Die Heilige Schrift – und die vielen Bibelübersetzungen

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Machen Sie selbst die Nagelprobe.
„Ja, was für eine wollen Sie denn?“, fragte die Verkäuferin in der Buchhandlung, als Peter M. sich entschlossen hatte, nun auch einmal eine Bibel zu besorgen – wenn das angeblich das meist verbreitete Buch der Welt sein soll, sollte man es doch mal angeschaut haben. Die Frage verblüffte den jungen Mann. Gibt es denn mehrere? „Einfach die Bibel“, antwortete er.

Tatsächlich steht man im Fachhandel vor einem ganzen Gestell von verschiedensten Ausgaben der Heiligen Schrift. Nicht nur in der Farben des Umschlags, in Grösse und Aufmachung unterscheiden sich die Bibeln, sondern vor allem in den verschiedensten Übersetzungen. Vielleicht haben Sie auch irgendwo noch ein Exemplar der Bibel zu Hause im Regal stehen – von der Konfirmation, vom Religionsunterricht oder von der Hochzeit? Es gibt ja solche Gelegenheiten, bei denen man ein Exemplar der Heiligen Schrift überreicht bekommt. Nicht immer im fröhlichsten und modernsten Design. Oft prangt da eine schwere Ausgabe, in schwarzes Leder gebunden mit Goldschnitt auf dem Büchergestell. Meistens ist sie auch nicht gerade in der heute gängigen Sprache geschrieben. Denn die Bibel gibt’s ja schon lange. Die ersten gedruckten Bibeln in Deutsch stammen aus dem 16. Jahrhundert, herausgegeben von den Reformatoren wie Luther und Zwingli, die die Bibel aus dem hebräischen und griechischen Urtext übersetzten – Gott sei Dank, denn vorher gab‘s sie in Europa fast nur in Latein. Bis heute wird die Bibel immer wieder in die aktuelle deutsche Sprache übertragen, möglichst genau an den Originaltexten.

Besser mit einer modernen Bibel beginnen

Mag gut sein, dass die Übersetzung Ihrer Bibel aus der Mitte des vorletzten Jahrhunderts stammt oder Ihnen sonstwie sprachlich eher „spanisch“ vorkommt. „Sinthemal wir weiland gewandelt sind …“, steht da vielleicht an einem Ort. Dann empfehlen wir Ihnen, sich dazu auch eine ganz moderne, gut verständliche Ausgabe zu besorgen. Sie kriegen sie in jedem Buchladen, beispielsweise „Die Gute Nachricht“ oder „Hoffnung für alle“ oder „Neues Leben“. Mein persönlicher Favorit: Die „Gute Nachricht Bibel“ mit Einführungen und Bildern (ISBN 3-438-01630-3). Wenn Sie sofort einsteigen wollen, finden Sie diese Übersetzungen auch im Internet, etwa unter www.bibelserver.com . Werfen Sie deswegen die alte Bibel nicht weg. Einerseits hat sie, wenn sie wirklich alt ist, Sammlerwert. Andererseits wird sie ihnen später nützen, wenn sie die Bibeltexte schon etwas kennengelernt haben. Dann wird es nämlich spannend sein, ganz alte und neue Versionen miteinander zu vergleichen.

Zwischen genau und verständlich

Ideal ist, wenn man einen Klassiker unter den Bibelübersetzungen wie die Luther-, Zürcher-, Schlachter- oder Elberfelderbibel parallel zu einer moderneren Bibel wie oben erwähnt lesen kann. Die Bibeln der Reformatoren, die alle paar Jahrzehnte wieder renoviert werden, müssen also deshalb nicht ganz so alt und verstaubt sein. In diesem Jahr ist gerade die Zürcherbibel ganz neu erschienen. Diese Bibeln bemühen sich um wissenschaftlich genaue Übersetzung aus den Sprachen, in denen die biblischen Bücher einst geschrieben wurden. Die Genauigkeit steht in der Regel vor der Verständlichkeit. Umgekehrt bemühen sich modernere Übersetzungen um Verständlichkeit eher auf Kosten der Genauigkeit. Jüngstes und wohl auch extremstes Beispiel ist die so genannte „Volxbibel“ mit der Idee, die biblischen Aussagen in Deutschlands Gassensprache Jugendlicher zu fassen. Für Schweizer Ohren klingen diese Sätze teilweise etwas fremd. Da bieten sich in unseren Landen dafür Bibeln oder zumindest Bibelteile in verschiedenen Schweizer Mundarten an.

Übersetzung oder Übertragung?

Kritiker von „Gute Nachricht“ und „Hoffnung für alle“, meist gebildete Theologen, welche die Bibel in den Ursprachen kennen, sprechen deshalb gerne von inhaltlichen Verzerrungen und bezeichnen diese modernen Ausgabe lieber als Übertragungen statt als Übersetzungen. Wesentliche Inhalte der Heiligen Schrift gingen verloren, sagen sie. Umgekehrt argumentieren Verfechter moderner Ausgaben, wichtiger als alle theologischen Feinheiten sei zunächst einmal, dass die Menschen von heute durch die verständliche Sprache überhaupt einen Zugang zum Wort Gottes fänden. Sonst würden sie zu stark abgeschreckt. „Wer eine Lutherbibel mit offenem Herzen liest“, entgegnet die andere Seite, „dem öffnet der Heilige Geist schon das Verständnis“. Zudem seien ja auch die Theologen, die Pfarrer und Prediger dafür da, das Wort Gottes zu erklären. Wie dem auch sei: Beiderlei Typen von Bibeln im Vergleich zu lesen, ist sehr aufschlussreich und empfehlenswert. Machen Sie selbst die Nagelprobe.

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Autor: Fritz Herrli
Quelle: Jesus.ch

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