfurcht» übersetzen. Mit diesem Gott spielt man nicht.

Vor 500 Jahren begann der Reformator Martin Luther seine Erklärung der Zehn Gebote jedes Mal mit dem gleichen Satz: «Wir sollen Gott fürchten und lieben». Es gibt Dinge im Leben, die kann man nur mit zwei Worten ausdrücken, das hat Luther hier meisterhaft gemerkt.

Die zornfreie Zone

Seien wir ehrlich: Wer will schon einen weichgespülten Kuschelgott? «Aslan ist kein zahmer Löwe», heisst es in den «Narnia-Chroniken» von C.S.Lewis. Wie viele Gelegenheiten gibt es, wo wir auf die Stärke Gottes angewiesen sind und seine Kraft nötig haben!

Aber dieser Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn opferte und die Strafe über die Sünde der Menschen über Jesus ausgoss – damit wir frei ausgehen können. Wer das annimmt und an Jesus glaubt, tritt in die «zornfreie» Zone ein. Und kann Gott lieben, denn dazu sind wir geschaffen. Sind Sie in diese zornfreie Zone schon eingetreten?

Wenn Menschen früher also «gottesfürchtig» genannt wurden, dann hatten sie nicht Angst vor Gott. Aber Respekt. Sie lebten in vertrauensvollem Gehorsam. Denn er ist nicht Grossvater, sondern Vater. Und gerade weil ihn unsere Erlösung so viel kostete, können wir seiner Liebe gewiss sein. Und den Herrn des Kosmos mit allen Kräften wiederlieben. 

Zum Thema:
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Datum: 02.03.2017
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Jesus.ch / Evangelical Focus

Kommentare

Also der Vater im Himmel hat gewisslich nicht Zorn über Jesus ergossen. Wie sollte er auch. Tja, dass die geistlichen Untertanen des ewigzornigen Herrn der Heerscharen, der der so ganz anders ist als der Vater im Himmel, das pure Gegenteil sogar, mit Jesus Gottesoffenbarung nicht klar kamen, zeigt ja die Kreuzigung. Jesus lehrte zornfrei zu werden und bleiben.Wer Jesus glaubt(e), und sich zu seinem Gottverständnis bekehrt(e) tritt in eine segensreiche Gottverbundenheit, die im Alltag dann erfahrbar wird. Ehrfurcht hat nichts mit Fürchten zu tun. Doch Ehre allein dem Ehre gebührt. Soli deo gloria. Der wahre Gott brauchte keine Stiftshütte, denn er ist Geist und im Himmel und in unseren Herzen

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