Wo ist Gott, wenn unser Leben aus den Angeln gehoben wird?

Kennen Sie Murphys Gesetz? Es lautet: „Alles, was schiefgehen kann, geht auch schief.”


Dass Krisen zum Leben gehören, ist ein geflügeltes Wort. Leicht geht uns dieser Satz allerdings nur so lange über die Lippen, wie er andere betrifft!

Traurig, aber allzu oft wahr: Für einen flüchtigen Augenblick sind wir glücklich. Das Leben zeigt sich von seiner Sonnenseite. Wir fühlen uns sicher. Nichts kann uns aufhalten – denken wir. Doch urplötzlich passiert etwas, das uns völlig aus der Bahn wirft: Wir entdecken beim Duschen einen seltsamen Knoten. Unser Kind hat einen Unfall. Wir werden arbeitslos. Wir fallen durch eine Prüfung. Unsere Partnerschaft geht in die Brüche.

Die Krise ist perfekt und wir fühlen uns wie ein Nichtschwimmer auf offener See. Panik bricht aus: Warum ich? Warum jetzt? Und vor allem: Was tun?

Zeit der Veränderung

Dass Krisen zum Leben gehören, ist ein geflügeltes Wort. Leicht geht uns dieser Satz allerdings nur so lange über die Lippen, wie er andere betrifft! Doch wenn das Leid an unsere Tür klopft, bleiben uns die schnellen Antworten im Hals stecken.

Eine zweite Weisheit ist aber nicht weniger wahr: Jeder schmerzhafte Einschnitt ins Leben birgt auch Chancen. „Wir müssen uns darüber klar werden: Krisen sind kein Zeichen, dass man ein furchtbar gestörter Mensch ist, sondern sie gehören zu einem gelingenden Leben”, weiss Verena Kast, Professorin für Psychologie an der Universität Zürich. „Die Chance einer Krise besteht darin, dass unser Leben auf einen Punkt zustrebt, wo man neu denken und alte Einstellungen verlernen muss. Hier haben wir die Chance, neu mit uns selber in Kontakt zu treten.”

Oft lernen wir uns erst dann richtig kennen, wenn das Leben einen unvorhersehbaren Haken schlägt. Dass die Gefühle in solchen Zeiten Karussell fahren, ist völlig normal. Denn mit einem Mal begreifen wir: Wir sind gar nicht der Kapitän unseres Lebensschiffes! lm Gegenteil: Wir sind verwundbar!

Psychologen haben herausgefunden, dass Menschen in Krisenzeiten vier Phasen in unterschiedlicher Intensität durchlaufen:

1.Die Phase des Leugnens

Wir wehren uns gegen die Krise, wollen nicht wahrhaben, dass Dinge nicht mehr so sind, wie sie bisher waren.

2. Die Phase aufbrechender Gefühle

Wir erkennen die Problematik an, aber fühlen uns machtlos und ohne Hoffnung. Wir hadern mit dem Schicksal oder mit Gott, haben Angst, Wut, Schuldgefühle und Selbstzweifel.

3. Die Phase der Neuorientierung

Wir beginnen langsam, nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.


Gott lässt die Sonne für die Bösen und die Guten scheinen.

4. Neues Gleichgewicht

Wir haben uns mit der neuen Situation arrangiert und blicken wieder nach vorne.

Selten müssen wir uns derart ehrlich mit uns selbst beschäftigen wie in den Phasen, in denen unser Leben gegen unseren Willen eine neue Laufrichtung erhalten soll. „Wer bin ich?”, fragen wir uns dann, und auch: „Wie lebe ich? Woran mache ich mein Leben wirklich fest? Was glaube ich? Was muss ich ändern?” Und oft entdecken wir dabei ganz banale Dinge wieder ganz neu. Zum Beispiel, dass wir

- das Leben, auch Alltägliches, wieder mehr schätzen sollten
- uns weniger wichtig nehmen sollten
- uns wichtiger nehmen dürfen
- den Sinn des Lebens in anderer Richtung als bisher suchen sollten
- andere mehr akzeptieren und barmherziger sein sollten
- Familie und Freunde wichtiger nehmen müssen
- mehr für unsere Gesundheit tun sollten
- den Glauben zum ersten Mal oder erneut finden können.

Krise gleich Gotteskrise?

