Nach Mord im Frankfurter Bahnhof

Angst an den Gleisen

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Es sind krasse Umstände: Ein scheinbar völlig sinnloser Mord, an einem zufälligen Opfer und es trifft einen achtjährigen Jungen. Die Folge: Viele Menschen haben jetzt Angst an den Gleisen.

Eine ähnliche Tat vor einigen Tagen, bei der eine Frau in Voerde vor den Zug geschubst wurde, erreichte nur einen Bruchteil der öffentlichen Aufmerksamkeit. In Frankfurt aber starb ein Kind und der Täter wurde durch das mutige Eingreifen von Passanten gefasst. Doch wie in Voerde liegen auch in Frankfurt die Motive des Täters im Dunkeln und es scheint keinerlei Beziehung zwischen Täter und Opfer geben.

Bahnhof – ein Ort der Gefahr

Mit einem Mal wird eine alltägliche Örtlichkeit – der Bahnhof – für Zugfahrer und Pendler zu einem Ort mit potenzieller Todesgefahr. Das Beängstigende dabei ist: Es kann jeden treffen, der auf einen Zug wartet und am Gleis steht.

Der deutsche Innenminister, Horst Seehofer, stellte denn auch fest, dass «das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung angespannt ist». Und so manch einer hat nun ein mulmiges Gefühl, wenn er am Gleis steht und hält ab sofort besonders viel Abstand.

Kein Schutz möglich

Was das Ganze so belastend macht, ist, dass es hier eine potenzielle Gefahr gibt, vor der sich letztlich niemand schützen kann. In der Öffentlichkeit werden verschiedenste Massnahmen diskutiert: Zutritt zu Bahnhöfen nur noch mit Ticket. – Nur noch ganz langsames Einfahren der Züge. – Eine Absperrung zwischen Gleisen und dem Platz davor. – Jede Massnahme ist zwar grundsätzlich möglich, aber mit einem gigantischen Aufwand verbunden.

Eine «Menschlichkeitslücke»

Bei den Rufen nach mehr Sicherheit spricht die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) von einer «Menschlichkeits-» statt einer Sicherheitslücke. Deshalb sollte man auch nicht so tun, als könne irgendeine Massnahme «die gewünschte Sicherheit garantieren», so Rehlinger im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Was also tun, wenn es keinen echten Schutz gibt?

Mit Angst lässt sich verschieden umgehen. So zu tun, als hätte man keine Angst, führt jedenfalls nicht weiter. Ein Weg ist, und das gilt nicht nur für Christen, mit der eigenen Angst zu Gott zu kommen. Ihm zu sagen, was so belastet und Angst macht.

Mit Gott reden, beten, bedeutet, dass ein Mensch sein Herz, sein Inneres, Gott öffnet und sich ihm zuwendet. Ganz gleich, ob er das mit eigenen Worten tut oder mit Worten aus Gebetsbüchern oder der Bibel. Für den Reformator Martin Luther war Beten aber nicht nur Reden mit Gott, sondern auch ein Raum, in dem Gott etwas an dem tut, der mit ihm spricht. Er schrieb dazu: «Darum bitte ich und verlasse mich darauf: Du wirst mich nicht verlassen und mir den rechten Glauben geben.»

Zwei Seiten des Betens

Beten hat also zwei Seiten: das, was der Mensch zu Gott spricht. Und das, was Gott beim Beten tut: Dass sich Gott die Bitte eines Menschen nicht nur anhört, sondern dass er etwas an ihm tut. Und dazu gehört, dass er einem Menschen Frieden und Vertrauen schenkt, die er selbst nicht (mehr) aufbringen kann.

Die Psalmen: Alte Gebetstexte

Die Psalmen, Texte von jahrtausendealten Liedern, zeigen, wie Menschen mit ihrer Not zu Gott gerufen haben. Es sind Lieder und Gebet zugleich. Besonders häufig sind die Lieder von David, der viele, viele Jahre auf der Flucht war und immer wieder damit rechnen musste, verraten und hingerichtet zu werden, denn der König hatte es auf ihn abgesehen.

David betete, ja schrie, in diesen Jahren auf der Flucht unzählige Mal zu Gott. In einem Lied, Psalm 56, sagte er folgende Sätze, die Sie sich zu eigen machen und beten können:

«Gott, hab Erbarmen mit mir, denn man will mich zur Strecke bringen! Die Feinde bedrängen mich den ganzen Tag. Doch gerade dann, wenn ich Angst habe, will ich mich dir anvertrauen. Was kann ein Mensch mir schon antun? Überall muss ich mit einem Hinterhalt rechnen. Du siehst doch, wie lange ich schon umherirre! Jede Träne hast du gezählt, ja, alle sind in deinem Buch festgehalten. Denn das weiss ich: Du, Gott, bist auf meiner Seite! Ich lobe Gott für das, was er versprochen hat, ja, ich lobe die Zusage des Herrn. Ihm vertraue ich und fürchte mich nicht. Was kann ein Mensch mir schon antun?»

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Datum: 03.08.2019
Autor: Norbert Abt
Quelle: Jesus.ch

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