Geschichtsprofessor stellt fest:

«Die Weihnachtsbotschaft ist revolutionär»

Jean Delumeau (88) ist Honorarprofessor am prestigeträchtigen «Collège de France». Für den Autor von etwa  30 Werken zur Geschichte und Theologie des Christentums ist die Geburt von Jesus Christus ein revolutionäres Ereignis.

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Für ihn ist die Geburt von Jesus ein grosses Hoffnungszeichen für die Welt: Historiker Jean Delumeau.
Herr Professor Delumeau, was hat die Geburt von Jesus Christus Revolutionäres gebracht?
Jean Delumeau: Das Revolutionäre an der christlichen Botschaft ist, dass sie lehrt, dass sich Gott zum Menschen gemacht hat. Dass er zum Freund und Begleiter der Menschen geworden ist. Jesus ist geboren worden, er ist gestorben, aber er ist auch auferstanden.

Und durch seine Auferstehung zieht er uns in seine Ewigkeit. Unter allen religiösen Botschaften sagt nur die christliche Botschaft dies so klar und setzt damit ein grosses Hoffnungszeichen. Für mich ist darum die Botschaft von Jesus revolutionär. Sie war es in der frühen Zeit des Christentums, sie ist heute revolutionär und wird es in Zukunft bleiben. 

Warum gelingt es uns eigentlich nicht, diese Botschaft von Weihnachten ganz zu fassen?
Man feiert Weihnachten oft zu oberflächlich. Man vergisst dabei, worum es geht, nämlich um die Hoffnung auf ein wirklich endgültiges, ewiges Leben. Wir kommen nicht mehr dazu, über das Wichtigste nachzudenken, seitdem wir mit der industriellen Revolution begonnen haben, die Natur zu bezwingen. Wir werden geblendet von Tausenden von Möglichkeiten, die Dinge selber kontrollieren zu können.

Heute zieht uns die Informations- und Kommunikationstechnologie in Bann. Weltweit befinden sich die Menschen in einer radikal neuen Situation. Leider hindert uns diese rasante Entwicklung meist daran, über unsere wirkliche Bestimmung und Zukunft nachzudenken. Man kann die Technik perfektionieren, die Medizin revolutionieren, die Kenntnisse über das unvorstellbar weite All oder die kleinsten Teile erweitern.

Dennoch stösst man immer wieder an eine unverrückbare Grenze: Alle müssen einmal sterben. Wenn man sich die Mühe nimmt, über die Frist, die uns gesetzt ist, nachzudenken, bekommt die religiöse Botschaft wieder die ganze Bedeutung und die volle Kraft.

In Ihrem letzten Buch «Auf der Suche nach dem Paradies» schreiben Sie, dass sich Christen das Paradies heute anders vorstellen als früher. Verhält es sich ähnlich mit der Geburt von Jesus? Hat sich einfach die Wahrnehmung dieses Ereignisses verändert?
Viel weniger als bei den Paradies-Vorstellungen! Der Ausdruck Emmanuel (Gott mit uns) bezieht sich übrigens ganz besonders auf das Weihnachtsfest. Christen glauben, dass Gott wirklich zu uns gekommen ist. An dieser Überzeugung hat sich über die Jahrhunderte nichts verändert.

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von «Viertelstunde für den Glauben» zur Verfügung gestellt.

Zum Thema:
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Datum: 23.12.2011
Quelle: viertelstunde für den Glauben

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