„Als Christin hatte ich immer auf al les eine Antwort – bis ich geschieden wurde”, bekennt eine 37-Jährige. „Auf einmal geriet alles, was ich zu besitzen, zu wissen und zu glauben meinte, ins Wanken.”

Gerade für Christen bedeuten Krisen immer wieder eine besondere Zeit der Entscheidung in ihrer Beziehung zu Gott. Denn nicht selten hat das landläufig fromme Denken seine ganz eigene Rechnung aufgemacht: Betrüger in der Krise, ja. Ehebrecherin der Krise, ja. Aber Christ in der Krise? Niemals!

Solche Gedanken kommen nicht von ungefähr, denn das gesellschaftliche Erfolgsdenken macht auch vor der Kirchentür nicht Halt. Und auch eine zweifelhafte „Gläubig-gleich-nie-mehr-unglücklich"-Theologie hat in vielen Köpfen viel zu viel Raum gefunden. Ihre falschen und unbarmherzigen Forderungen lauten: Wer Christ ist,

- muss glücklich sein.
- muss gesund sein.
- muss reich sein.
- muss glücklich verheiratet sein.
- hat keine Probleme.
- hat sein Leben immer im Griff!

Du musst, du musst, du musst! Doch gegen diese hohen Ansprüche steht das wahre Leben. Auch das Leben mit Gott.

„Gott lässt seine Sonne für die Bösen wie die Guten scheinen, und er lässt es regnen über Fromme und Gottlose”, sagt Jesus in der Bibel in Matthäus, Kapitel 5, Vers 45. Und macht damit klar, dass auch den treuesten seiner Nachfolger gewisse Härten nicht erspart bleiben. Tragische Ereignisse sind eben oft keine Strafe für „schlechtes Betragen”, sondern können jeden Menschen treffen – ob nett oder gemein.


Gott weiss, wie schwer es uns fällt, ihm in harten Zeiten zu vertrauen. Doch er lässt uns nicht im Stich, wenn wir uns an ihn wenden.

Dem Sinn auf der Spur

Gott weiss, wie schwer es uns fällt, ihm in harten Zeiten zu vertrauen. Darum muss sich niemand verstecken, wenn er mitten im Schmerz an Gottes Liebe zweifelt. Jesus selbst kannte solche Versuchungen. Der Schreiber des biblischen Hebräerbriefes malt seinen krisengeschüttelten Lesern ein tröstliches Bild vor Augen: „Als er noch auf der Erde lebte, hat Jesus sich mit Gebet und Flehen an Gott gewandt, der ihn vom Tod retten konnte; mit lautem Rufen und unter Tränen hat er seine Not vor ihn gebracht. Weil er treu zu Gott hielt, ist er schliesslich auch erhört worden. Und doch: Obwohl er Gottes Sohn war, hat er zunächst durch das, was er durchmachen musste, den Gehorsam gelernt.”

Wer Glauben als „magischen Schutz” vor den Schlägen des Lebens versteht, wird früher oder später enttäuscht werden. Der letzte Unterschied zu Menschen, die ohne Gott leben, mag am Ende dort liegen, dass Christen wissen, dass sie in ihren Stürmen nicht alleine sind.

Neuer Mut

Der Apostel Paulus wusste es. Auch er erlebte viele scheinbar sinnlose Einschnitte: Er wurde verfolgt, verleumdet, ausgepeitscht, gesteinigt, war schiffbrüchig, einsam und lag mehr als einmal in einem römischen Gefängnis in Ketten. Doch seine Reaktion auf all diese „Pannen” erstaunt. In seinem zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt er: „Gott ist ein Vater, dessen Erbarmen unerschöpflich ist, ein Gott, der uns nie verzweifeln lässt. Auch wenn ich viel durchstehen muss, gibt er mir immer wieder Mut. Darum kann ich auch anderen Mut machen, die Ähnliches durchstehen müssen. Ich kann sie trösten und ermutigen, so wie Gott mich selbst getröstet und ermutigt hat.“

Manche Lebensstürme mögen für uns keinen tieferen Sinn haben. Ausser dem einen: Gott zum ersten Mal oder auch ganz neu zu begegnen. Bei ihm Trost zu finden, um so andere trösten zu können. Sich von ihm geliebt zu wissen, um auch andere lieben zu können. In der Krise – und darüber hinaus.


Autor: Sabine Schmidt
Quelle: Neues Leben

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