Jesus Christus - das menschliche Angesicht Gottes

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Die Geburt Jesu, dargestellt im Film «Son of God»
Einleitung

Nach Umfragen glauben heute nach wie vor viele Menschen an Gott. Auf die Frage: Wer ist dieser Gott?, sind die Antworten sehr diffus. Wenn man im ersten Jahrhundert einen Christen gefragt hätte, wer Gott sei, dann hätte er mit einem Namen geantwortet: Jesus Christus.

Alle Schriften des Neuen Testaments kreisen um diese Person. Bis heute bestimmen die Eckdaten seines Lebens das gesellschaftliche Leben. Wir schreiben heute das Jahr 2001 nach Christi Geburt. Jede Geschäftssitzung ist irgendwie auf die Geburt Jesu bezogen! Ein eigenartiger Gedanke!

Weihnachten gibt es nicht nur wegen der Umsatzsteigerung für die Läden, sondern mit diesem Fest erinnern wir uns an die Geburt von Jesus. Im Frühling kommen die Ostern. In diesen Tagen ist Jesus grausam am Kreuz gestorben und nach drei Tagen wieder auferstanden. Nach seiner Entrückung in den Himmel hat Jesus seinen Jüngern des Heiligen Geist verheissen. Aus der machtvollen Ausgiessung des Geistes an Pfingsten ist eine Bewegung in Gang gesetzt worden, die die westliche Welt nachhaltig geprägt hat.

I. Das Leben Jesu von Nazareth

Der bekannte Basler Philosoph Karl Jaspers (1883 - 1969) rechnete Jesus zu den massgebenden Menschen. Ist dieser "massgebende Mensch" eine Wunschvorstellung, oder hat er wirklich gelebt?

Unsere Kenntnis über das Leben Jesu stammt hauptsächlich aus den vier Evangelien. Was steht dort vom Leben Jesu? Für eine antike Person haben wir erstaunlich viele Informationen. Die Angaben aus den Evangelien können zum Teil aus der Geschichte bestätigt werden. Vom römischen Kaiser Augustus wissen wir nicht nur aus dem Lukasevangelium. Wir haben ein solide historische Basis, um davon auszugehen, dass Jesus tatsächlich im ersten Jahrhundert in Palästina gelebt hat. Die genauen Lebensdaten von Jesus sind naturgemäss schwer zu erheben.

Eines ist ganz sicher und muss betont werden: Jesus war ein Jude! Leider haben die Christen diese Tatsache nicht immer gebührend respektiert.

1. Geburt und Kindheit

Von der Geburt Jesu berichten vor allem das Matthäus- und das Lukasevangelium. Der Bericht von Lukas (2.1 - 20) stellt das klassische Weihnachtsevangelium dar. Dieser Text wurde über Jahrhunderte von vielen Familien bei ihrer Weihnachtsfeier gelesen. Die Umstände der Geburt Jesu sind sehr geheimnisvoll. Es ist vom göttlichen Eingreifen die Rede. Eine Jungfrau wird vom Heiligen Geist schwanger. Hirten und Sterndeuter aus dem Morgenland (Mt. 2.1 - 12) erweisen dem Neugeborenen ihre Reverenz.
Alle diese schönen Szenen wurden auch in der Kunst verarbeitet. Einen wunderbaren Ausdruck hat die Weihnachtsgeschichte im Weihnachts-Oratorium von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) gefunden. In den Rezitativ-Passagen des Evangelisten wird der biblische Text vorgetragen. So beginnt es mit den Worten:

Es ergab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzet würde, und jedermann ging, dass er sich schätzen liesse, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heisset Bethlehem; darum, dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen liesse mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

Der Text aus dem Lukasevangelium (Lk. 2.1 - 6) wurde nach Luthers schöner Übersetzung aufgenommen.

