Weihnachten – aber warum denn friedlich?

Wo steht es geschrieben, dass Weihnachten friedlich sein muss? Die historischen Quellen wie auch die Bibel lassen keinen Zweifel daran: Die Geburt des Jesuskindes damals vor rund 2000 Jahren geschah in einem friedlosen politischen und gesellschaftlichen Umfeld.

Wie hat es wohl in Joseph ausgesehen, als er erfahren musste, dass seine Braut Maria ein Kind erwartete, das nicht von ihm stammen konnte (Matthäus 1,19)? Kaum vorstellbar, welche inneren Kämpfe sich in dem jungen Mann abgespielt haben, bis ihm schliesslich im Traum ein Engel erschien mit der Mitteilung, dass das Kind, das seine Braut unter dem Herzen trug, „vom heiligen Geiste“ (1,20) war.

Maria und Joseph: Belastung einer jungen Ehe

Und wenn schon zu lesen ist, dass Joseph sich daraufhin entschieden habe, seine Frau nicht zu verlassen, so bleibt die Frage, ob er dies freudig getan hat genau so offen wie jene nach den Gefühlen, mit denen der junge Zimmermann dann an jenem Futtertrog gestanden hat, in den das Neugeborene mangels anderer Lagermöglichkeiten in der Notunterkunft hineingelegt werden musste.

Die Hirten: Soziale Aussenseiter

Und die ersten Besucher, die mitten in der Nacht von den Engeln zu dem neugeborenen Kind geschickt worden waren, gehörten zu den Randsiedlern der damaligen Gesellschaft. „Der Hirte stinkt wie seine Schafe“ hiess es, und: „Der Hirte und der Viehdieb stecken unter einer Decke“. Verlor ein Hirte eines der ihm anvertrauten Tiere und konnte er nicht den Nachweis erbringen, dass es von einem Raubtier getötet worden war, musste er es seinem Besitzer ersetzen, was ihn oft ein Monatseinkommen oder mehr kostete.

…und plötzlich Engel!

In diese angespannte nächtliche Aufmerksamkeit hinein brachten die Engel mit ihrem plötzlichen Erscheinen zunächst einen zusätzlichen Stress: Sollte man diese Botschaft von der Geburt des Heilands nun ernst nehmen oder war sie lediglich eine kollektive Halluzination? Was hatte nun Vorrang, die Sorge um die Tiere (und damit auch um das eigene tägliche Auskommen) oder aber die Angst, man könnte am Ende die seit Jahrhunderten erwartete Geburt des Messias verpassen?

Vermutlich waren es deshalb nur einige jener Hirtengruppe, die sich auf den Weg in den Viehunterstand machten, in welchem der Erlöser auf die Welt gekommen sein sollte. Die auf dem Felde zurückgebliebenen Arbeitskameraden gingen weiterhin ihrer Aufgabe nach, bis sie dann nach einigen Stunden von ihren zurückkehrenden Kollegen informiert wurden.

Weihnachten im Umfeld von Terror und Gewalt

Aber friedlicher war die Welt durch diese Geburt nicht geworden: Noch immer hielten die Römer das Heilige Land besetzt, und der von ihnen eingesetzte Marionettenkönig Herodes herrschte mit Terrormethoden – wie beispielsweise der Ermordung aller Knaben unter zwei Jahren in der Region Bethlehem, nachdem er eingesehen hatte, dass er anders seine Machtposition nicht halten konnte.

Flüchtlingsschicksal

Und Jesus und seine Familie? Ihnen blieb nichts anderes als die Flucht vor dem Terror in der Heimat ins Ausland, und damit gehören sie zu den Millionen und Abermillionen von Menschen, die damals wie heute ihre Heimat verlassen müssen und irgendwo in einem fremden Land bestenfalls geduldet sind.

Ist das Friede? Sicher nicht. Aber so war Weihnachten wirklich!

Mit der Geburt Jesu hat sich nicht mit einem Schlag die Welt verändert. Und leider ist sie heute noch immer in vielen Bereichen fast ebenso friedlos wie damals vor 2000 Jahren. Aber in diese friedlose Welt hinein wurde das Jesuskind geboren, und seither setzten sich Menschen in seinem Auftrag, unter seiner Führung und mit seiner Hilfe dafür ein, dass die Verheissung der Engel: „Friede auf Erden“ Realität werde.

Friede wird nicht von heute auf morgen

Jeder, der sich für die Entstehung von Frieden einsetzt, macht immer wieder die Erfahrung: Friede muss wachsen. Friede kommt nicht von selbst, Friede muss mit viel Geduld gesät und gepflegt werden, bis er einigermassen stabil ist.

Und immer wieder kann es Rückschläge geben. Das war zur Zeit Jesu so wie heute. Aber wenn die Menschen, die damals in Jesus den Erlöser erkannt und angenommen haben, ihr Vertrauen in seinen Beistand aufgegeben hätten, so hätte sich in der Welt bis heute nichts verändert.

Friede braucht Hoffnung, Geduld und Respekt

Wo wären die unzähligen Friedensaktivitäten seit der Geburt Jesu geblieben, wenn sie nicht von der Hoffung getragen worden wären, dass der Friedensgruss der Engel ja eine Zusage Gottes ist, die sich – wie alle seine Zusagen – erfüllen wird.

Damit Friede Wirklichkeit wird, müssen sich Menschen verändern. Das ist ein langwieriger Prozess, vor allem wenn sich die Beteiligten schon seit langer Zeit in ihren friedlosen Denk- und Verhaltensmustern bewegt haben. Wer sich wirklich für den Frieden einsetzt, braucht also Geduld.

Friede kann nur da entstehen, wo ich meinen Gegner respektiere. Auch wenn ich sein Verhalten ablehne, seine Motive nicht verstehe und überhaupt das Problem anders sehe als mein Gegner, ist eine wichtige Voraussetzung, dass ich ihn in seinem Denken, Empfinden und Handeln als mir gleichwertig respektiere. Nichts hindert das Entstehen von Frieden so sehr wie die Verachtung des Mitmenschen.

Weihnacht feiern heute: Trotz Konflikten, Streit und Not

Das Geburtsfest Jesu wird auch heute noch an den meisten Orten als das Fest der Zuwendung Gottes und damit als das Fest der Liebe und des Friedens gefeiert – auch in Kriegs- und Krisengebieten. Das ist sicher richtig so. So kann Weihnachten zu einem Augenblick des Innehaltens und der Besinnung in unserer hektischen und oft so oberflächlichen Welt werden.

Wie aber kann man Weihnachten feiern, wenn man selber in einer unfriedlichen Situation ist? Wenn Streit in der Familie, materielle Not und Ängste aller Art in uns kein Gefühl von Frieden und Freude aufkommen lassen?

Wenn Sie diesen Artikel von Anfang an durchgelesen haben, so wissen Sie, dass Sie damit so nahe bei Weihnachten sind, wie es die Menschen damals vor 2000 Jahren waren, in deren Alltag unvermutet Jesus hineingekommen ist.

Wie Weihnachten feiern trotz Konflikten, Streit und Not?
Lesen Sie den Artikel Weihnachten – trotzdem!

Weihnachtsmagazin:
www.weihnachten.jesus.ch
www.weihnachten.livenet.ch

Webseite des Autors: www.egg-praxis.ch

Autor: Pfr. Reinhard H. Egg, Dipl. Psychologe

Datum: 10.12.2005
Quelle: Jesus.ch

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