Das Geburtsjahr Jesu: Bibel und historische Hinweise stimmen überein

Wann genau wurde Jesus eigentlich geboren? Die Bibel gibt darüber ziemlich genau Auskunft: im Jahr 3 oder 2 vor Christus. Viele Historiker sehen das anders und geben das Jahr 7 v. Chr. als Geburtsjahr an. Alte und neue Forschungsergebnisse scheinen jedoch der Bibel Recht zu geben.

„In dieser Zeit befahl der Kaiser Augustus, dass alle Bewohner des römischen Reiches namentlich in Listen erfasst werden sollten. Eine solche Volkszählung hatte es noch nie gegeben. Sie wurde durchgeführt, als Quirinius Statthalter in Syrien war. Jeder musste in die Stadt gehen, aus der er stammte, um sich dort eintragen zu lassen…“

So beginnt in der Bibel, im 2. Kapitel bei Lukas, die „Weihnachtsgeschichte“. Meistens nimmt man diesen Bericht zur Kenntnis, ohne dabei nach dessen Geschichtlichkeit zu fragen. Dies, obwohl gerade Lukas für sich in Anspruch nahm, genau wiederzugeben, was geschehen war (vergleiche Lukas, Kapitel 1, Verse 1-4).

Wie steht es also um die historische Glaubwürdigkeit der Weihnachtsgeschichte? Hat diese Volkszählung überhaupt stattgefunden? Oder sucht man vergeblich nach einem Zeitpunkt in der Geschichte, zu dem die Verordnung von Kaiser Augustus ausging und auch befolgt wurde?

Die Aussagen der Bibel

Wenn man sich auf Spurensuche begibt, hilft ein Blick in die Bibel bei Lukas weiter. Im 23. Vers des 3. Kapitels steht, dass Jesus ungefähr 30 Jahre alt war, als er seine öffentliche Lehrtätigkeit aufnahm. Der 1. Vers im gleichen Kapitel zeigt, dass man damals das 15. Regierungsjahr des Kaisers Tiberius zählte.

Zugegeben – die Gleichsetzung dieses Regierungsjahres mit der christlichen Zeitrechnung ist etwas umstritten. Allerdings sehen es viele Historiker so: Das 15. Regierungsjahr des Kaisers dauerte vom August 28 bis August 29 nach Christus.

Das wiederum lässt folgenden Rückschluss zu: Die Sitte der Juden schrieb ein Alter von mindestens 30 Jahren für eine öffentliche Lehrtätigkeit vor. Daran hat sich bestimmt auch Jesus gehalten. So gesehen, ist die Rechnung ziemlich einfach: Von 28 oder 29 n. Chr. führen die 30 Jahre zurückgerechnet zu den Jahren 3 oder 2 v. Chr. Jesus muss ungefähr zu diesem Zeitpunkt in Bethlehem geboren sein.

Zu früher Tod von Herodes?

Im Gegensatz zu heutigen Gelehrten, hatten die Gebildeten der alten Kirche überhaupt kein Problem, dieser Argumentation zu folgen: Eine stattliche Anzahl der namhaftesten Kirchenväter sprach sich dafür aus, dass Jesus im Jahr 3 oder 2 v. Chr. geboren wurde.

Dabei ist zu bedenken, dass sich das Wissen dieser Kirchenväter nicht nur auf die oben angestellte Berechung, sondern auch auf andere Informationen stützte. Fakt ist: Die Aussagen der Bibel und der Kirchenväter sind erstaunlich einheitlich.

Wie kommt es aber, dass unter vielen Historikern immer noch die Meinung vorherrscht, Jesus Christus sei bereits im Jahr 7 v. Chr. geboren? Vor allem deshalb, weil die Ansicht fast nicht aus der Welt zu schaffen ist, Herodes der Grosse sei bereits im Jahr 4 v. Chr. gestorben. Also vor der in der Bibel erwähnten Volkszählung.

