"Wir fressen auch an Weihnachten Heu!" – Fragen an den Esel von Bethlehem

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"Menschen neigen eher zur Dummheit": Der "Esel von Bethlehem"
Das Geschehen im Stall von Bethlehem vor 2000 Jahren und ein Blick auf den modernen Menschen: Ein Interview mit dem Esel von Bethlehem - alias Christoph Gysel, der sich stark mit dem Grautier identifiziert hat.

Warum hast du, lieber Esel von Bethlehem, nun 2000 Jahre geschwiegen?
Esel von Bethlehem: Ich bin von Natur aus bescheiden. Grosse Worte passen nicht zu mir. Dazu lassen sich Menschen von unsereins eh nichts sagen! Da gibt es höchstens Schläge. Mein Kollege im Dienste des Propheten Bileam kann davon auch ein Liedchen singen...

Wie war das genau, als Jesus im Stall geboren wurde?
Überraschend drängten sich plötzlich Josef und die hochschwangere Maria zu uns in den Stall. Selbstverständlich machten wir sofort Platz. Nirgends sonst hatten sie schliesslich eine Unterkunft gefunden. Ja, die gescheiten Menschen kümmerten sich schon damals kaum um die Notsituationen anderer.

Und dann kam eben das Kind zur Welt, völlig natürlich. Die anstrengende Reise hat wahrscheinlich die Geburt beschleunigt. Kein Esel käme je auf die Idee, in einem solchen Zustand derartige Strapazen auf sich zu nehmen! Aber bei den Menschen ist halt alles anders... Ich habe mich natürlich riesig gefreut über dieses Kind. Der Sohn Gottes bei uns im Stall! Irgendwie fühlte ich mich als eine Art Patenonkel!

Wie hat das Jesuskind reagiert, als es dich wahrgenommen hat?
Völlig normal. So wie Kinder eben auf Tiere reagieren. Sie lieben uns. Und ihre Anwesenheit macht auch uns Freude. Kinder verstehen uns halt besser als Erwachsene. Gestört hat es mich dann allerdings schon, als da noch eine ganze Horde von Hirten kam. Ich wurde einfach in die hinterste Ecke geschoben. So wie Menschen halt mit Tieren umgehen. Dazu müssen sie sich ständig selber in den Vordergrund schieben...

Was hat dich in dieser Heiligen Nacht besonders beeindruckt?
Alles - der Engelgesang, der besondere Stern, das Zeugnis der Hirten, die Gespräche von Maria und Josef, und vor allem das Jesuskind: Der lang ersehnte Retter war geboren! Der grossartige Gesang der Engel klingt heute noch in meinen langen Ohren nach. Das war Musik! So etwas hatte ich noch nie gehört. Ich war so überwältigt, dass mir das Augenwasser lief. Und obwohl ich ja sonst selber gerne singe - die Menschen bezeichnen es zwar als Gekrächze -, kam ich nicht einmal auf die Idee, mitzusingen. So habe ich auch das Jesuskind nicht erschreckt, das bei dieser himmlischen Musik so glücklich in meiner Futterkrippe lag.

Später bist du mit dem kleinen Jesus und seinen Eltern nach Ägypten geflohen. Wie hart waren der Weg und die Last für dich?
Da musste ich in meinem Leben schon ganz andere Lasten schleppen! Obwohl ich mich sehr beeilen musste, machte ich nicht schlapp. Maria und das Jesuskind mitsamt dem Gepäck auf dem Rücken - trotzdem legte ich ein unglaubliches Tempo vor! Der arme Josef musste sich ganz schön ranhalten. Dem Gottessohn zu dienen, für ihn da zu sein, ist nicht bloss für Esel die schönste Sache der Welt!

Was hast du vom Jesuskind für dein Leben gelernt?
Die grosse Liebe zu den Menschen! Um sie zu retten, kam Jesus in diese Welt. Er diente ihnen mit seiner ganzen Kraft. Er heilte. Er predigte. Er versorgte sie mit Nahrung. Und dann starb er auch noch für diese schwierigen Wesen. Seine Liebe ist einfach umwerfend! Seit ich diesem Jesus begegnet bin, kann ich mit den Menschen auch etwas liebevoller und geduldiger sein. So schwierig diese Menschen oftmals auch sind, man muss sie liebhaben. Das ist wohl der einzige Weg, um sie zu verändern. Das habe ich von Jesus gelernt.

Welches Wort von Jesus hat dich geprägt?
"Graui", hat er jeweils gerufen. Jesus hat mich liebevoll mit meinem Namen angesprochen! Ich bin ihm nicht egal. Das tut gut!

