Weihnachten am Polarkreis

Sie feiern Weihnachten bei minus 40 Grad Celsius, die Menschen in Komi, dem einst berüchtigten Verbannungsort. Aber sie feiern, und das gleich zweimal.

Am Nordfusse des Urals liegt die autonome Republik Komi, direkt am Polarkreis. Der Winter schlägt mit Temperaturen bis minus 40 Grad Celsius zu. Der Sommer ist kurz und mit 15 Grad nie richtig warm.

Auch sonst steht die Bevölkerung nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens, meint Daniel Meichtry, Pfarrer aus dem bernischen Lengnau. Sein Werk "Vision Ost" arbeitet in Komi. "Das Hauptproblem liegt im wirtschaftlichen Zerfall vieler Städte. Er stürzt Menschen in Armut und Hoffnungslosigkeit." Die wichtigsten Arbeitszweige, Kohlenindustrie und Forstwirtschaft, sind nicht mehr rentabel und wurden stark abgebaut - auch weil die billigen Arbeitskräfte aus den berüchtigten Gefangenenlagern der Stalin-Zeit fehlen. Meichtry: "Auf einer anderen Ebene ist der große Mangel an Gemeinden ein riesiges Problem. Sie könnten den Menschen in dieser schweren Situation Trost und Hoffnung geben."

Das erste Projekt hat "Vision Ost" in Petschora lanciert, einer Stadt mit rund 70.000 Einwohnern. Pastor Anatolij und seine Frau Valentina sind die ersten russischen Mitarbeiter in der Republik Komi. Anfang 2005 haben sie eine Gemeinde gegründet und bereits zwölf Personen getauft. Angeschlossen ist auch ein Reha-Zentrum für obdachlose Alkoholiker. Zur Zeit leben dort zehn Männer, die unter der Leitung des Sozialarbeiters Schweine mästen. "Sie tragen dadurch ihre Rehabilitationskosten selber."

Gleich zweimal Weihnachten

An diesem kalten, unwirtlichen Ort wird Weihnachten gefeiert - anders als unter der Sowjetherrschaft. Da gab es nur das Neujahrsfest. Pastor Anatolij: "Jetzt ist Weihnachten ein staatlicher Feiertag. Wir wissen aber nicht, wie man diesen Tag begeht. Übers Fernsehen kriegen wir halt mit, wie man das an anderen Orten der Welt macht." Dafür wird gleich zweimal gefeiert: am 25. Dezember nach dem kirchlichen Kalender und am 7. Januar nach dem russischen.

Wer ins Reha-Zentrum kommt, der hat das noch nie in seinem Leben gemacht. Er weiß nicht, was dieses Festes bedeutet. Anatolij und seine Mitarbeiter helfen auch hier weiter: "Wir kochen ihnen ein gutes Essen und danken Gott für seine Barmherzigkeit und Liebe. Das ist etwas ganz anderes als was die Leute vorher erlebt haben. Keiner hatte ihnen geholfen, denn sie wurden von niemandem geliebt."

Das ändert sich nun: "Für die Liebe, die sie im Reha-Zentrum erfahren, danken sie Jesus. Sie beten aufrichtig zu Gott und freuen sich darüber, dass er ihnen die Hoffnung auf ein besseres Leben gibt." Auch als ganzes Team singen sie an Weihnachten christliche Lieder, führen Theaterstücke auf und bitten um Gottes Segen für ihr Leben und ihren Dienst.

Webseite: www.visionost.ch
Dossier: www.weihnachten.livenet.ch , www.weihnachten.jesus.ch

Autoren: Daniel Gerber, Lothar Mack

Datum: 24.12.2005

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