Dabei hat Florian Riess, ein Jesuit, schon vor über 100 Jahren den kaum zu widerlegenden Beweis erbracht: In seinem Buch „Das Geburtsjahr Christi“ weist er glaubwürdig nach, dass Herodes erst im Jahr 1 v. Chr. gestorben ist.

Quirinius: zweimalige Statthalterschaft

Die Geburt Christi, und damit auch die Volkszählung, werden aber auch deshalb oft zeitlich falsch eingeordnet, weil die Statthalterschaft von Quirinius in der damaligen Provinz Syrien ein Problem darstellt. Dies, obwohl vom jüdischen Geschichtsschreiber Josephus her bekannt ist, dass Quirinius tatsächlich Statthalter dieser Provinz war. Allerdings spricht Josephus nur von einer Statthalterschaft in den Jahren 6 und 7 n. Chr., über die Zeit vorher schweigt er sich aus.

Eine zweite Statthalterschaft von Quirinius um die Jahre 3/2 v. Chr. würde die Aussagen der Bibel untermauern. Und tatsächlich weiss man heute, dass es diese zweite Amtsperiode gab, die eigentlich die erste war: Der Altertumswissenschaftler August Wilhelm Zumpt erbrachte den Beweis für die erste Statthalterschaft von Quirinius: sie dauerte vom Jahr 4 bis zum Jahr 1 v.Chr. Zumpt hat mit akribischem Fleiss erstaunliches geleistet: Obwohl er die bekannte dreifache Konjunktion Jupiter/Saturn des Jahres 7 v.Chr. für den „Stern von Bethlehem“ hielt, wies er die erste Statthalterschaft von Quirinius genau für diese Jahre kurz vor der Zeitenwende nach.

Unverständlich ist jedoch, weshalb Zumpt Jesus dennoch im Jahre 7 v.Chr. geboren sein lässt, obwohl er genau wusste, dass Quirinius damals mit Sicherheit noch nicht Statthalter der syrischen Provinz war.

Der Stern von Bethlehem

Der Widerspruch, dem sich Zumpt selber aussetzte, weil er der gängigen astronomischen Erklärung des Sterns von Bethlehem folgte, muss nicht sein. Er löst sich nämlich auf, wenn man in Betracht zieht, dass es auch im Zeitraum von 4 bis 1 v. Chr. aussergewöhnliche astronomische Erscheinungen gab, die man mit dem Stern von Bethlehem in Verbindung bringen kann. So beispielsweise die fünf Konjunktionen Jupiter/Venus beziehungsweise Jupiter/Regulus im Sternbild Löwe, die während den Jahren 3 und 2 v.Chr. zu beobachten waren.

Ein entsprechend alternatives Erklärungsmodell zum „Stern von Bethlehem“ finden Sie im Artikel „Neues Licht zum Weihnachtsstern“ ein ähnliches unter astronews.com

Inschrift bestätigt These

Schliesslich noch folgender Hinweis: Zugleich mit der Einschreibung in Steuerlisten musste das jüdische Volk Kaiser Augustus und Herodes dem Grossen einen Treueid leisten (vgl. Josephus, Antiquitates XVII, 2,4). Nun ist bemerkenswert, dass eine Inschrift aus dem Jahr 3 v. Chr. gefunden wurde, die von einem Treueid handelt, den die „Bürger von Paphlagonien und die römischen Kaufleute, die bei ihnen wohnten, leisteten“ (Lewis and Reinhold, Roman Civilization, Bd. 2, S. 34f).

All diese Hinweise lassen den Schluss zu: Die historische Glaubwürdigkeit der Weihnachtsgeschichte ist gegeben. Auch anhand von ausserbiblischen Quellen ist man inzwischen in der Lage, diese Volkszählung zeitlich genau einzuordnen.

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Woher kamen die „Weisen aus dem Morgenland“ ?

Dossier:
www.weihnachten.jesus.ch
www.weihnachten.livenet.ch

Autor: Hanspeter Wild


Quelle: Livenet.ch

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