Von der Kindheit und Jugend des Mannes aus Nazareth wissen wir nur sehr wenig. Es wird berichtet, dass Jesus wie jeder jüdische Knabe am 8. Tage beschnitten wurde (Lk. 2.21 - 40). Lukas erzählt eine Episode vom zwölfjährigen Jesus im Tempel (Lk. 2.41 - 52). Auch von der Familie von Jesus wissen wir nicht viel. Jesus hatte noch Brüder und Schwestern, aber sie treten in den Evangelien kaum in Erscheinung. Der Nährvater Jesu war Zimmermann (Mt. 13.55). Dürfen wir daraus schliessen, dass Jesus selbst auch dieses Handwerk erlernt hat? Die wenigen Angaben über die Geburt und Kindheit Jesu sind hoch brisant. Es geht nämlich um nicht mehr und nicht weniger als darum, dass der lebendige Gott in Jesus von Nazareth Mensch wurde. Gott bekam ein sichtbares menschliches Angesicht.

2. Die öffentliche Wirksamkeit

Etwa 30 Jahre lang lebt Jesus unbeachtet von der Öffentlichkeit. Dann tritt er plötzlich ins grelle Rampenlicht. Jetzt berichten auch alle Evangelisten ausführlich von seinem Tun und Reden. Jesus tritt mit einem symbolträchtigen Akt an die Öffentlichkeit. Er lässt sich nämlich von Johannes dem Täufer am Jordan taufen (Mt. 3.13-17Par.). Johannes ist so etwas wie der letzte alttestamentliche Prophet, der Israel zur Umkehr ruft. Diese Zeichenhandlung am Jordan macht deutlich, wer dieser Jesus von Nazareth ist. Die göttliche Stimme sagt: "Dies ist mein geliebter Sohn ..."
Kurz darauf versucht der Teufel Jesus von seinem Weg abzubringen (Mt. 4.1-11). Der Widersacher will Jesus nicht vom Weg in die Öffentlichkeit abhalten, sondern vom Weg zum Kreuz. Erfolg ist für den Teufel kein Problem aber das Kreuz schon.

Jesus führt das Leben eines "Wanderrabbis". Er reist im Land herum und verkündet den Menschen das Reich Gottes. Er beruft zwölf Jünger in seine Nachfolge. Einerseits predigt Jesus im Palästina des ersten Jahrhunderts.
Andererseits tut er aber auch aussergewöhnliche Taten. Er heilt Kranke und stillt einen Seesturm. Die Worte und Taten Jesu erregen die Aufmerksamkeit des religiösen Establishments.
Jesus geriet bald in Konflikt mit den jüdischen Führern. Zu den Gegnern Jesu gehörten auch die Pharisäer. Sie waren aber nicht so schlecht wie ihr Ruf. Sie stellten so etwas wie eine "jüdische Greenpeace"-Bewegung dar. Nicht jeder Pharisäer war ein Heuchler. Im Konflikt mit Jesus war das aber gar nicht der entscheidende Punkt.
Jesus trat auf mit der Botschaft: "Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen!" (Mt. 4.17). In Jesus nimmt sich Gott der Welt nochmals ganz neu an. In einer politisch brisanten Lage sagt Jesus, er sei der Befreier.
Im ersten Jahrhundert war der grösste Teil des Nahen Ostens von den Römern besetzt. Viele Juden hofften, dass Gott einen Befreier schicken würde, der sie von den verhassten Römern befreien konnte. Es kamen auch etliche selbsternannte Befreier, die aber kläglich scheiterten.
In seinen Worten und Taten definiert Jesus genau, wie er sich als "Befreier" verstanden wissen will. Wenn er von sich selbst sprach, nannte er sich "den Sohn des Menschen".
Er verzichtete auf den politisch vorbelasteten Begriff "Messias". Später erkannten die Jünger Jesus als den wahren Messias und nannten ihn deshalb "Christus", was die Übersetzung von Messias ist.
Jesus verkündigte den Menschen die Liebe des lebendigen Gottes. Am Kreuz befreite er die Menschen von ihrer Sündenlast. Den Sieg errang Jesus nicht auf dem Schlachtfeld, sondern am Kreuz von Golgatha und bei der Auferstehung.

