Vater und Mutter ehren

Ziemlich altmodisch?

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Was ist gemeint, wenn es in der Bibel heisst, Kinder sollen Vater und Mutter ehren? Gehören die eigenen Eltern auf einen Sockel? Das ist doch eine ziemlich überholte Vorstellung!

Das Gebot, die Eltern zu ehren, stammt aus einer Zeit, in der es viele Autoritäten gab, die nicht hinterfragt werden durften. Väter hatten früher die gesetzliche und unbestrittene Führungsrolle. Ihnen oblag die Erziehung der Kinder. Nach der Geburt eines Kindes konnten sie entscheiden, ob sie das Kind behalten wollten oder nicht. Es stand ihnen frei, die Kinder in jeglicher Form zu strafen und sogar als Sklaven zu verkaufen.

Eltern stehen für Anfang und Leben

Eltern haben ihren Kindern zunächst einmal das Leben geschenkt. Sie stehen am Anfang ihres Lebens, hier liegen Herkunft und Wurzeln. Wer das nicht anerkennt und ehrt, der lehnt letztlich auch sich selbst ab – das wird einem mit zunehmendem Alter meist deutlicher, als noch als Jugendlicher oder junger Erwachsener.

In der Bibel wird sogar direkt ein Zusammenhang zwischen der Haltung zu den Eltern und dem eigenen Wohlergehen deutlich gemacht: «Ehre deinen Vater und deine Mutter!» Dies ist das erste Gebot, das Gott mit einer Zusage verbunden hat: «… damit es dir gut geht und du lange auf dieser Erde lebst» (Epheserbrief, Kapitel 6, Verse 2 und 3).

Der Schatten der Familie

Heutzutage denken wir viel über uns selbst nach. Wir lernen dabei, dass viele Dinge, die uns belasten oder einschränken, oft auf Erziehung und Elternhaus zurückzuführen sind.

Unsere Herkunftsfamilie wird so zum Ausgangspunkt für unsere Unzulänglichkeiten und Defizite. Da fällt es nicht leicht, die eigenen Eltern zu ehren. Stattdessen wird die eigene Herkunft als Ballast empfunden, den wir allzu gerne abschütteln würden.

Zu einem Ja finden

Mit Ehren ist keine naive Haltung gemeint, die alles gut findet, was die Eltern sagen und tun und es meint auch keine blinde Unterwürfigkeit. Ein Ja zu den Eltern heisst zunächst einmal zu akzeptieren, dass es so ist und wie es ist – auch mit den schwierigen Punkten.

Wer das nicht kann, wird sich auch an anderer Stelle schwer tun, Dinge, die zunächst nicht zu ändern sind, zu akzeptieren. Dahinter steht dann eine kann eine erbarmungslose Haltung stehen, die sich nicht nur gegen andere Menschen, sondern auch gegen die eigenen Schwächen und Fehler richten wird.

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Jesus ging eigene Wege

Jesus selbst war nicht einfach nur ein angepasster Junge. Es wird in der Bibel berichtet, wie er als Zwölfjähriger eigene Wege geht, als er mit seinen Eltern nach Jerusalem pilgerte. Auf den Ärger seiner Eltern reagiert Jesus mit folgenden Worten: «'Habt ihr denn nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?' Doch sie begriffen nicht, was er damit meinte.» (Lukas-Evangelium, Kapitel 2, Verse 49 und 50)

Sicher, Jesus erlernte den Beruf seines Vaters, er wurde Zimmermann, wie es üblich war. Aber er ging letztlich einen ganz anderen Weg, zog im Land umher und predigte, weil er unbedingt den Willen seines Vaters im Himmel erfüllen wollte.

Autoritäten anerkennen

In einem Sinn können wir in der Beziehung zu den Eltern lernen, dass Autoritäten – mit allen ihren Schwächen – gesetzt und oft nicht veränderbar sind. Wir neigen dazu, Autoritäten nur dann anzuerkennen, wenn wir denken, dass sie es verdient haben.

Doch dieses Gebot hat eine ganz andere Perspektive. Zunächst unabhängig davon, wie viel Ehre die jeweiligen Eltern aufgrund ihres Verhaltens und ihrer Leitungen verdienen. Wer also seinen Eltern mit Respekt begegnet, legt damit eine Grundlage, um auch andere Autoritäten anzuerkennen und annehmen zu können.

Was uns Eltern mitgeben

Wie können wir als Erwachsene Mutter und Vater heute ehren? Zum Beispiel, indem man sich am Guten und nicht nur am Negativen der Eltern orientiert. Machen Sie sich doch einmal bewusst, was Ihnen Ihre Eltern Gutes mitgegeben haben: Stärken, Charaktereigenschaften, Fähigkeiten, die Art etwas anzugehen, Humor etc.

Vater und Mutter ehren, das heisst, ihnen mit Respekt zu begegnen und ihnen Dank auszudrücken. Den Kontakt mit ihnen pflegen und an ihrem Ergehen Anteil nehmen. Besonders im Alter, wenn die physischen und psychischen Kräfte der Eltern nachlassen, sollten wir ihnen mit einer Haltung der Achtung begegnen.
 


Autor: Norbert Abt
Quelle: Jesus.ch

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