Kleine Geschichte zum Weihnachtsbaum

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Nun sieht man sie wieder überall, die kleinen grünen beleuchteten Inseln inmitten der Stadt. Was wäre Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? Was würde vom Fest übrigbleiben, wenn wir Baum, Geschenke und Festessen weglassen würden?

Manche sagen: "Ich möchte das traditionelle Weihnachtsfest nicht missen, birgt es doch schon von Kindheit an einen geheimnisvollen Zauber in sich, den ich den Kindern nicht vorenthalten möchte". Andererseits könnte man sich auch fragen, ob nicht gerade dadurch die Hauptsache - das Gedenken an die Geburt von Jesus - zur Nebensache verkommt. Aber, seit wann ist das so, wie kam es dazu, dass der Weihnachtsbaum diesen Ehrenplatz in unsere Stuben einnehmen konnte?

Die Entwicklung des Weihnachtsbaumes hat keinen eindeutigen Anfang, vielmehr setzt sie sich aus verschiedenen Bräuchen verschiedener Kulturen zusammen, denen jedoch eines gemeinsam ist: die Winterzeit und die Verwendung von immergrünen Pflanzen. Bereits in der römischen Antike bekränzten die Leute ihre Häuser zum Jahreswechsel mit Lorbeerzweigen. Im heidnischen Rom stand aber auch schon die Föhre - mit anderem Namen - im Mittelpunkt einer Gedenkfeier: "Baal-Berith" - "Herr des Bundes" stellte den erschlagenen Gott dar, der zu neuem Leben kommt. Der abgeschlagene, tote Baumstrunk, aus dem wieder neues Leben erwacht.

Der römische Kaiser Aurelian erklärte den 25. Dezember, also in etwa das Datum der Sonnenwende, zum Festtag des unbesiegbaren Sonnengottes - Natalis invictis solis. Ein Datum, das uns auch heute noch bekannt vorkommt, denn, im Zuge allgemeiner Christianisierung, erklärte Papst Julius im Jahre 350 n.Chr. dieses Datum zum Tag der Geburt Christi.

Dass die heidnischen Gepflogenheiten zur Feier des neu anbrechenden Jahres, wie z.B. das Verschenken von kleinen Gaben an grünen Zweigen, auch an dem nun christianisierten Datum der Sonnenwende beibehalten wurden, versteht sich von selbst.

Ein Brauch entwickelt sich

Auch in den nördlicheren Gefilden bei den wurden schon Tannenzweige ins Innere des Hauses gehängt, vornehmlich über Eingänge und in dunkle Ecken, um bösen Geistern das Eindringen und Einnisten in der guten Stube zu erschweren. Zugleich gab das Grün Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings.

Im Mittelalter hatte sich bereits das Schmücken ganzer Bäume zu bestimmten öffentlichen Festlichkeiten entwickelt, wie z.B. des Maibaums oder Richtbaums. Zu Weihnachten wurden in der Kirche Paradiesspiele aufgeführt, zu denen ein "Paradiesbaum", der durchaus auch ein Laubbaum sein konnte, mit Äpfeln behängt wurde. Der Apfel diente hier als Zeichen der verbotenen Frucht und erinnerte so an den Sündenfall und natürlich auch an die Befreiung von der Erbsünde des Menschen durch Jesus Christus. Noch bis ins 19.Jahrhundert hinein schmückte man in Norddeutschland seinen Christbaum mit Adam und Eva, inklusive der Schlange, aus Holz oder gebacken.

Immergrüner Christbaum

Im Mittelalter wird Grün in der Form winterlichen Immergrüns zum Kennzeichen wieder erwachenden Lebens, zum Garant der Wiederkehr des Lichtes. So wie im immergrünen Baum im Winter das Leben präsent ist, so ist Gott noch unerkannt in seinem neugeborenen Sohn in dieser Welt schon wirksam.

Die christlichen Symbolfarben von Advent und Weihnachten sind Grün und Rot. Grün symbolisiert nicht nur die Hoffnung auf Lebenserhalt im dunklen Winter, sondern damit auch die Treue. Deshalb werden auch die symbolischen immergrünen Gewächse verwendet: Fichte, Tanne, Kiefer, Stechpalme, Mistel, Efeu.

Rot erinnert an das Blut Christi, das er vergossen hat, damit die Welt erlöst werde. Die Farbkombination von Grün und Rot versinnbildlicht Christen also die übernatürliche Hoffnung. Die gleichen Farben prägen oft den Christbaum, Tischdekoration, Weihnachtspost und Verpackungsmaterial der Geschenke. Das Rot am Grünen nimmt Sterben und Tod Christi schon in seine Geburt hinein. Geburt und Tod des Erlösers werden als eine Einheit gesehen, weshalb in manchen Legenden auch davon die Rede ist, das Holz des Kreuzes und das der Krippe stammten von ein und demselben Baum, was natürlich Unsinn ist.