Das Echo der Worte dieses jungen Rabbis ist auch nach zweitausend Jahren noch nicht verstummt. Zwei herausragende Redekomplexe von Jesus müssen hier genannt werden. Die Bergpredigt findet sich in den Kapiteln 5 - 7 des Matthäusevangeliums. Wir haben hier wahrscheinlich eine Synagogenpredigt vor uns. Jesus tritt als vollmächtiger Lehrer der Torah auf. In diesem Text finden wir so bekannte Texte wie die "Seligpreisungen" und das "Unser Vater". Was wollte Jesus mit dieser Rede? Jesus richtet diese Worte an die jüdischen Zuhörer. Er wollte ihnen sagen, was es heisst, als das Volk Gottes zu leben. Die von Gott Berufenen sollten auch entsprechend dieser Berufung leben. Die Rede Jesu geht aber noch über die unmittelbare Zuhörerschaft hinaus und zeigt allen Menschen, was es heisst im Reich Gottes zu leben.
Die einprägsamen Worte Jesu haben ganz unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Die ersten HörerInnen waren erstaunt über die vollmächtige Rede.
In späterer Zeit entstanden zwei Grundfragen: Sind diese Forderungen erfüllbar oder nicht? An wen richten sich diese Worte: An den einzelnen Christen oder können sie auch auf die politische Ebene übertragen werden? Alle Menschen, die die Bergpredigt aufmerksam lasen, wurden durch sie herausgefordert.

Die zweite bedeutende Redeeinheit von Jesus in den Evangelien stellen die Gleichnisse dar. Diese einfachen Geschichten haben sich in die Seele des christlichen Abendlandes eingeprägt. Die Gleichnisse vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Samariter sind den meisten Menschen vertraut.
Eines der bekanntesten Gleichnisse wollen wir uns noch ansehen: Das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Diese Geschichte hat Rembrandt (1606 - 1669) zu einer wundervollen Darstellung inspiriert. Die biblische Geschichte findet sich im Lukasevangelium 15.11 - 32. In diesem Gleichnis kristallisieren sich drei Hauptaussagen heraus:
1. So wie der verschwenderische Sohn immer die Möglichkeit hatte Busse zu tun und umzukehren, so haben auch Sünder immer die Möglichkeit umzukehren.
2. So wie der Vater immer bereit war für eine Versöhnung, so ist auch Gott bereit allen zu vergeben, die zu ihm zurückkehren.
3. So wie der ältere Bruder die Wiederaufnahmen des Jüngeren nicht hätte verachten sollen, so sollten auch die, die behaupten, Gottes Volk zu sein, nicht wütend werden, sondern sich freuen, wenn Gott seine Gnade auf die, die es nicht verdient haben, ausdehnt.

3. Das Leiden und der Tod

Drei Tage im Leben Jesu werden in den Evangelien unverhältnismässig ausführlich behandelt. In diese Zeit gehören der Verrat des Judas ("Judaskuss"), das Abendmahl, Jesu Gebet im Garten Gethsemane, das Verhör vor Pilatus und die Kreuzigung selbst. Es geht um die Leidensgeschichte oder - mit dem Fachausdruck - um die Passion. Die Evangelisten zeigen, dass diese Phase der entscheidende Abschnitt im Leben des Wanderrabbis war.

Warum steht das Kreuz an so zentraler Stelle im Neuen Testament? Das Leben Jesu musste nach den Evangelien so enden wie es endete. Ich sehe zwei Gründe dafür.
1. Jesus verkündete seine Botschaft von der Liebe des himmlischen Vaters kompromisslos. Die religiösen Führer hatten nur zwei Möglichkeiten: Entweder glaubten sie an diesen Messias oder er war ein Volksverführer und musste hingerichtet werden. Für die römischen Machthaber lag das Missverständnis nahe, dass es sich hier um einen Terroristen handelt.
2. Jesus sah in seinem Tod den Sinn seiner Sendung. In Markus 10.45 heisst es: "denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, damit ihm gedient werde, sondern damit er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für die vielen." Jesus gab sein Leben als Sühne für die Menschen hin. So sind also letztlich nicht die Juden oder die Römer schuld am Tod Jesu, sondern Jesus ist diesen Weg bewusst gegangen.

