Der andere Stern

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Alle Jahre wieder werden die Hypothesen und Spekualtionen über den Stern von Bethlehem hervorgeholt. Ist der Stern bloss ein Mythos, ein Wunder oder lässt er sich wissenschaftlich erklären?

"Als aber Jesus in den Tagen des Königs Herodes zu Bethlehem in Judäa geboren war , siehe, da kamen Weise aus dem Morgenaland nach Jerusalem, die sagten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben nämlich seien Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen."

Weder Könige, noch Magier

Nein, es waren weder Könige, noch Magier im Sinne von Zauberern, sondern Gelehrte, die sich mit heidnischer Theologie, verschiedenen Wissenschaften, vor allen Astronomie und Astrologie beschäftigten. Man nimmt an, dass es sich um Babylonier handelte. Zur Zeit der Geburt Jesu hatte die einstigen babylonische Weltmacht viel von ihrem Glanz eingebüsst. Anhand von aufgefundenen Tontafeln, die dicht mit Keilschrift beschreiben waren und astronomischen Berechnungen enthielten, konnte jedoch nachgewiesen werden, dass in Babylon bis über die Mitte des ersten Jahrhunderts hinaus rege Astronomie getrieben wurde.

Weshalb aber lässt Gott diese Magier den Stern entdecken und auf die Geburt eines Königs deuten, wo er doch Sternendeuterei verabscheut? (Die Bibel, 5. Mosesbuch, Kapitel 18, Vers 11-12) Theologisch lässt sich das nicht einfach erklären. Vielleicht als Zeichen der neuen Zeit, in der sich Gott den Heiden offenbart und zwar auf eine Art und Weise, die ihnen vertaut ist und die sie unmissverständlich begreifen.

Nicht nur ein Mythos

Wenn man die Bibel als inspiriertes Wort Gottes betrachten, fällt die Erklärung, dass es sich beim Stern von Bethlehem bloss um einen Mythos handelt, weg. Der Apostel Matthäus erwähnt den Stern viermal. Irgendetwas muss also sehr hell und wiederholt am Himmelszelt aufgeleuchtet haben. Aber was war es?

Was war der „Stern von Bethlehem“?

Verschiedene Hypothesen wurden aufgesellt und wieder verworfen. Wir vollen hier einige Möglichkeiten betrachten.

Eine Nova (plötzliches Aufflammen eines früher viel lichtschwächeren Sterns um das Tausend-bis Milliardenfache), wurde in der Zeit um Christi Geburt nicht beobachtet.

Ein Meteor (In die Erdatmosphäre eindringender kosmischer Partikel) schiedet ebenfalls aus, da Meteore nur einige Sekunden sichtbar sind und den Magiern dadurch nie als Wegweiser hätten dienen können.

Ein Komet mit einem langen Schweif, der oft auf Bildern malerisch über dem Stall strahlend dargestellt wird, würde sehr gut in unser Weihnachtsklischee passen. Tatsächlich hat man in alten chinesischen Schriften Aufzeichnungen über einen Kometen gefunden, der zwischen dem 9. März und 6. April 5 v. Chr. beobachtet wurde! Diese These wir4d nur von wenigen verfochten, da einleuchtende Argumente, weil die geozentrische Bewegung und eine massive Abschwächung der Kometen-Helligkeit dagegen sprechen, dass es sich dabei und den Stern von Bethlehem gehandelt hat.

Die Erscheinung kann vermutlich nicht allzu spektakulär gewesen sein. Ansonsten hätte Herodes sich nicht heimlich bei den Magiern erkundigt, wann der Stern erschienen sein. Er oder seine Ratgeber hätten ihn selbst beobachten können.

