Von Nikolaus über Santa Claus zum Weihnachtsmann

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Santa Claus
Dass Nikolaus einmal als der grösste Heilige überhaupt galt ist kaum bekannt. Man verehrte ihn als Schutzpatron der Schiffer und Fischer, der Getreidehändler und Apotheker, ja sogar der Diebe und Räuber. Um ihn ranken sich so viele Legenden wie um kaum einer anderen Person.

Nikolaus selbst aber ist keine legendäre Figur. Im 4. Jahrhundert hat es tatsächlich einen Bischof Nikolaus in Myra gegeben, an der Ägäis-Küste. Er starb am 6. Dezember 343.

Das grosse Vermögen, das ihm seine Eltern hinterlassen hätten, habe ihn nicht hartherzig gemacht, sondern ihm Gelegenheit gegeben, bedürftige Mitmenschen zu unterstützen, heisst es in der Legende über ihn. Ein Traum habe die versammelten Bischöfe der Provinz bewogen, den angesehenen und beliebten Nikolaus zum Oberhirten der Provinzhauptstadt Myra zu wählen.

Am Anfang der Nikolausverehrung im Abendland steht ein abenteuerlicher Reliquienraub: Schiffer und Geschäftsleute aus Bari entführten seine Gebeine 1087 aus Myra nach Italien. Bari wurde ein Wallfahrtszentrum, das mit Rom konkurrieren konnte.

Überaus beliebt ist Nikolaus nach wie vor in Russland. Seit die Grenzen in Russland geöffnet wurden, kommen wieder Scharen russischer Pilger nach Bari. Die erste schriftliche Beschreibung eines Nikolausfestes findet man im Jahr 1291 in Amiens (Frankreich). In Venedig existiert nahezu unbemerkt von den Touristenströmen ein prächtig ausgestattetes Kirchlein, das San Niccolo de' Mendicoli, dem Schutzpatron der Bettler, geweiht ist.

Ein barmherziger Mensch

Aus den zahllosen Geschichten und Legenden schält sich das Bild eines ungewöhnlich menschenfreundlichen Kirchenmannes heraus, volksnah und von einer enormen Ausstrahlung. Aus den Legenden sprechen Güte, Mut und Zivilcourage. Nikolaus entspricht dem Bild der Barmherzigkeit Gottes. Am bekanntesten wurde die Geschichte von den drei Jungfrauen: In der Nähe der berühmten Basilika Saint-Nicolas-de-Port in Lothringen gibt es heute noch eine Rue des Trois-Pucelles, eine Drei-Jungfrauen-Strasse.

Ein Witwer, so berichtet die Legende, hatte ohne eigenes Verschulden sein Vermögen verloren und konnte seinen drei Töchtern im heiratsfähigen Alter keine Aussteuer mitgeben, was damals von entscheidender Bedeutung war. Schon hatte er sich entschlossen, die Mädchen in die Fremde zu, da erfuhr der Bischof von seiner Not und warf ihm nachts unbemerkt einen Beutel mit Geld durch das Fenster. Genug, um die älteste Tochter zu verheiraten. Das tat der Bischof - aus Freude über den umsichtigen Umgang des Vaters mit der Spende - noch zwei Mal, bis ihn der dankbare Mann erkannte.

Weihnachtsmann ein „Kulturgeschichtliches Abfallprodukt“

Für den Münchener "Nikolaus-Forscher" Manfred Klauda geht der Unterschied zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann weit über einen begrifflichen hinaus. "Der Weihnachtsmann ist eigentlich nur ein kulturgeschichtliches Abfallprodukt des Nikolaus'", so Klauda. Der 62-jährige Münchner machte sich in Bibliotheken auf die Suche nach Nikolaus und Weihnachtsmann. Klauda besitzt eine Dokumentation, die über 500 Figuren und Abbildungen Klarheit im Rollen-Wirrwarr zwischen Nikolaus, Weihnachtsmann, Santa Claus, Knecht Ruprecht und dem Christkind gibt.