4. Die Auferstehung

Nach Karfreitag kommt Ostern, nach der Kreuzigung die Auferstehung. Der Tod am Kreuz war bei Jesus nicht das Ende der Geschichte. Nach drei Tagen ist er wieder vom Tod auferstanden. Die Evangelien berichten nicht, wie Jesus auferstanden ist, sondern sie zeigen die Folgen dieses Wunders auf. Die JüngerInnen finden das leere Grab. Jesus erscheint seinen Jüngern. Ohne die Auferstehung wären die Evangelien wohl gar nie geschrieben worden. Die Jesusbewegung wäre wie viele messianische Bewegungen damals in Vergessenheit geraten. Die völlig entmutigten Jünger traten plötzlich als mutige Zeugen von Jesus Christus auf. Auch der angedrohte Tod konnte sie nicht mehr hindern. Viele Märtyrer sind in die Geschichte eingegangen. Der wohl bekannteste aus der Gegenwart ist Dietrich Bonhoeffer (1906 - 1945). Das Evangelium trat nach Ostern einen unvergleichlichen Siegeszug in der Welt an.

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Ausschnitt aus dem Film «Son of God»
 

II. Die Berichte vom Leben Jesu: Die Evangelien

Beinahe all unsere Informationen über das Leben Jesu stammen aus den vier Evangelien. Sie sind mehr oder weniger chronologisch geordnet. Es sind keine Biographien im modernen Sinn. Lukas versteht sich als antiker Historiker. Das griechische Wort "Evangelium" heisst "gute Botschaft". Was das bedeutet, zeigt eine antike Inschrift, die den Geburtstag des Kaisers Augustus preist:

Dieser Tag hat der Welt einen anderen Anblick gegeben, sie wäre dem Untergang verfallen, hätte nicht in dem nun Geborenen für alle Menschen ein gemeinsames Glück sich gezeigt. Richtig urteilt, wer in diesem Geburtsfest den Anfang des Lebens und aller Lebenskräfte für sich erkennt; endlich ist die Zeit vorüber, da man es bereuen musste, geboren zu sein. Die Vorsehung hat diesen Mann mit solchen Gaben erfüllt, dass sie ihn uns und den kommenden Geschlechtern als Heiland gesandt hat; Fehde wird er beenden, alles herrlich ausgestalten. Der Geburtstag des Gottes hat für die Welt die mit ihm Verbundenen guten Nachrichten heraufgeführt, von seiner Geburt beginnt eine neue Zeitrechnung.

Die gute Nachricht von der Geburt des Retters, Jesus Christus, verkünden die Evangelien. Im Neuen Testament haben wir vier verschiedene Evangelien (Mt.,Mk.,Lk.,Joh.). Sie erzählen alle die eine Geschichte mit verschiedenen Akzenten.

Wie sind die Evangelien entstanden? Am Anfang der Evangelien steht die historische Figur von Jesus. Er hat mit den Menschen gelebt und zu ihnen geredet. Seine Jünger haben die Worte gehört und die Taten gesehen. In einer Kultur, die sich aufs Auswendiglernen spezialisiert hat, stellt die Überlieferung der Worte kein Problem dar. Flavius Josephus (37 - 100 n.Chr.)., der jüdische Historiker aus dem ersten Jahrhundert, schrieb dazu:

Bei uns hingegen mag man den ersten besten über die Gesetze befragen, und er wird sämtliche Bestimmungen derselben leichter hersagen als seinen eigenen Namen. Weil wir nämlich gleich vom Erwachen des Bewusstseins an die Gesetze erlernen, sind sie in unsere Seelen sozusagen eingegraben.