Entschuldigung, aber ist es für einen dummen Esel nicht leichter, an Jesus als den Sohn Gottes zu glauben?
Was heisst hier dumm? Vielleicht sind wir Esel weniger eingebildet oder emanzipiert. Wir wissen halt, dass wir alleine schlecht durchs Leben kommen. Und da ist es doch ein totaler Glücksfall, den grossartigen Gottessohn persönlich kennen zu lernen! Ich bin jedenfalls dankbar, einen guten Herrn zu haben, der mich liebt und für mich sorgt. Aber die Menschen...

Wer ist denn in deinen Augen dumm?
Dumm ist, wer die Liebe Jesu ausschlägt, wer nicht weiss, wo er wirklich hingehört. Menschen neigen deshalb wohl eher zur Dummheit als wir Grautiere... Aber das musst du ja nicht unbedingt schreiben. Sonst werden die Leute wieder grob zu mir. Die Wahrheit hören sie nämlich nicht gerne!

Könnten moderne Menschen wohl leichter glauben, wenn sie wie du Jesus als Mensch erlebt hätten?
Das glaube ich nicht. Viele Menschen stehen sich selber im Weg. Zuzugeben, dass sie einen Erlöser brauchen, fällt ihnen schwer. Sie sind stolz und eingebildet. Deshalb meinen die meisten auch, sie bräuchten keinen Helfer. Ich bin froh, dass ich mit vier Beinen auf dem Boden stehe und den Kopf nicht so weit in die Luft halten muss. Das führt zu einer gesunden Selbsteinschätzung.

Später, beim Einzug in Jerusalem, ist Jesus gar auf dir geritten. Was hat dich am Leben von Jesus stark beeindruckt?
Jesus hatte nicht bloss eine soziale Ader. Er beschränkte sich nicht auf ein paar gute Taten. Er hat sich selber gegeben. Total. Und selbst in der schlimmsten Stunde, bei den grausamen Schmerzen am Kreuz, betete er noch für seine Feinde. Das war Liebe pur!

Was denkst du als inzwischen uralter Esel über die Menschen von heute?
Sie entwickeln sich nicht zum Besseren! Mit ihrer heutigen Musik habe ich meine Mühe. Zum Glück bin ich fast taub! Die nervöse Sache mit ihren Handys ist für unsereins fast unerträglich. Schlimmer aber ist, dass es nach wie vor Ungerechtigkeit, Hass und Krieg gibt. Die Menschen von heute brauchen den Erlöser Jesus Christus genau so dringend wie frühere Generationen!

Was sagst du, wenn moderne Menschen die Weihnachtsgeschichte als Legende bezeichnen?
Esel brauchen nicht sämtliche Dummheiten zu kommentieren! Allerdings staune ich schon über die Fähigkeit von Menschen, Dinge, die sie nicht wahrhaben wollen, so lange zu verneinen, bis sie es auch noch selber glauben...


Was ist dir heute an Weihnachten wichtig?

Die Tatsache, dass Christus, der Retter, geboren ist. Dass er mich liebt. Und dass ich mit ihm leben und ihm dienen darf. Natürlich meide ich den ganzen Weihnachtsrummel. Zu Warenhäusern habe ich zum Glück sowieso keinen Zutritt. An Weihnachten bin ich ganz gerne im Stall! Da habe ich meine Ruhe und kann ungestört an das denken, was damals passiert ist. Und das alte Heu riecht dann genau wie damals in Betlehem... Ganz warm wird es mir dann ums Herz!

Was möchtest du speziell den Kindern zu Weihnachten sagen?
Kinder haben es heute nicht einfach. An Weihnachten werden sie mit Geschenken überschüttet. Die Erwachsenen meinen dann, dass dies Liebe sei... Wir Esel sind nicht so verwöhnt. Wir fressen auch an Weihnachten Heu! Ich wünsche den Kindern, dass sie trotz allen Geschenken das Wesentliche nicht vergessen, nämlich das, was an Weihnachten auch für sie geschehen ist. Liebe Kinder, vielleicht verdrückt ihr euch einmal kurz! Geht in einen Stall, ganz alleine. Und denkt darüber nach. Die Geschenke laufen euch nicht weg!

Dein ganz persönlicher Wunsch zu Weihnachten?
Ich wünsche mir, dass ich noch lange meinem Herrn zu Diensten sein kann. Und dass noch mehr Menschen in meiner Umgebung auch zu diesem guten Herrn finden. Als alter Esel wünschte ich mir mehr Frieden, Verständnis und Liebe gerade auch unter den Menschen in meiner alten Heimat Palästina!

Quelle von Text und Bild: Chrischona Magazin


Autor: Andrea Vonlanthen

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