Somit bleiben eigentlich nur zwei Erklärungen übrig:

1. Es handelt sich um eine Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn oder

2. Gott hat einen Stern "erschaffen", um den Fremden den Weg zu neugeborenen König zu weisen.

Jupiter und Saturn

In unserem Sonnensystem umkreisen der Mond und die Planeten ausserhalb der Erdbahn auf einem breiten Weg, dem Tierkreis (Zodiakos), die Sonne. Dabei kommt es unter den Planeten immer wieder zu "Begegnungen", das heisst, sie Nähern sich. Jupiter braucht rund 12 Jahre, Saturn 29,5 Jahre, um die Sonne einmal zu umlaufen, demnach begegnen sie sich alle 20 Jahre. Die Erde, die sich schneller um die Sonne dreht, steht zeitweise zwischen der Sonne und den beiden Planeten. Von der Erde aus gesehen scheint es, als ob die Planeten dadurch Schleifenbewegungen ausführen wurden. Alle 258 Jahre kommt es zu einer dreimaligen Begegnung und zwar in verschiedenen Zeichen des Tierkreises. Alle 794 Jahre2, oder nach anderen Berechnungen alle 854 Jahre3, kommt es zu einer dreimaligen Konjunktion im gleichen Tierkreis.


Abbildung: Die dreifache Konjunktion von Jupiter und Saturn im Tierkreiszeichen Fische. Am 12. November 7 v. Chr weist Jupiter als ~Stern des Messias. durch das scheinbar von ihm ausgehende Zodiakallicht auf Bethlehem hin (Foto aus dem Wiener Planetarium). So erklärt sich der Astronom Konradin Ferrari D' Occhieppo den Stern von Bethlehem.

Zwei helle Sterne dicht beieinander sind für einen Laien zwar sichtbar, aber kaum so eindrücklich wie andere Erscheinungen (Kometen). Erstmals verband der bekannte Astronom Johannes Kepler 1603 eine Konjunktion mit der Himmelserscheinung zur Zeit der Geburt Jesu. Seine "Entdeckung" geriet aber wieder in Vergessenheit bis 1925 eine babylonische Keilschrifttafel entziffert wurde. Es handelte sich dabei um einen Sternenkalender, der eine dreimalige Konjunktion von Jupiter und Saturn im Tierkreiszeichen Fische im Jahr 7. v. Chr. beschreibt.

Die astrologische Deutung

Was bewog die babylonischen Sterndeuter ihre Sachen zu packen und die strapaziöse 1200 Kilometer lange, gefährliche Reise in Richtung Palästina in Angriff zu nehmen? Durch die jahrhundertslangen Sternbeobachtungen wussten sie um die Konjunktionen. Sicher war ihnen klar, dass es sich zwar um eine seltene, aber nicht absolut einmalige Konstellation handelte.

Nun, bei diesen "Weisen" handelte es sich eben nicht nur um Astronomen, sondern auch um Astrologen. Die dreimalige Konjunktion von Jupiter und Saturn im Tierkreiszeichen Fische hatte aus babylonischer Sicht eine höchst interessante Bedeutung.

Die Babylonier glaubten in den Planeten Rangordnungen der Gottheiten zu sehen. Jupiter stand an höchster Stelle, er galt als der glänzende Stern des Marduk, ihrer höchsten männlichen Gottheit. Auch bei anderen Völkern galt Jupiter als Königsstern. Der Planet Saturn kam erst an vierter Stelle. Aufgrund alter, astrologische Texte, wurde dieser Stern den Bewohnern von Syrien und Palästina zugeordnet. Die hellenistische Sterndeutung bezeichnet Saturn direkt als Stern der Juden. Das Sternbild der Fische wurde astro-geografisch der ganzen Gegend von Syrien, Palästina bis Unterägypten zugeordnet. Demzufolge lag die Deutung auf der Hand. Ein mächtiger Herrscher wurde den Juden in Palästina geboren!

Mächtiger König oder Messias?

