Und so was nennt sich Weihnachten?

24. Dezember. Heiligabend. Komisch, dachte Otto Bolli, so heilig war der Tag bis dahin nicht. Und Abend war es eigentlich auch noch nicht. Erst 16 Uhr. Trotzdem war es für den Gastwirt ein besonderer Tag.

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Nicht, dass der gut 40-Jährige eine ausgeprägt sentimentale Ader gehabt hätte. Nein, Heiligabend verlangte von ihm noch mehr Einsatz als sonst schon. Die Gäste erwarteten an diesem Tag etwas Besonderes. Nicht bloss auf dem Teller. Nein, da galt es eine richtig schöne Weihnachtsfeier zu gestalten. Christbaum, Tischdekorationen, Musik, ja sogar eine Rede oder eine Geschichte wurde von seinen Stammgästen erwartet. So hatte er sie schliesslich in den vergangenen Jahren auch daran gewöhnt. Und das musste nun einfach sein! Seine ganze Kreativität war gefragt. Alles musste vorbereitet sein. Es sollte wieder ein gelungener Weihnachtsabend werden!

Die ganze Familie im Einsatz

Endlich! Das Programm stand. Die Küche war bereit. Renate, die Frau von Gastwirt Bolli, hatte mit den Kindern die Musikstücke geübt. Der Jüngste hatte den Job des Kerzenanzünders. Der Älteste sollte im Service mithelfen. Und der Dritte nach der Feier in der Küche als Casserollier mithelfen.
Der Abend war für die Gäste ein Erlebnis. Festlich, besinnlich, etwas emotional: eine komplette Weihnachtsfeier. Auch die Rede kam an. Hat auch aufgewühlt. "Könnte Jesus heute bei uns überhaupt noch zur Welt kommen, oder hätten wir die fremden Eltern nicht ausgeschafft? Oder hätten wir vielleicht geraten, das uneheliche Kind abzutreiben...?"

Und die Kinder?

Otto Bolli war zufrieden. Das haben wir wieder einmal wunderbar geschafft... Doch unverhofft wurde er aus seiner Zufriedenheit herausgerissen. Daniel, das jüngste seiner Kinder, stand vor ihm. Ungeduldig und vorwurfsvoll meinte er, dass
er nun genügend geschuftet habe. Er gehe jetzt nach Hause. Hier im Betrieb sei das doch keine Weihnacht. Und mit Tränen in den Augen fragte er: "Wann feiern wir denn richtig Weihnachten? Wir als Familie zusammen, mit einem guten Essen, einem Christbaum in der eigenen Stube und Geschenken?"

Richtig Weihnachten feiern

Das sass! Otto Bolli wurde sich wieder einmal bewusst, dass auch seine Familie ein Anrecht auf ihn, seine Kreativität, Aufmerksamkeit und Liebe hatte. Und dies erst recht an Weihnachten! Schneller als sonst schloss er an diesem Abend das Büro und stieg hinauf in seine Wohnung zu Frau und Kindern.
Es gab noch eine ganz passable Weihnachtsfeier. Zwar ohne Christbaum, was im kommenden Jahr aber nicht mehr vorkommen sollte... Alle genossen das familiäre Zusammensein. Eine Rede wurde keine mehr gehalten. Doch wurden ein paar Weihnachtslieder gesungen, die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium gelesen, in einem schlichten Gebet dem Vater im Himmel für das Kommen des Heilandes, Jesus Christus, gedankt und dann natürlich Geschenke verteilt und ausgepackt. Blamiert hat sich dabei allerdings der gute Vater Bolli, der sich sonst so viel auf seine Kreativität einbildete. Dass er das Geschenke kaufen völlig seiner Frau überlassen hatte, merkten die Kinder schnell, und dass er keine Ahnung davon hatte, was sie bekommen sollten. Das war schon peinlich. Und sollte auch nicht mehr vorkommen...

Ein wahres Geschenk

Später versprach er seiner Frau dann ernstlich, dass er ihr und den Kindern - bei allem Geschäft - künftig mehr schenken möchte an Zeit, Kreativität und Liebe. Für Renate war dieses Versprechen das grössere Weihnachtsgeschenk als der Halsschmuck, den ihr Otto leicht verunsichert überreichte.


Autor: Christoph Gysel
Quelle: Chrischona Magazin

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