Dass Nikolaus vielerorts an seinem Festtag "erscheint" und Geschenke verteilt, ist ein Brauch aus dem Mittelalter. Damals war der Nikolaustag das einzige Fest, an dem es für Kinder Geschenke gab, so Klauda. Die Sitte, nicht nur zu loben und zu schenken, sondern auch zu tadeln und gar zu strafen, wuchs dem Gabenbringer offensichtlich über den Kopf. Um 1600 gab Nikolaus in einigen Gegenden die gefürchtete Rute an einen oder mehrere Begleiter ab. "Seitdem gibt es den Knecht Ruprecht", weiss Klauda. Weihnachten sei damals noch ein ernstes Kirchenfest für Erwachsene gewesen.

Weihnachtsmann kam im 17.Jahrhundert

Erst im 18. Jahrhundert gewann das Weihnachtsfest langsam die Bedeutung, die es heute hat. Es entwickelte sich zum Hauptgeschenktag des Jahres. Ganz gleich wurde dabei, wer die Gaben nun tatsächlich bringt - Nikolaus, Christkind oder Weihnachtsmann: Die Rollenverteilung ist längst nicht mehr so streng. Vor allem ist sie auch nicht sehr bekannt.

Die Unterscheidung von Nikolaus und Weihnachtsmann in zwei Gestalten gibt es übrigens nur im deutschsprachigen Raum. "In England und Amerika kommt alljährlich nur der Santa Claus. Er stammt aber von unserem mittelalterlichen Nikolaus ab", betont Klauda. Dort füllt er am 25. Dezember die Strümpfe der Kinder.

Die zentrale Rolle beim Wandel von Nikolaus zu Santa Claus kommt dabei den Niederländern zu: Im 17. Jahrhundert brachten niederländische Auswanderer ihren Sint Nicolaas - abgekürzt Sinterklaas - mit nach New York, dem damaligen Nieuw Amsterdam. Aus dieser Figur entwickelte sich der amerikanische Santa Claus, der schliesslich als Father Christmas oder Weihnachtsmann über den Atlantik nach Europa zurückkehrte.

Nikolaus ist "aufwendiger"

Auf die Frage, warum sich global der Weihnachtsmann gegenüber den Heiligen Nikolaus "durchgesetzt" hat, meint der Eckhard Bieger: "Es ist viel aufwendiger, den heiligen Nikolaus darzustellen. Dazu müssen Sie ein Bischofsgewand schneidern, Sie brauchen eine Mitra und einen Stab - als Werbeträger für den weihnachtlichen Verkaufsrummel würde ich mir ihn allerdings ohnehin nicht wünschen". Auf keinen Fall will der Theologe dem Nikolaus das Schenken und Süssigkeiten-Verteilen verbieten. Bieger: "Das ist altes Brauchtum. Es gehört zum Ursprung des Nikolaustages, dass die Paten ihren Patenkindern etwas schenken. Dass allerdings die Eltern verpflichtet sind, ihre Kinder zu beschenken, ist auch wieder nur eine Erfindung unserer Konsumgesellschaft".

"Der Bischof St. Nikolaus und seine Legende stehen für christliche Opferbereitschaft, Grosszügigkeit und Erbarmen", sagte Alterzbischof George Carey im "Sunday Telegraph". Die neu gegründete "St. Nicholas Society" hat dem Weihnachtsmann den Kampf angesagt. "Der Weihnachtsmann, den man in den Supermärkten sieht, kann in Kindern grossen kommerziellen Egoismus auslösen", warnte der Bischof von Durham, Michael Turnbull: "Bei St. Nikolaus und Weihnachten geht es eigentlich um die Freude des Gebens, aber viele Kinder denken, es gehe um die Freude des Nehmens".


Quelle: Kipa

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