Ob die Magier ahnten, dass es sich bei diesem Herrscher um den Messias handelte? Wenige Jahrhunderte vorher hatte man viele Juden in babylonische Gefangenschaft verschleppt, darunter auch Daniel und andere weise und gelehrte Männer. Oh unsere Magier die jüdische Messiaserwartung im Hinterkopf hatten, bleibt eine reine Hypothese, die aber ihr unverzüglichen Aufbruch nach Palästina erklären könnte.

Zahlenspekulationen

Konradin Ferrari D'Occhieppo stellt in seinem Buch "Der Stern von Bethlehem" eine andere Theorie auf. Sie scheint mir zwar sehr spekulativ zu sein, aber interessant genug, sie zu betrachten. Der Autor geht von 854 Jahren aus, die zwischen der Dreifacher Konjunktion von Jupiter und Saturn im gleichen Tierkreis liegen. Wenn man diese Zahl im sexagesimalen Zahlensystem schreibt, dass teilweise bei den Babyloniern gebraucht wurde, erhält man (14),(l4)5. Der Messias wurde als Nachkomme Davids erwartet. Der Name David in Zahlenwerten geschrieben ergibt 14 (D-V-D = 4+6+4 = 14, da im Althebräischen nur Konsonanten geschrieben wurden). Der Bericht über die Magier aus dem Osten steht, wie wir gesehen haben, im 2. Kapitel des Matthäusevangeliums. Im ersten Kapitel zählt der Apostel den Stammbaum Jesu auf. Dabei kommt er auf 14 Generationen zwischen David und der Geburt des Messias. Für uns scheint das sicher viel weiter hergeholt zu sein, als es damals für die Babylonier war.

Das Zodiakallicht

Die Magier haben also im Frühjahr 7 v. Chr. die Konjunktion von Jupiter und Saturn beobachtet (die verschiedenen Quellen beschreiben nicht ganz identische Daten). Demnach erreichten sie im Spätherbst/Winter Jerusalem. Nachdem sie bei Herodes waren, zogen sie gemäss den Angaben der Jüdischen Schriftgelehrten gegen Süden in Richtung Bethlehem. Da erblickten sie den Stern, oder die Sternkonjunktion, wieder. Sie ritten nach Bethlehem und fanden den Stall. Wieso wussten sie so genau, wo Jesus zu finden war? Leuchtete Jupiter direkt auf die Geburtsstätte Jesu? Wieder bietet Ferrari D'Occhieppo ein Erklärungsmodell an: ... als die Dämmerung in dunkle Nacht übergegangen war; zeigte sich zwischen Süden und Südwesten ein zarter unscharf begrenzter Lichtkegel, das Zodiakallicht. Von Jupiter; der im Süden nächst der Spitze des Kegels stand, schien ein Lichtstrom auszugehen, welcher nach unten hin zugleich breiter und heller wurde. Deutlich hoben sich von der Basis des Lichtkegels die Umrisse der Hügelkette und beim Näherkommen auch die flachen Dächer einzelner Hauser von Bethlehem ab. Vom Einbruch der Dunkelheit an bis zu dem mehr als zwei Stunden späteren Aufgang des Mondes wies die Achse des Lichtkegels beständig auf dieselbe Stelle des Horizonts und zeichnete dadurch einen kleinen Teil der Ortschaft, zuletzt vielleicht sogar ein bestimmtes Haus vor den umliegenden aus. Es ergab sich der Ansehen, als wäre der Stern selbst stehen geblieben über der Stelle, wo das Kind war".

Ein Wunder Gottes?

Werner Gitt vertritt in seinem Buch "Signale aus dem All", die Meinung, dass es sich beim Stern von Bethlehem um ein Wunder Gottes gehandelt haben muss. Er bringt folgende Argumente:

Der Apostel Matthäus erwähnt in der Bibel nur einen Stern. Die Konjunktion von Jupiter und Saturn kann also dafür nicht in Frage kommen, die zwei Sterne sind sich zwar sehr nahe gekommen, aber es waren immer noch klar zwei verschiedene Himmelskörper erkennbar. Astronomische Ereignisse kehren periodisch wieder. Die Geburt Jesu ist aber ein einmaliges Ereignis. Wieso sollte Gott für dieses einmalige Ereignis ein Zeichen geben, das wiederkehrend ist?

