Langer Weg zur Berufung

Früher bei rot über die Kreuzung gefahren - heute als Brückenbauer tätig

Theo Schmid liegt die Einheit des Volkes Gottes in der Stadt und Region Bern am Herzen. Aus diesem Grund organisiert er unter anderem ein zweimonatliches Treffen auf dem Gurten, an welchem Christen aller Denominationen zum Gebet zusammenkommen. Lange Zeit war er ein Rebell, der sich nichts vorschreiben liess.

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Theo Schmid
Theo Schmid wuchs in einer gläubigen Familie auf, in welcher man an einem Sonntag gar bis zu dreimal zur Predigt ging. «Das hat mir nicht geschadet», erinnert er sich heute. Als Jugendlicher aber wollte das Leben für ihn keinen rechten Sinn mehr machen, und es kam vor, dass er mit dem Velo extra bei rot über die Kreuzung fuhr, um das Schicksal herauszufordern. Eines Tages sagte ihm der Dorfpolizist: «Wenn du Probleme hast, dann sprich doch mit dem Pfarrer.»

«Ich wollte das ewige Leben haben»

Das tat er auch. Bald darauf begann er sich zu fragen, was er durch den Glauben gewinnen konnte, und was er ohne Glauben zu verlieren hatte. Trotz seiner Vorstellung, als Christ sei alles verboten, was Spass macht, entschied er sich als 20-Jähriger für den Weg mit Jesus. «Ich wollte das ewige Leben haben, wie es in der Bibel steht. Wenn es wieder passieren würde, dass Kranke geheilt werden, Tote auferstehen und Lahme gehen können, dann wollte ich dabei sein!» Auch habe Gott ganz persönlich mit einem Vers zu ihm gesprochen: «Sage nicht: «Ich bin zu jung», sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende», heisst es in Jeremia, Kapitel 1, Vers 7.

Als erstes begann er, sich in seiner Wohngemeinde in der Jungschar zu engagieren. Er schloss seine Lehre als Käser ab, absolvierte die Meisterprüfung und wollte schliesslich eine eigene Käserei eröffnen. «Doch Gott hatte andere Pläne mit mir.» Bald schon wurde er von Walter Bernhard, dem damaligen Leiter der Stadtmission Thun, angefragt, ob er als Jugendarbeiter tätig sein wollte. «Dazu brauchte ich eine Ausbildung, aber nach dem langen Weg zur Meisterprüfung wollte ich endlich arbeiten.»

Als die Unterlagen vom berufsbegleitenden Theologiestudium am IGW Zürich ins Haus flatterten, packte er die Chance und begann, pro Woche drei Tage zu studieren und war auch drei Tage als Jugendarbeiter tätig. Als das Geld trotzdem für sich und seine Familie nicht reichte, erlebte er, wie Gott versorgt: «Leute, auch solche, die ich nicht kannte, halfen uns.» Jemand habe ihm ein Couvert überreicht. Darin sei genau der Betrag gewesen, der im Familienbudget fehlte. «Sie sagten, Gott habe sie dazu beauftragt. Diese Summe erhielten wir fortan jeden Monat bis zum Abschluss meines Studiums.»

Auf der Suche nach der Berufung

Nach dem Studium trat er seine erste Pfarrstelle in St. Stephan im Simmental an. Drei Jahre später wurde er vom EGW in den Bezirk Riedbach gerufen und mit dem Aufbau der Kirchlichen Unterweisung an der Nägeligasse in Bern betraut. Immer mehr aber spürte er, dass dies nicht seine eigentliche Berufung war. «Dann nahm Gott mich im Jahr 2004 aus dem System raus. Ich fühlte mich darin gefangen wie ein Löwe im Käfig. Ich wollte leben, was ich ihm Herz hatte, und nicht was im Pflichtenheft stand. Ich wollte nicht mehr der Kirchenordnung hörig sein, sondern allein Gott und der Bibel.»

Er kündigte, trat dem Apostolischen Team der Hauskirchenbewegung Philippus bei und arbeitete als Elektroinstallateur. «Auf dem Bau in Neuenegg stieg mir immer dieser feine Duft nach Ovomaltine in die Nase.» Und als die Wander AG einen einfachen Arbeiter suchte, bewarb er sich und konnte innerhalb weniger Tage anfangen. Geplant war, zwei Jahre dort zu arbeiten, doch Gott wollte es anders, und heute ist Theo Schmid Leiter des Bereichs Kraftnährfabrikation. Dann aber war auch die Zeit bei Philippus vorbei. «Gott wollte, dass ich alle Leitungstätigkeiten abgab, um die Hände komplett leer zu haben.» Er begann, seine wahre Berufung zu erkennen, die aber schon seit Jahren sein Anliegen gewesen war: Die Einheit des Volkes Gottes in der Stadt und Region Bern.

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Aussicht von Bern auf den Gurten
2005 fanden in Bern prophetische Tage statt. Dabei entstand eine Gruppe von Berner Christen, die sich zu Gemeinschaft und zum Hören auf Gottes Offenbarungen im Gebet trafen. Als Vorbereitung auf den Nationalen Gebetstag veranstalteten Theo Schmid und Werner Hasler erstmals auf dem Gurten ein Gebetstreffen.

Als ein Volk vor Gott stehen

An diesem Gurtengebet kommen Gläubige aus ganz verschiedenen Gemeinden heute noch sechs mal im Jahr zu Lobpreis, Anbetung, Busse, Abendmahl, Fürbitte, geistlichem Kampf, Proklamation und Evangelisation auf dem Berner Hausberg zusammen, nächstmals am 24. Oktober. «Stellt ein Feldzeichen auf, oben auf einem kahlen Berg! Ruft die Soldaten, winkt sie herbei, und lasst sie durch die Tore in die Stadt der mächtigen Herren einziehen!», heisst es in Jesaja, Kapitel 13, Vers 2.

Im Raum Bern wird vom Gurten, dem Bantiger und dem Belpberg ein geistliches Dreieck gebildet, und auf jedem dieser Berge treffen sich Leute, um zu beten. «Höhen haben eine spezielle Bedeutung in der geistlichen Welt», so Theo Schmid. Und er schliesst mit seiner Vision für eine Einheit unter den Christen: «Jesus Christus ist unser grösster gemeinsamer Nenner. Alle Gemeinden und Werke der Stadt und Region Bern bilden zusammen den Ortsleib Jesu. Wenn wir Erweckung wollen, dann müssen wir als Einheit vor unserem grossen Gott stehen, um neue Dimensionen zu erleben.»

Das nächste Gurtengebet findet am Samstag, 24. Oktober, von 14 bis 16 Uhr an der Gurten Bergstation statt. 

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Gurtengebet

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Datum: 09.10.2015
Autor: Livia Hofer
Quelle: Livenet

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