Allein - an Weihnachten

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In einer Nacht- und Nebelaktion hatte sie ihr Zuhause verlassen.
Susanne fing an zu laufen. Sie wusste zwar nicht weshalb, sie musste aber einfach fort. War es nicht vielleicht auch ein Wegrennen? Weg von ihren Problemen? "Nein, nein!", schrie die junge Frau in die Nacht hinaus und versuchte damit, das aufkommende schlechte Gewissen zu verdrängen.

Seit dem Tod ihrer kleinen Tochter hatte die Beziehung von Mark und Susanna stark gelitten. Sie war des Öfteren im Selbstmitleid versunken und blockte die verzweifelten Versuche ihres Mannes ab, der sie aufmuntern wollte. Susanna hatte das Leben zu Hause nicht mehr ertragen und wollte irgendwo ein neues Leben beginnen. In einer Nacht- und Nebelaktion verliess sie ihr Zuhause, ihren Mann und brach den Kontakt zu ihren Eltern ab. Das Einzige, was sie hinterliess, war ein Abschiedsbrief.

Zusammen feiern

Susanna stapfte weiter durch die Nacht. Völlig in Gedanken versunken bemerkte sie die dunkle Gestalt die am Strand sass nicht. "Fröhliche Weihnachten", rief die Gestalt ihr zu. Susanna zuckte zusammen und murmelte ein leises "gleichfalls" vor sich hin. "Wollen Sie sich nicht zu mir setzten?", fragte die Gestalt, die sich als ältere Frau entpuppte. Zögernd ging Susanna auf sie zu und setzte sich neben sie. Nach einer kurzen Zeit des Schweigens fing die Frau zu erzählen an: "Wie gerne wäre ich heute bei meiner Familie zu Hause! Alle zusammen um den geschmückten Weihnachtsbaum versammelt. "

Als Susanna nichts entgegnete, fuhr sie fort: "Ich hatte einmal eine Familie, das ist jedoch schon lange her. Ich habe sie verlassen, um ein neues Leben anzufangen. Schnell habe ich gemerkt, wie sehr ich sie vermisse. Ich war jedoch zu stolz, zurückzukehren oder mich zu melden. Jetzt ist es zu spät - Jahre zu spät."

Gott trägt die Schwachen

Susanna sass da. Sie fühlte sich leer und hilflos. Oh, wie recht hatte doch diese Frau! Sie selber war nämlich auch zu stolz und hatte das Gefühl gehabt, nur sie leide nach dem Tod ihrer Tochter. Was für ein Egoist war sie doch! Susanna schaute auf und wollte der alten Frau etwas entgegnen - doch diese war längst weg. Auf ihrem Platz lag ein Buch, bereits aufgeschlagen. Susanna nahm es neugierig in die Hand und sah, dass es sich um die Bibel handelte. Ihr Blick fiel auf eine markierte Stelle, Jesaja Kapitel 40, Vers 11: "Die Starken führt er an der Hand - die Schwachen aber trägt er in seinem Arm." Tränen rollten Susannas Wangen hinunter. Sie faltete die Hände und betete leise: "Danke Gott, dass du mich trägst". Auf dem Heimweh beschloss sie gleich am nächsten Morgen zu Hause anzurufen.

Autorin: Rahel-Bernadette Wüthrich


Quelle: Chrischona Magazin

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