Ein Gebet für Skeptiker und Verwirrte

Gott, ich habe keine Ahnung …

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Es gibt im Leben jedes Menschen – auch jedes Christen – Zeiten, wo alles wie im Nebel zu sein scheint. Glaube bedeutet nicht immer Klarheit und erst recht nicht ständig «Friede, Freude, Eierkuchen». Hier ist ein Gebet, wenn Sie in einer Zeit der Verwirrung leben oder nicht wissen, wo die Reise hingeht.

Etwas vom Faszinierendsten am christlichen Glauben ist seine Ehrlichkeit. Die Bibel enthält Passagen von unendlichem Jubel, von Freude und Kraft. Genau so kommen aber auch Zweifel, bohrende Fragen und auch Klagen vor, zum Beispiel in den Psalmen. Von wegen «Opium des Volkes»! Nur ein unreifer Glaube verdrängt das Schwere. Das Wissen, von einem allmächtigen Gott unendlich geliebt zu sein, erlaubt es, auch mit Zweifeln und in schwierigen Zeiten ehrlich zu sein.

Thomas Merton

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Thomas Merton
Einer der grossen Mystiker des 20. Jahrhunderts war der Trappistenmönch Thomas Merton (1915-1968). Er wurde am 31. Januar 1915 in Prades in den Ost-Pyrenäen geboren. Als Sohn von Künstlern und Kosmopoliten verbrachte er seine Kindheit in Frankreich, USA und England. Seine Eltern starben früh. Die Studienzeit begann Merton in Cambridge. Dort war er bald bekannt als Karikaturist, Witzblattschreiber, Ruderer und Schlagzeuger, aber auch als Frauenheld und Trunkenbold. Später wechselte er an die Columbia Universität in New York. Erst in dieser Zeit beginnt seine Hinwendung zu einem zuerst zweifelnden, zögerlichen Glauben.

Seine Suche und seine Auseinandersetzung mit Gott und Glauben liess in ihm die Sehnsucht nach einem kontemplativen Leben als Mönch wachsen. Für einige Zeit lebte er eine Art klösterliches Leben mitten in New York, stoppte seinen Alkohol- und Zigarettenkonsum und fand immer mehr zum Gebet. 1941 schliesslich schloss er sich einer der strengsten Ordensgemeinschaften an, dem Schweigeorden der Trappisten. Neben fünf Stunden Feldarbeit und fünf Stunden Gebet täglich fand er die Zeit, über 60 Bücher zu schreiben, von denen etwa ein Drittel bisher ins Deutsche übersetzt worden sind. Am Schluss seines Lebens wurde ihm der Wunsch erfüllt, als Eremit (Einsiedler) in den Bergen Kentuckys zu leben. Seine grosse Sehnsucht war die Suche nach immer grösserer Intimität mit Gott. Dennoch erhielt er Besuch aus aller Welt.

Mystik, das bedeutet: Still sein, horchen, ehrlich werden mit sich selbst und seine eigenen Zweifel aushalten – im Wissen, dass Gott meistens nicht im Sturmwind oder im Erdbeben ist, sondern seine Stimme als «stilles, sanftes Säuseln» hörbar wird (Die Bibel, 1. Buch der Könige, Kapitel 19, Verse 9-12). Viele haben Angst vor dieser Stille – es ist einfacher, sich drüber hinwegzudröhnen. Aber wenn Gott wirklich Realität ist, dann kann Er auch mit unseren Zweifeln umgehen – und darum müssen wir keine Angst davor haben, sie auszudrücken. 

Der Wunsch zählt schon vor Gott

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Wenn Sie im Glauben gewiss und froh sind, freuen Sie sich. Wenn Sie aber eine Zeit der Zweifel durchmachen oder eine skeptische Persönlichkeit sind, die vielleicht gar zu depressiven Gedanken neigt, kann das folgende Gebet von Thomas Merton Ihnen vielleicht eine Hilfe sein. Es stammt aus seinem Buch «Thoughts in Solitude».

«Gott, mein Herr, ich habe keine Ahnung, wohin ich gehe.
Ich sehe die Strasse vor mir nicht.
Ich kann es nicht sicher wissen, wohin sie geht.
Ich kenne auch mich selbst nicht wirklich,
und die Tatsache, dass ich meine, deinen Willen zu tun, bedeutet nicht, dass ich ihn auch wirklich tue.
Aber ich glaube, dass bereits der Wunsch, dir wohlzugefallen, dir wohlgefällt. Und ich hoffe, dass ich in allem, was ich tue, diesen Wunsch habe.
Und ich weiss: wenn ich das tue, wirst du mich auf der richtigen Strasse führen, obwohl ich sie nicht kenne.
Darum werde ich dir immer vertrauen, auch wenn es scheint, dass ich verloren bin und im Tal des Todes stecke.
Ich werde mich nicht fürchten, denn du bist immer bei mir, und du wirst mich mit meinen Gefahren nie allein lassen».

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Datum: 26.10.2016
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Jesus.ch

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