Krex, Kornelius & Co.

Gott mag keine Schubladen

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Zehn Jahre, nachdem Jesus am Kreuz gestorben ist, wächst die erste Gemeinde und entwickelt sich. Gerade ist Paulus zum Glauben gekommen. Da verschiebt Lukas als Autor der Apostelgeschichte den Fokus und zeigt auf Kornelius, den ersten Heiden der Region, der zum Glauben an Jesus kommt. Aber in seiner Erzählung stimmt fast nichts mit den üblichen Erwartungen an eine sogenannte «Bekehrung» überein. Und das ist sehr ermutigend!

Alexander Krex ist Journalist. Er ist Ende dreissig und erfolgreich. Trotzdem schreibt er im Dezember 2020 einen Artikel in der ZEIT, in dem er nach Gott ruft. Er habe sich nie wirklich von Gott abgewendet, weil er nie zu ihm gehört hat. Aber jetzt fragt er sich: «Warum missioniert mich keiner? Bin ich ein zu schwerer Fall?» Er ist nicht so auf der Suche, dass er sofort zu jedem Angebot «ja» sagen würde, aber er sucht nach einem Halt, der nicht nur für ihn selbst reicht, sondern auch für seine Kinder.

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Hauke Burgarth
Ich habe über seine Gedanken einen Artikel bei Livenet geschrieben und einige Reaktionen darauf bekommen. Typisch war die Antwort mancher Christen: «Wenn er wirklich suchen würde, würde er auch finden…» Das hört sich sehr biblisch an, ist aber grundverkehrt. Weil es eine biblische Aussage in ihr Gegenteil verkehrt. Als Jesus das gesagt hat, war es nämlich ein Trost für Suchende und keine Waffe gegen sie (Matthäus-Evangelium, Kapitel 7, Vers 7). Ausserdem ignoriert es völlig, dass Gott manchmal ganz andere Wege geht als wir es erwarten, denn: Gott mag keine Schubladen.

1. Ihr Leben ist nicht vorgezeichnet

«In Cäsarea lebte aber ein Mann namens Kornelius, ein Hauptmann der Schar, die man ‹die Italische› nennt.» (Apostelgeschichte Kapitel 10, Vers 1)

Kornelius ist ein römischer Zenturio. Aber er ist weder so dumm wie die Römer bei Asterix noch so grausam wie die in vielen historischen Filmen. Wir wissen von ihm, dass er Chef über 80 Soldaten war – 100 gab es nur auf dem Papier –, dass er sich wahrscheinlich aus dem Soldatenstand hochgearbeitet hatte und entweder als Legionär sterben oder am Ende eine Rente bekommen und davon ein kleines Landgut kaufen würde. Und damit ist sein Leben nicht nur beschrieben: Es ist vorgezeichnet. Es steht quasi unter dem Fluch der Unabänderlichkeit: «So bist du. So bleibst du. Da kommst du nicht raus.»

Allerdings durchbricht die Bibel immer wieder scheinbar vorgezeichnete Geschichten – und offensichtlich tut Gott das bis heute. «Dein Vater war so – du wirst genauso werden.» «Du warst schon immer unzuverlässig, du wirst es bleiben.» Sätze wie diese stecken uns in Schubladen, doch bei Gott ist Ihr Leben nicht vorgezeichnet.

2. Sie glauben – und Gott sieht das

«... der war fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus und gab dem Volk viele Almosen und betete ohne Unterlass zu Gott.» (Vers 2)

Wenn wir damals in Cäsarea irgendeinen Juden auf der Strasse angehalten und nach Kornelius gefragt hätten, wäre ein Loblied die Folge gewesen: «So ein feiner Kerl. Er glaubt sogar an Gott. Und nicht nur er, sondern sein ganzer Haushalt. Und stellen Sie sich vor: Er unterstützt sogar unsere Arbeit unter den Notleidenden.» «Dann ist er bestimmt eine echte Stütze des Gemeindelebens…?» «Also … für einen Heiden ist er nicht schlecht, aber natürlich ist er nicht wirklich gläubig. Wir haben nichts gegen ihn, aber dazugehören tut er selbstverständlich nicht.» Natürlich gibt es Menschen, die nicht an Gott glauben. Das sagen sie meistens auch so. Aber spannend wird es bei Leuten wie Kornelius, die schon glauben, aber irgendwie ein bisschen anders…

Und wie ist das heute? Wir sprechen von Kirchengläubigen – und meinen Menschen, die nicht glauben. Wir sprechen von wiedergeborenen Christen – und meinen Menschen, mit denen wir nicht zum Abendmahl gehen. Und dann gibt es schliesslich Menschen, die GLINUS sind. Die sind okay, denn sie sind «gläubig in unserem Sinne». Wobei in unserem Sinne eigentlich bedeutet: in meinem Sinne.

Nennen Sie mich einen Ketzer, aber ich glaube nicht mehr, dass Gott die Massstäbe an das Glaubensleben anderer anlegt, die zufällig gerade mit meiner Prägung übereinstimmen. Glauben Sie? Wunderbar, lassen Sie es sich nicht ausreden. Sie glauben – und Gott sieht das.