In diesem Umfeld dürfen wir erwarten, dass auch die Jünger Jesu Worte ihres Lehrers auswendig gelernt haben. Einige HörerInnen von Jesus machten sich vielleicht auch Notizen. Von diesem Hintergrund her dürfen wir mit gutem Recht vermuten, dass die Worte Jesu von seinen Jüngern sorgfältig weitergegeben wurden. Einige Jahre nach dem Tod und der Auferstehung Jesu wurden die Evangelien niedergeschrieben. Wir haben in ihnen keine Protokolle der Ereignisse, aber zuverlässig überlieferte Berichte.

Die Evangelien werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die ersten drei Evangelien nennt man Synoptiker. Wenn man diese drei Evangelien nebeneinander liest, dann entdeckt man viele ähnliche Geschichten. Das Johannesevangelium wird von den drei synoptischen Evangelien unterschieden. Es hat zwar viele Geschichten mit den drei ersten Evangelien gemeinsam, aber es gibt auch einige wesentliche Unterschiede (z.B. Prolog, Fusswaschung, Ich-bin-Worte).

Die vier Evangelisten haben in der christlichen Kunst Attribute bekommen. Es geht dabei um einen Mensch, einen Löwe, einen Stier und einen Adler. Woher stammen diese Symbole? In der Johannesoffenbarung stehen vier Lebewesen um den himmlischen Thron herum (Off. 4.6 - 8). Diese vier Wesen sehen aus wie ein Löwe, ein junger Stier, ein Mensch und ein fliegender Adler. Seit dem 7. Jahrhundert wurden die vier Wesen aus der Offenbarung zu den Symboltieren der vier Evangelisten. Die Zuordnung erfolgte aufgrund der Anfänge der Evangelien. Der Mensch gehört zu Matthäus, weil er mit dem Stammbaum Jesu beginnt (Mt. 1.1 - 17). Zu Markus gehört der Löwe, weil er mit der Wüstenpredigt Johannes des Täufers beginnt (Mk. 1.1 - 8). Der Stier gehört zu Lukas, weil er mit dem Opferdienst des Zacharias beginnt (Lk. 1.5 - 25). Der sublime Prolog des Johannesevangeliums trug dem Johannes den Adler ein (Joh. 1.1 - 18). In früherer Zeit schwankt die Zuordnung der Wesen zu den Evangelisten. Die Reihenfolge des Hieronymus (ca. 347 - 419) wird dann verbindlich.

Ein Schlusswort
Leo Tolstoi (1828 - 1910), der grosse russische Schriftsteller, war fasziniert von der Botschaft Jesu. In seinem Altersroman "Auferstehung" lässt er den Grafen Nechljudow ein Neues Testament aufschlagen. Der vergnügungssüchtige Graf hat einen schmerzhaften Weg hinter sich, auf dem er geläutert wurde. Jetzt ist Nechljudow allein in seinem Zimmer im Gasthaus und bedenkt nochmals das Vergangene. Von Unruhe gepackt schlägt er das Neue Testament auf. Dann heisst es:

Hierauf trat er in das Licht der brennenden Lampe und wurde starr. Ein lange nicht mehr empfundenes Entzücken ergriff seine Seele, gerade als wenn er nach langen Qualen und Leiden plötzlich Ruhe und Frieden gefunden.
Er schlief die ganze Nacht nicht, und wie es mit vielen und abervielen geht, die das Neue Testament lesen, verstand er zum erstenmal beim Lesen die ganze Bedeutung der Worte, die er schon oft gelesen und nicht erfasst hatte. Wie die Lippe das Wasser, sog er das Nötige, Wichtige und Freudige in sich auf, was sich ihm in dem Buche offenbarte. Und alles, was er las, schien ihm bekannt, schien ihm zu bestätigen und zum Bewusstsein zu bringen, was er schon lange vordem gewusst, sich aber nicht eingestanden, nicht geglaubt hatte. Jetzt aber gestand er es sich ein und glaubte es.

Die Botschaft des Evangeliums veränderte das Leben dieses Grafen vollständig. In den Worten des Neuen Testaments entdeckte er das menschliche Angesicht Gottes.

Autor: Martin Forster


Quelle: Jesus.ch

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