In den Stürmen des Lebens

Wenn die eigene Selbstsicherheit ins Wanken kommt

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Wer sich in seinem Metier befindet, fühlt sich sicher. Er hat die Kontrolle über jede Situation, weiss auch bei Problemen, was zu tun ist, und kaum etwas bringt ihn aus der Ruhe.

So in etwa fühlten sich wohl auch die zwölf jungen Männer, als sie aufs Meer hinausfuhren. Die meisten von ihnen waren Fischer, das Meer war ihr zweites Zuhause. Am Geruch in der Luft erkannten sie schon, ob später ein Sturm aufkommen würde – und auch solche schwierigen Lagen kannten sie und wussten, wie man reagiert. Alles easy. So war es denn auch kein Problem, dass sich ihr Anführer – Jesus von Nazareth – in die Ecke aufs Kissen legte und schlief. Tagsüber hatten sie ihn gebraucht: predigen, so wortgewandt war nur Jesus. Und heilen, das konnte nur Jesus. Dämonen austreiben, diese Macht hatten sie nicht. Aber mit dem Schiff übers Meer auf die andere Seite übersetzen? Das war kein Problem. Hier waren sie gefragt.

Wenn die Selbstsicherheit verpufft

Doch dann, urplötzlich, ist alles anders. Ein heftiger Sturm kommt auf. Wellen schlagen ins Boot und es beginnt, sich mit Wasser zu füllen. Zunächst verliert niemand die Ruhe, sie wissen ja was zu tun ist: Wasser schöpfen, Gewicht richtig verteilen, gegen den Sturm rudern, mit dem Sturm rudern… Doch nichts hilft, das Boot droht unterzugehen. Was jetzt? Angst packt die eben noch so selbstsicheren Männer. Und Jesus? «Jesus aber schlief im hinteren Teil des Bootes auf einem Kissen.» (Markusevangelium, Kapitel 4, Vers 38). Wie ist das möglich, bei dem Sturm? Der Wind heult, die Wellen peitschen, womöglich tobt auch ein Gewitter, aber Jesus schläft…

Klingt das irgendwie bekannt? Ich muss zugeben, dass es mir immer wieder mal so geht. Wenn kleine Probleme in meinem Leben auftauchen, erste Regenwolken, erstelle ich einen Plan, welche Schritte ich vornehmen kann, um das Problem zu lösen. Eine Strategie, die ich in der Hand habe. Hilfe brauche ich da nicht, von niemandem. Aber was, wenn das Ganze ausser Kontrolle gerät? Wenn sich die Regenwolken auftürmen und das Gewitter so heftig wird, dass die Segel von meinem Boot durchreissen? Dann frag ich mich mit einem Mal, wo denn Jesus ist. Sieht er mich nicht, wie ich hier schwimme? Interessiert ihn meine Lage überhaupt nicht? Will er mir nicht helfen oder kann er es nicht?

Sturm im Inneren

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Einige der Jünger waren sicher empört, dass sie Jesus scheinbar egal waren. Andere überlegten wohl noch, wie sie das Boot vielleicht doch retten konnten – um damit zu vermeiden, zuzugeben, dass sie versagt hatten. Oder sie hatten Angst, dass Jesus böse sein konnte, dass man ihn im Schlaf störte. Doch die Not war so gross, dass schliesslich alles egal war: «Die Jünger weckten ihn und schrien: 'Meister, macht es dir nichts aus, dass wir umkommen?'» In diesem verzweifelten Weckruf steckte aller Frust über das eigene Versagen, die Enttäuschung, dass Jesus nicht von sich aus geholfen hatte, aber vor allem die Angst um ihr Leben. Der Sturm tobte nun nicht mehr nur auf dem Meer, er tobte auch in ihnen.

Drei Worte – und Stille

Und Jesus? Der beachtete ihre Frage, ihren Vorwurf gar nicht. Er kam sofort zur Sache. «Jesus stand auf, wies den Wind in seine Schranken und befahl dem See: 'Schweig! Sei still!' Da legte sich der Wind, und es trat eine grosse Stille ein.» (Vers 39) Ich kann mir nur zu gut die Gesichter der Jünger vorstellen: «Wow! Was hat dieser Jesus für Macht. Diese ganze Situation, die uns eben so über die Köpfe gestiegen ist, kann er mit drei kleinen Worten klären.» Vielleicht kamen ihnen jetzt erst wieder die Wunder in den Sinn, die sie noch vor wenigen Stunden und Tagen erlebt hatten – Heilungen, Austreibung von Dämonen, Beispiele von der Macht Jesu. Und endlich verstanden sie: Jesus hat auch Macht über die Natur. Er hat die Kontrolle – über alles. Doch Jesus gab sich nicht mit ihren sprachlosen Gesichtern zufrieden. Er wollte ihnen damit etwas beibringen: «'Warum habt ihr solche Angst?'», sagte Jesus zu seinen Jüngern. «'Habt ihr immer noch keinen Glauben?'» (Vers 40) Eine andere Bibelversion schreibt: «Habt ihr noch immer kein Vertrauen zu mir?»

Wem vertrauen Sie?

Und diese Frage stellt Jesus auch Ihnen und mir, wenn uns die Situation über den Kopf wächst und wir in unserem Sturm zu versinken drohen: «Vertraust du mir denn immer noch nicht? Du solltest doch mittlerweile wissen, dass ich Gott bin, dass mir kein Sturm zu gross, kein Gewitter zu heftig ist – und vor allem, dass ich dich nicht im Stich lasse.»

Vielleicht befinden Sie sich gerade in einem dieser Stürme, die ihr Leben bedrohen. Dann dürfen Sie wissen: Für Jesus ist kein Sturm zu gross oder zu schwierig. Ganz egal, welcher Bereich Ihres Lebens betroffen ist: Bitten Sie ihn um Hilfe. Er wartet nur darauf. Er wartet darauf, dass Sie zeigen, dass Sie ihm vertrauen, dass Sie darauf vertrauen, dass er eingreift und die Situation völlig verändern kann. Klar, das bedeutet, einzugestehen, dass man selbst nicht kann. Dass man die Kontrolle verloren hat. Dass man die Leitung abgibt. Doch gibt es etwas Besseres und Sicheres, als die Leitung jemandem zu übergeben, der von sich sagt: «Ich bin der Herr, der Gott über alle Menschen. Nichts ist für mich unmöglich!»? (Jeremia, Kapitel 32, Vers 27

Zum Thema:
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Drunter und Drüber: Engagieren Sie einen Lastenträger
Wenn der Sturm aufkommt: Mit Gott im Gegenwind
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Datum: 01.05.2017
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Jesus.ch

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