Naturschutz auch schon ein Thema

Der "richtige" Weihnachtsbaum wie wir ihn kennen, entstand viel später. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1419 und zeigt noch immer den für die Allgemeinheit bestimmten Charakter. Die Freiburger Bäckerschaft hatte nämlich einen Baum mit allerlei Naschwerk, Früchten und Nüssen behängt, den die Kinder nach dem Abschütteln an Neujahr plündern durften.

Die Zünfte und Vereine waren es schließlich, die sich ein immergrünes Bäumchen in die Stube holten. Nach und nach wurde die Sitte der Stubenbegrünung mit Zweigen auch beim gewöhnlichen Volk beliebt, sodass der Naturschutz auch damals zum aktuellen Thema wurde. Die Kirche, der große Waldgebiete gehörten, schritt nun gegen das Plündern des Waldes zur Weihnachtszeit ein, da sie zudem den heidnischen Zweck, der nach wie vor dahinter stand, nicht billigen konnte. Das Tanzen, Springen und Gabenschicken sowie das Auslegen von ,,Dannenreisig" in den Stuben werden als heidnische Bräuche angesehen. Dies ist aus einer Predigt belegt, die im Jahre 1508 in Salzburg gehalten wurde. 1525 sollte in Salzburg ein behördliches Verbot ,,betreff des Abhackens des Weihnachtsgrüns" erlassen werden. Schon damals einmal aus Umweltschutzgründen wegen ,,waldnachteiliger Verhackung" und zum anderen wegen des ,,abergläubischen Gebrauchs".

Während der Brauch in den Städten schnell Einzug hielt, setzte er sich in den ländlichen Gebieten nur sehr langsam durch. Die Kirche gab langsam ihren Widerstand gegen den Brauch auf. Dieses Durchsetzen wurde aber durch die positiven Stimmen Martin Luthers und anderer Reformatoren unterstützt. Sie erklärten den Christbaum zum Weihnachtssymbol des "rechtgläubigen" Protestanten, um sich dadurch von der in katholischen Gegenden üblichen Sitte des Krippen-Aufstellens abzugrenzen.

Der Durchbruch

Die Stadtbevölkerung mußte vorerst noch mit Zweigen und dort anfallendem Grün auskommen, noch längst nicht alle konnten sich einen Weihnachtsbaum leisten. Tannenbäume waren auch seltener als heute. Im Waldbestand der Mittelgebirge herrschte der Laub- und Niederwald vor. Erst zur Jahrhundertwende stellten sich die Bauern auf schnellwachsende Fichten um. Da Tannenbäume teuer waren, behalf man sich mit dem Aufstellen von winterlichem Grün wie Kiefer- und Mistelzweige. Der Weihnachtsbaum war also zunächst den begüterteren Schichten vorbehalten, bis schliesslich ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden, die den städtischen Bedarf an Weihnachtsbäumchen decken sollten.

Um 1890 kam der Brauch des Weihnachtsbaumes mit den protestantischen Einwanderern aus Schlesien und Süddeutschland ins Ruhrgebiet. Aus den katholischen Orten wurde berichtet, daß es Evangelische waren, die im 19. Jahrhundert als erste einen Weihnachtsbaum aufstellten. Auch Kaufleute und Wirte haben zur Verbreitung des Brauches beigetragen, da der Baum von ihnen oft als Werbemittel eingesetzt wurde. So waren es hauptsächlich drei Personengruppen, die den Weihnachtsbaum in ihren Orten bekannt machten: von auswärts Zugezogene, ortsansässige Kaufleute, Grossbauern, Adelige und Wirte.

Ende des 19. Jahrhunderts kann sich die Kirche der allgemein so grossen Beliebtheit des Bäumchens nicht mehr erwehren und bindet es schliesslich in ihre Festlichkeiten mit ein. Der Christbaum ist endlich da.

Die Auswanderer des 18. Jahrhunderts nahmen den Brauch mit nach Amerika, wo seit 1891 ein "öffentlicher" Christbaum in Washington (D.C.) vor dem Weissen Haus aufgestellt wird.

Der erste Tannenbaum in Zürich

Der Weihnachtsbaum wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts von Norden her in die Schweiz "importiert". Um 1800 leuchtete zum erstenmal ein kerzengeschmückter Tannenbaum in einer Bürgerstube in Zürich. In Lausanne wurde 1831 der erste Weihnachtsbaum verkauft.

Um 1900 war der Weihnachtsbaum in der ganzen Schweiz bekannt, aber nicht gebräuchlich. Erst der Erste Weltkrieg verhalf ihm zum Durchbruch, als die Soldaten in ihren Unterkünften das Fest mit einem Weihnachtsbaum zu feiern gelernt hatten.

Dieses Jahr werden in der Schweiz schätzungsweise eine Million echte und 100 000 künstliche Tannenbäume verkauft.


Autor: Bruno Graber
Quelle: Jesus.ch

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