Schliessen sich Gebet und Handeln aus?

Viele Christen und Gemeinden befinden sich da oft in einer Zwickmühle. „Nun ja, wir beten dafür", hört man, oder: „Wir vertrauen einfach dem Herrn, denn wir wollen nichts aus dem Fleisch heraus tun."

Tatsächlich ist es die Frage, ob wir nur beten sollen, oder ob es an der Zeit ist, selbst zu handeln. Oft ist es richtig, beides zu tun. Gebet ohne eigenes Handeln kann Unaufrichtigkeit sein. Eigenes Handeln ohne Gebet kann Vermessenheit sein. „Ein Dienst ohne Gebet entbehrt der Vollmacht und des Erfolgs" (A. P Gibbs). Paulus betete für die Gemeinden und Christen, für die er arbeitete, aber er besuchte sie auch. Er lehrte dort, er beriet sie in seelsorgerlichen Fragen und schrieb ihnen Briefe. Jesus betete für Seine Jünger, aber Er nahm sich auch täglich Zeit für sie, um ihnen ganz praktisch weiterzuhelfen. Josua und David beteten vor den grossen Schlachten, aber sie stellten auch die Schlachtreihen auf und führten die Kämpfe an. Wir sollten für die Verlorenen beten, aber wir sollten „unseren Gebeten Füsse geben" und ihnen aktiv das Evangelium bezeugen: Wir sollten um Erweckung in unserem persönlichen Leben sowie im Leben der Gemeinde beten, doch wir sollten auch Busse und die ersten Werke tun (Spr 28,13; Off 2,5). Wir sollten um persönliches geistliches Wachstum beten, aber diese Gebete sollten begleitet sein von einem disziplinierten Bibelstudium und Gehorsam. Die Tatsache, dass Gott unser Gebet souverän erhört, enthebt uns nicht unserer menschlichen Verpflichtungen als Diener und Botschafter Christi.

C. T. Studd schreibt zu diesem Thema in „Chocolate Soldier": „Wir Christen ersetzen oft unseren Einsatz im grossen Spiel durch Gebet. An sich ist Gebet ja gut; nur wenn es als Ersatz für Gehorsam benutzt wird, ist es nichts anderes als schreiende Heuchelei, ein verachtenswertes Pharisäertum. Wir brauchen mindestens soviele Treffen zu Einsätzen wie wir für Gebetstreffen brauchen. Jede biblische Gebetsversammlung beginnt damit, dass Gott gleichsam zu Seinem Volk sagt: ,Geht heute an die Arbeit; betet, dass Arbeiter in meinen Weinberg gesandt werden.' Die Antwort des Christen sollte sein: ,Ich gehe, Herr, wohin du mich sendest, damit dein Name geheiligt werde überall, damit dein Reich bald komme, damit dein Wille getan werde im Himmel wie auf Erden.' Doch wenn es damit endet, dass niemand irgendwo hingeht, hätte man sich das Gebetstreffen auch sparen können. Wie der Glaube, so ist auch das Gebet ohne Werke tot."

Fortsetzung: Im Geist beten


Autor: William Mac Donald
Quelle: Nur bis zur Zimmerdecke?

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