3. Ihre Gebete werden gehört

«Der sah um die neunte Stunde des Tages in einem Gesicht deutlich einen Engel Gottes zu ihm hereinkommen, der zu ihm sprach: Kornelius! Er aber blickte ihn an, erschrak und sprach: Was ist, Herr? Er sprach zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgekommen vor Gott, sodass er ihrer gedacht hat! Und nun sende Männer nach Joppe und lass Simon holen mit dem Beinamen Petrus.» (Verse 3-5)

Wie oft hat Kornelius sich schon zum Beten zurückgezogen. Hunderte Male. Er stellt sich auf, erhebt sein Gesicht und zitiert die jüdischen Gebete. Und plötzlich geschieht das, was jeder von uns sich wünscht, der betet, was uns aber nur sehr selten passiert: Gott antwortet. So richtig konkret. Ein Engel steht bei ihm und sagt: «Dein Beten und deine Gaben sind bei Gott angekommen.»

Aber ist Kornelius kein Heide? Wie kann Gott ihn dann hören? Und ist es nicht Werkgerechtigkeit, wenn man spendet, um dadurch Zugang zu Gott zu bekommen? Offensichtlich stört all das Gott nicht. Ich würde mir ab und zu so einen Engel wünschen, wie er damals zu Kornelius kam. Aber wenn ich ihn und seine Situation sehe, dann macht mir das Mut. Dann weiss ich für mich und auch für Sie: Unsere Gebete werden gehört.

4. Sie haben eine Botschaft

Sie kennen sicher evangelistische Veranstaltungen. Typischerweise steht da ein älterer Mann, erzählt von Gott und seiner Liebe, von den Menschen und ihrem Versagen und ruft dann auf: «Deshalb: Kehre um zu Gott.» So etwas in der Art sollte jetzt auch folgen, oder? Kornelius hat seine Boten zu Petrus geschickt. Gott hat währenddessen mit Petrus geredet und ihm klargemacht, dass er auch zu Nichtjuden gehen soll. Und der hält sich daran. Er kommt zu Kornelius nach Cäsarea, der inzwischen seine Nachbarn, Freunde und Kollegen herbeigetrommelt hat. Alle schauen erwartungsvoll auf Petrus, und Kornelius unterstreicht noch einmal: «So sind wir nun alle gegenwärtig vor dem Angesicht Gottes, um alles zu hören, was dir von Gott aufgetragen ist» (Vers 33).

Aber die folgende Evangelisation ist sehr ungewöhnlich. Petrus beschreibt ausführlich, was er alles gelernt hat, unter anderem: «Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht» (Verse 34-35). Und dann ist Petrus erstaunt. Denn Gott stellt sich zu der seltsamen Versammlung an Soldaten, Familie und Angestellten: «Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten.» (Verse 44-48). Nun wird Petrus aktiv – denn er tauft Kornelius und Co, weil Gott selbst ihnen begegnet ist.

Ich komme noch einmal auf den Journalisten vom Anfang zurück. Er bezeichnet sich nicht als Christ – und hat trotzdem eine Botschaft für uns. Viele Christen tun sich schwer damit, von althergebrachten Missionsstrategien kommend in einen Dialog einzusteigen. In einen Dialog mit Menschen wie Alexander Krex, die mit offenen Fragen kommen, aber gleichzeitig mit klaren Positionen. Die Orientierung suchen, ohne verloren zu sein.

Wenn Sie ein Typ wie Kornelius sind, dann wünsche ich Ihnen, dass Sie so wie er erfahren:

  • Ihr Leben ist nicht vorgezeichnet.
  • Sie glauben, und Gott sieht das.
  • Ihre Gebete werden gehört.
  • Sie haben eine Botschaft.

Aber es gibt auch die andere Seite. Wenn Sie ein Typ wie Petrus sind, dann wünsche ich Ihnen, dass Sie Kornelius und Co auch heute ihren Glauben nicht absprechen, sondern von ihnen lernen und sie unterstützen, denn: Gott mag keine Schubladen.

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Datum: 24.01.2021
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

Kommentare

Man könnte noch hinzufügen: Wenn Sie ein Kornelius-Typ sind, dann wird Gott Ihnen begegnen! Denn Jesus hat ja gesagt: Wer sucht, der wird finden! Den letzten Punkt & die Schlussfolgerung für Petrus-Typen kann ich nur halb teilen: Denn in der Geschichte geht es darum, dass Petrus vom Heiligen Geist und von Gott gelernt hat, nicht oder nur indirekt von Kornelius. Der Heilige Geist hat ihn durch diese Begegnung gelehrt, dass Gott alle Menschen, unabghängig ihrer Ethnie/Religion/Herkunft retten und zu seiner Familie hinzufügen will. Und Kornelius hat ja anschliessend ziemlich ein "Schubladen-Erlebnis": Sie erhalten den Heiligen Geist und werden danach von Petrus getauft. Genau wie die Jünger!

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