"Ich möchte von den Menschen geliebt werden"

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Urs Heinz Naegeli

Ein fiktives Weihnachtsinterview mit Jesus

Jesus.ch: Ist ja echt super, dass wir mit Dir ein Interview machen dürfen. Hattest Du eine gute Anreise?
Jesus: Danke, es geht. Von Israel aus auf einem Eselsrücken bis hierher in die Schweiz, das zerrt schon ganz schön an den Muskeln.

Jesus.ch: Da wir ja bald Weihnachten feiern, möchten wir besonders über dieses Fest uns ein wenig mit Dir unterhalten. Nur einen Augenblick, ich zünde gleich noch eine Kerze an, damit es ein wenig festlicher wird ...
Jesus: Danke, aber das ist nicht nötig. Der Kerzenschein mag, äusserlich gesehen, zwar eine Stimmung aufkommen lassen; die Herzen der Menschen jedoch vermag er nicht zu ändern.

Jesus.ch: Was bedeutet Weihnachten für Dich persönlich?
Jesus: Eigentlich gar nichts. Ich meine, wenn die Menschen wirklich daran glauben würden, dass Gott sie ganz persönlich liebt, dann wäre jeder Tag für sie ein Festtag.

Jesus.ch: Wie sollten Deiner Meinung nach die Menschen denn Weihnachten feiern?
Jesus: Ich sag's mal so: Auf alle Geschenke, Christbäume, die bunten Kugeln und all den anderen Krimskrams kann man bestens verzichten. Denn all diese Dinge haben mit der Tatsache, dass ich seinerzeit als Mensch zu euch auf die Erde kam, gar nichts zu tun. Sie lenken jedoch vom Wesentlichen ab. Und deshalb sind all diese zwar recht fromm wirkenden und hübsch aussehenden Dinge gefährlich.

Jesus.ch: Gefährlich?
Jesus: Richtig. All diese Feierlichkeiten rund um Weihnachten haben dazu geführt, dass sich die Menschen sich eigentlich gar nicht mehr mit der Erlösungsbotschaft, sondern vielmehr mit den Geschenken befassen. Die wirkliche Botschaft, nämlich dass Gott mich als Erlöser auf diese Erde gesandt hat, bleibt dabei völlig auf der Strecke. Ich möchte andererseits jedoch sagen, dass dort, wo man dieses Fest nicht einfach nur um der Geschenke willen, sondern wirklich wegen mir feiert, ich mich sehr darüber freue. Ich möchte nämlich von den Menschen geliebt werden.

Jesus.ch: Schmerzt es Dich, dass Weihnachten in zunehmendem Mass zu einem traditionellen Fest verkommt?
Jesus: Ja. Ich bin traurig darüber, dass nur verhältnismässig wenige Menschen begriffen haben, um was es beim Evangelium genau geht. Ich bin doch wirklich nicht in diese Welt gekommen, damit in den Warenhäusern in einem einzigen Monat der Umsatz auf das Doppelte steigt.

Jesus.ch: Du würdest wohl am liebsten ins nächstbeste Warenhaus gehen und - ähnlich wie damals bei den Händlern im Tempel - alle Tische umstoßen ...
Jesus: So eine Warenhaussäuberung wäre tatsächlich da und dort nötig.

Jesus.ch: Zweitausend Jahre sind vergangen, seit Du zum letzten Mal in leiblicher Gestalt auf dieser Erde warst. Inzwischen kennen dich viele Menschen - besonders in der Weihnachtszeit - als ‚Christkindli' und als ‚Jesulein süss'...
Jesus: So ein Quatsch! So ein Zeug ist reiner Götzenkult. Ich bin keineswegs ein ‚Jesulein süss' oder eine billige Krippenfigur. Mich schmerzt es sehr, dass die Menschen mich zu einer fast barbiepuppenhaften Figur herunterdegradiert haben.

Jesus.ch: Feierst Du im Himmel auch Weihnachten? Und wenn ja, feierst Du am 25. Dezember oder am 3. Oktober? Du weißt ja, die Wissenschaftler...
Jesus: Ja, ja, die Wissenschaftler, die meinen ja immer alles besser zu wissen. Aber zurück zu deiner Frage: Im Himmel feiern wir das Weihnachtsfest nicht! Gott, mein Vater, bewahre uns davor!