Herodes fragte die Magier, wo der Christus geboren werden sollte. Woher hätte der Heide Herodes wissen sollen, dass es sich bei diesem Herrscher um den Messias handelte, wenn nicht von den Magiern selbst (oder seinen jüdischen Beratern)? Nur Gott konnte ihnen das mitgeteilt haben.

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Der Stern ging vor den Magiern her und blieb dann stehen. Alle astronomischen Objekte führen einen (scheinbaren) Lauf am Himmelsgewölbe, das heisst, sie sind ungeeignet eine bleibende Richtung anzugeben.

Als Gott das Volk Israel aus Ägypten führte, schickte er am Tage eine Wolke und nachts eine Feuersäule. Wenn Gott damals diese Reiseroute durch speziell geschaffene Zeichen markierte, weshalb sollte er dann bei den Magiern eine astronomische Erscheinung gebrauchen?

Aus der Fülle dieser Argumente folgert Gitt: "Somit scheiden alle astronomisch bekannten Gebilde oder Konfigurationen als Stern von Bethlehem aus. So bin ich fest davon überzeugt, dass es sich um einen eigens far die Reiseroute der Weisen bestimmtes und neu geschaffenes Lichtzeichen (Stern) gehandelt hat, denn ‚bei Gott ist kein Ding unmöglich'(Lk.1,37)"

Diese Ausführungen sind sehr beachtenswert, und man kann sich dieser Anschauung guten Gewissens anschliessen. Jedoch: Dass Matthäus nur von einem Stern schreibt, muss nicht unbedingt den Untergang der Konjunktionstheorie bedeuten. Im Jahre 7 v. Chr. war der Planet Jupiter beim Abendaufgang 15mal so hell wie Saturn. Er war der Stern, der ins Auge fiel, zudem galt er als Königsstern und Jesus ist viel mehr als ein König.

Natürlich ist die Geburt Jesu ein einmaliges Geschehen. Aber wieso sollte Gott deshalb nicht ein astronomisches Ereignis, das alle rund 800 Jahre wiederkehrt, als Wegweiser gebrauchen? Jesus starb nur einmal und dabei verfinsterte sich die Sonne (dies geschieht weitaus häufiger, als eine dreifache Konjunktion). Gott gebraucht nicht immer Einmaliges, um seine Macht zu demonstrieren und Zeichen zu setzen.

Viele Spekulationen

Um das Datum der Geburt Jesu gab es schon immer die wildesten Spekulationen. Es gibt Theorien, die Jesu Geburt auf das Jahr 2 v. Chr. datieren. Wie kamen sie zu dieser Ansicht? Im Lukasevangelium heisst es, dass Jesus etwa dreissig Jahre alt war, als er zu wirken begann und zwar im 15. Regierungsjahr des Kaisers Tiberius. Dies ist jedoch kein stichhaltiges Argument, denn etwa dreissigjährig, lässt eine Spannweite von einigen Jahren auf und ab offen.

Man kann also das Datum nicht mit absoluter Sicherheit festlegen, deshalb ist es sicher ratsam, mit Spekulationen sehr zurückhaltend zu sein. Es ist zwar interessant, die verschiedenen Theorien über den Stern von Bethlehem zu untersuchen, doch bis jetzt gibt es keinen sicheren Beweise. Vielleicht gebrauchte Gott eine Planetenkonjunktion, vielleicht ein Wunder. Das ändert nichts am schier unfassbaren Umstand, dass Gott Mensch wurde. Egal, was da vom Himmel strahle und die Magier führte, Jesus Christus kam auf diese Welt, um für unsere Schuld zu sterben, das ist eine unumstössliche Tatsache!


Quelle: factum Magazin

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