Ein neues Leben in der Umkehr – aber wie?

Sehr viele Menschen können mit dem Begriff «Bekehrung» nichts anfangen. Einige haben sogar starke Aversionen gegen dieses Wort entwickelt. Verständlich. Es gab und gibt auch den Missbrauch der Bekehrung: manipulative Techniken, Seelenmassage und suggestives Drängen. Dennoch, der Missbrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf.

«Mich wundert folgendes: Ihr sprecht von Bekehrung zu Jesus Christus als Errettung. Allerdings finde ich, dass ihr dabei irgendwie das Wort Glaube nicht ausreichend würdigt. Ist es nicht der Glaube, ja, das Vertrauen an die Gnade Gottes in Jesus Christus, der rettet? Es scheint mir, als könne man sich durch das Nachsprechen eines Bussgebetes selber erlösen. Ist es nicht allein Gott, der uns erretten kann? Kann man nicht darauf verzichten und einfach Jesus nachfolgen im Wissen und Vertrauen, dass man selbst nichts vermag und all seine Hoffnung auf Errettung auf ihn setzt?»

Es stimmt natürlich, dass nicht einfach ein nachgesprochenes Lippenbekenntnis genügt, um gerettet zu werden. Der Glaube an Jesus Christus ist eine Entscheidung, die im Kopf getroffen wird, aber mit dem Herzen festgemacht wird. Ein einfaches Lippenbekenntnis allein ist nicht der Weg zum ewigen Heil, da Gott - im Gegensatz zum Menschen - nicht auf das Äussere, sondern auf das Herz des Menschen schaut. Gott sieht in das Herz eines jeden Menschen und weiss daher, welche Entscheidung aus dem Glauben heraus getroffen wurde.

Doch nicht so einfach?

Der Prediger Ole Hallesby erklärte die Bekehrung so: «Die christliche Wiedergeburt ist das umwandelnde Wunder, das Gott in einem Menschen vollzieht. Die Bekehrung ist die an den Menschen gestellte Bedingung. Ich habe mich zu Gott umzukehren, das ist meine Verantwortung. Ich werde von Gott wiedergeboren, das ist sein Handeln mit mir. Wiedergeburt und Bekehrung sind zwei Seiten - die göttliche und die menschliche - eines einzigen Geschehens.»

Einfach, oder doch nicht? Es ist noch nicht so lange her, dass sich Repräsentanten der evangelikalen Bewegung mit Katholiken, Protestanten, Charismatikern und anderen Kirchenvertretern getroffen hatten, um einen Verhaltenskodex für Bekehrung zu entwickeln. Ist die Bibel so unklar zu diesem Thema, dass man sich jetzt «einigen» muss?

Man fragt sich, warum man unter anderem zum Thema «Bekehrung» einen Verhaltenskodex gemeinsam erarbeiten muss, wo die Bibel sehr klar zu diesem Thema Stellung bezieht. Offenbar ist es notwendig, die unterschiedlichen Auffassungen zu diesem Thema, von der Römisch-Katholischen Kirche hin zur Protestantischen, von den charismatischen Gemeinden hin zu konservativen Gruppen auf einen Nenner zu bringen.

Ein Durcheinander

Während sich alle Konfessionen und Richtungen des Christentums darüber einig sind, dass eine Bekehrung eine Entscheidung zum Christentum ist, gehen die Meinungen bei den Fragen, was eine Bekehrung alles umfasst und wodurch sie bewirkt wird, stark auseinander.

Bei den Methodisten und in Teilen der evangelischen Landeskirchen wird die Bibel so ausgelegt, dass der Weg zu Gott jedem Menschen offensteht (vorauseilende Gnade) und es in der Entscheidung des Einzelnen liegt, dieses Angebot anzunehmen oder nicht. Die evangelischen Kirchen verstehen unter Bekehrung die persönliche, freie Entscheidung, Jesus Christus nachzufolgen, ihn als Heiland und Herrn anzuerkennen. Es wird davon ausgegangen, dass diese Entscheidung der Beginn des christlichen Lebens ist.

In Kirchen mit calvinistischer Lehre gilt die Lehre, nach der Gott vor aller Zeit entschieden habe, wer zu den Geretteten und wer zu den Verlorenen gehören wird. Daher bekehrt sich nach dieser Theologie ein Mensch nur, wenn Gott das vor aller Zeit so entschieden hat. Gott allein ist es, der die Bekehrung bewirkt. Da die Menschen aber nicht wissen, wie Gott im Einzelfall entschieden hat, kennen auch diese Kirchen Mission und Aufruf zur Umkehr.

Im Pietismus und in der evangelikalen Bewegung wird die Bekehrung durch ein Gebet an Jesus Christus vollzogen. Man bekennt darin, dass man ein Sünder ist, und bittet Jesus Christus darum, die Herrschaft im eigenen Leben zu übernehmen. Bei christlichen Gemeinden in baptistischer und mennonitischer Richtung ist die Bekehrung eine unabdingbare Voraussetzung. Die Bekehrung ist heilsnotwendig, die Grundvoraussetzung zur Erlösung und leitet die Wiedergeburt ein.

Charismatiker in der römisch-katholischen Kirche sprechen bei dieser Art der Bekehrung lieber von «Lebensübergabe» statt von Bekehrung, weil nach offizieller katholischer Lehre die Wiedergeburt bereits bei der Taufe geschieht und nicht wiederholt werden kann. In der römisch-katholischen Kirche ist die Taufe der Ort der ersten, grundlegenden Bekehrung. Eigentlich bekehrt man sich so zur Kirche.

Was gilt jetzt? Was sagt die Bibel über die Bekehrung und wie kann man sie erleben?
Der zweite Teil dazu:
Eine neue Beziehung verändert das Leben


Autor: Bruno Graber
Quelle: Jesus.ch

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