Jesus.ch: Du scheinst vom Thema Weihnachten nicht gerade begeistert zu sein. Geben wir Deiner Meinung nach zuviel Geld für Weihnachtsgeschenke aus?
Jesus: Das im allgemeinen, auf alle Fälle. Es ist zwar eine schöne Sache, andere Menschen zu beschenken. Doch mit dem gleichen Geld, das in der westlichen Welt rund um Weihnachten verpulvert wird, könnten alle Menschen, die weltweit an Hunger leiden, für mehrere Monate mit Kleidung und Lebensmitteln versorgt werden. Vielleicht hätten wir bei einer solchen Handhabung im Himmel auch mehr Freude an eurem Feiern.

Jesus.ch: Könnte man dem Weihnachtsfest auch positive Aspekte abgewinnen?
Jesus: Aber sicher. Doch sind es nicht die Äusserlichkeiten und die Festivitäten, die den Sinn dieses Festes ausmachen. Hier geht es um innere Werte. So richtig Sinn macht Weihnachten nur dann, wenn das Herz dabei berührt wird. Es ist mein Anliegen, dass die Menschen während dieser Zeit spüren, dass es einen Gott gibt, der sie persönlich liebt. Seine Liebe zu den Menschen allein war der Grund, weshalb ich seinerzeit in einem Stall in Bethlehem geboren wurde. Und es war auch seine Liebe, die dazu führte, dass ich schliesslich unter schwersten Qualen an einem Kreuz sterben musste.

Jesus.ch: Soll das ein liebender himmlischer Vater sein, der seinen eigenen Sohn an ein Kreuz schlagen lässt?
Jesus: Ja, das ist Liebe! Aber es ist eine göttliche Form der Liebe, die jeglichen menschlichen Verstand übersteigt. Es ist diejenige Liebe, die bereit ist, vorbehaltlos ein Opfer zu geben. Ich hab's ja schon vor 2000 Jahren mal gesagt: Niemand hat mehr Liebe als derjenige, der sein Leben für seine Freunde hingibt. Ich selbst liebe euch Menschen nicht weniger als mein himmlischer Vater. Ihr seid alle Freunde für mich. Und deshalb war ich auch bereit, damals für euch am Kreuz zu sterben. Denn nur auf diese Weise konnte der Sieg über die Sünde, die alle Menschen von Gott trennt, errungen werden. Und jetzt - hier und heute - haben alle Menschen aufgrund dieses damaligen Opfers die Gelegenheit, meine Liebe schon zu Lebzeiten zu erfahren. Wer sich mir anvertraut und mich in sein Leben einlädt, der wird mehr erleben als nur ein alljährlich wiederkehrendes Weihnachtsfest.

Jesus.ch: Stichwort Kirche. Bist Du mit dem, was Deine Nachfolger während den letzten 2000 Jahren gemacht haben, einverstanden?
Jesus: Was all die vielen Kriege und Kreuzzüge betrifft, bei denen man meinen Namen missbraucht hat, bin ich sehr traurig. Denn es liegt keineswegs in meinem Willen, dass man Menschen einfach deswegen umbringt, nur weil sie eine etwas andere Ansicht haben. Ebenfalls eher unglücklich bin ich darüber, dass der Glaube an Gott zu stark von den einzelnen Konfessionen, speziell aber von gewissen Doktrinen, geprägt wurde. Die persönliche Beziehung des einzelnen Menschen zu Gott blieb dabei auf der Strecke.

Jesus.ch: Du sprichst immer von einer Beziehung, die wir als Menschen zu Dir aufbauen können. Ist so etwas auch heute noch möglich?
Jesus: Selbstverständlich. Das ist gerade die Botschaft des Evangeliums. Und daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert.

Jesus.ch: Und wie genau kann der einzelne Mensch eine solche Beziehung zu Dir aufbauen?
Jesus: Dies funktioniert genau gleich wie bei jeder anderen Beziehung, nämlich durch einen persönlichen Kontakt. Die einzelnen Menschen müssen erkennen, dass man mit mir auf ganz normale Weise reden kann. In einer echten und aufrichtigen gegenseitigen Beziehung geht es ja immer darum, dass man Freud und Leid miteinander teilt. Ich möchte dies auch mit den einzelnen Menschen tun. Deshalb kann ich vorläufig nur eines sagen: Fangt an, das Gespräch mit mir zu suchen, und seid gespannt darauf, was sich daraus entwickeln wird. Ich werde bestimmt niemanden enttäuschen, der sich vertrauensvoll mir zuwendet.

Jesus.ch: Herzlichen Dank für das Gespräch.


Autor: Urs-Heinz Naegeli
Quelle: Jesus.ch

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