Engel: Mehr als Kitsch!

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Jetzt, in der Weihnachtszeit, sind wieder um uns, noch mehr als sonst, und vor allem noch sichtbarer als sonst: die Engel. Ein grosses Schweizer Möbelgeschäft stellte kürzlich einige -zig Quadratmeter zur Verfügung, damit drei Künstler ihre Engelsbilder und -skulpturen ausstellen und feilbieten konnten.

Einmal mehr Kitsch und Konsum zur Weihnachtszeit? Süsser die Kassen nie klingeln und so? Abbildungen sind Geschmackssache. Aber steckt noch mehr dahinter? Ja, durchaus. In der Bibel und gerade auch im Neuen Testament nehmen sie eine recht zentrale Stellung ein. Ein Theologe hat die wichtigsten Aussagen zusammengetragen.

Engel "durchziehen" das ganze Neue Testament

Engel (griechisch angelos) bedeutet Bote. Mit diesem Ausdruck werden manchmal menschliche Boten bezeichnet. So heisst Johannes der Täufer der angelos, der Christus den Weg bereiten soll (Matth. 11,10). Die Jünger, die Jesus in einen samaritischen Flecken vorausschickt, damit sie ihm eine Wohnung bestellen, werden im Urtext auch Engel genannt (Luk. 9,52). In den meisten Fällen aber werden himmlische Geister Engel genannt, die dem Allmächtigen zur Verfügung stehen zur Ausführung seiner Befehle. Das Dasein der Engel ist im ganzen Neuen Testament eine selbstverständliche Voraussetzung. Es gibt Hinweise darauf, dass die Bewegungen in der Schöpfung mit dem Dienst der Engel zusammenhängen (Psalm 104,4; Offenb. 14,18; 16,5; Johannes-Ev. 5,4).

Manche haben einen besonderen Dienst an einzelnen

Besonders sind die Engel beauftragt mit dem Dienst an Menschen. Dass es Schutzengel gibt, das heisst solche Engel, die mit dem Dienst an bestimmten einzelnen Menschen betraut sind, ist nicht eine Dichtung des Mittelalters. Jesus spricht deutlich davon, wenn er sagt, dass die Engel der Kinder (oder der Geringen) allzeit vor dem Thron Gottes stehen, seines Winkes gewärtig (Matthäus 18,10). In der Apostelgeschichte halten die im Hause der Maria Versammelten den aus dem Gefängnis gekommenen Petrus für dessen Engel (Apostelgesch. 12,15). Es wird also in der ältesten Christengemeinde damit gerechnet, dass es Engel gibt, die den besonderen Dienst an einzelnen Menschen haben. Die ganze Befreiung des Petrus erfolgt durch einen ­ wohl seinen ­ Engel (Apostelgesch. 12,15 ff.) Der Hebräerbrief (1,14) sagt: Die Engel sind »dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben wollen«. Bei grossen Gelegenheiten, zur Ankündigung tiefgreifender Gottestaten, erscheinen immer Engel: bei der Geburt Jesu (Lukas 2,9-13), bei seiner Auferstehung (Matth. 28,2. 5; Lukas 24,4; Johannes 20,12), bei der Himmelfahrt (Apostelgesch. 1,10). Die Aufnahme des ersten Heiden in die Gemeinde wird durch den Botendienst eines Engels eingeleitet (Apostelgesch. 10,3 ff.). Engel werden verschiedene Male zum Dienst Jesu befohlen: in der Wüste, in Gethsemane.

Wo Gott ist, sind auch seine Engel

In Zeiten, wo die unmittelbare Gegenwart Gottes der Menschheit entzogen ist, fehlt auch der Dienst der Engel; oder er fehlt nicht völlig, aber er ist beschränkt auf stilles, unauffälliges Tun. Mit dem Zeitpunkt, wo der Menschensohn kommt und der Menschheit die Gegenwart Gottes wiederbringt, ragt auch die Engelwelt wieder ganz anders ins Menschenleben herein: Der Himmel ist offen, und die Engel steigen auf und nieder, sie haben beständig auf Erden Aufträge auszuführen (Johannes 1,51). Bei den Wundertaten Jesu sind die Engel die ausführenden Organe der göttlichen Machtwirkungen. Bei der Wiederkunft wird Christus umleuchtet sein von himmlischem Lichtglanz und umgeben von den Engeln Gottes (Matthäus 16,27; 25,31; Markus 8,38; Lukas 9,26).

Aus: Ralph Luther, Neutestamentliches Wörterbuch; mit freundlicher Genehmigung des Ernst-Franz-Verlags


Quelle: Livenet.ch

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