An Pfingsten erlebt

Sensation in Jerusalem

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Die Überraschung der Bevölkerung und der Festbesucher war perfekt. Eigentlich hatte man mit einem ruhigen Pfingstfest gerechnet, nach den Turbulenzen um die Festnahme und Hinrichtung des religiösen Unruhestifters Jesus von Nazareth.

Es gab auch keinen Grund, neue Unruhe zu erwarten, war doch die Anhängerschaft des Nazareners praktisch untergetaucht, obwohl da und dort durchgesickert war, dieser Jesus sei wieder auferstanden und nach einigen Tagen zum Himmel aufgefahren. Das politische und wirtschaftliche Leben nahm seinen gewohnten Gang, und auch das religiöse Leben schien wieder ungestört abzulaufen. Das war wichtig, denn am Pfingstfest war der Jerusalemer Tempel Anziehungspunkt für Tausende religiöser Touristen aus zahlreichen Ländern.

Banges warten

Rund 120 Jüngerinnen und Jünger hatten sich auch am Pfingstmorgen zusammengefunden. Man tauschte Erinnerungen aus, betete aber auch viel und wartete auf den «Heiligen Geist», den Jesus versprochen hatte, den man sich aber nicht so recht vorstellen konnte. Er sollte wie ein unsichtbarer Stellvertreter des Auferstandenen wirken und die Jesus-Gläubigen an Worte und Taten des Meisters erinnern. Aber wie?

Mag sein, dass die Jünger hofften, dieses Kommen werde nicht allzu spektakulär ausfallen, denn manche wollten lieber nicht schon wieder die religiösen und politischen Behörden provozieren. Was daraus werden konnte, hatte man mit der Hinrichtung von Jesus nur allzu eindrücklich erfahren.

Gar nicht diskret

Doch Diskretion ist an diesem Tag nicht die Absicht des Geistes Gottes. Im Gegenteil. Das Kommen des Heiligen Geistes beginnt mit einem ohrenbetäubenden Tosen, das der Berichterstatter heute wohl mit dem Start eines Jumbo-Jet vergleichen würde, hätte es ihn damals gegeben. Nicht nur der Lärm dieser göttlichen Heimsuchung irritiert, sondern da bricht auch eine visuelle Erscheinung ein, die der Reporter Lukas mit «Zungen wie von Feuer» beschreibt, die sich auf die einzelnen Jesus-Gläubigen niederlassen.

Und nun ereignet sich ein weiteres Phänomen: Die Betroffenen beginnen, sich in für sie unverständlichen Sprachen zu äussern. Sie predigen in Elamitisch, Persisch Griechisch und so weiter die kürzlichen «Taten Gottes». Die Irritation bei den vom Lärm angezogenen und glotzenden Zuhörenden ist wiederum total. Wie kommen diese ungebildeten Jesus-Anhänger dazu, unsere Sprachen zu sprechen? Wir verstehen sie ja akzentfrei sogar in unserem Dialekt!

Mindestens 15 Sprachen werden registriert. Man sucht nach Erklärungen. Doch andere regen sich bloss auf, da sie nur Kauderwelsch verstehen und spotten über diese «Besoffenen».

Eine historische Predigt

Als es ruhiger wird, findet als erster – wie meistens – der ehemalige Fischer Petrus seine (aramäische) Sprache wieder und beginnt spontan mit einer Ansprache, die in die Geschichte eingehen wird. Sie ist kraftvoll und überzeugend: «Hört her, ihr jüdischen Männer und ihr Einwohner von Jerusalem. Ich will euch erklären, was hier geschieht. Diese Männer sind nicht betrunken, wie einige von euch meinen. Es ist ja erst neun Uhr morgens. Nein, hier erfüllt sich, was der Prophet Joel vorausgesagt hat. Bei ihm heisst es: 'In den letzten Tagen, spricht Gott, will ich allen Menschen meinen Geist geben. Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingebung reden, eure jungen Männer werden Visionen haben und die alten Männer bedeutungsvolle Träume. Allen Männern und Frauen, die mir dienen, will ich meinen Geist geben, und sie werden in meinem Auftrag reden.»

Nach dieser theologischen Rückschau stellt Petrus das Ereignis in den Zusammenhang mit dem Tod und der Auferstehung von Jesus: «Diesen Jesus hat Gott auferweckt und damit die Macht des Todes gebrochen. Wie hätte auch der Tod über ihn Gewalt behalten können!»

Petrus wagt sich noch weiter hinaus: «Wer dann den Namen des Herrn anruft, soll gerettet werden.»

Geburt der Kirche

Die Predigt wirkt. Wie ein «Stich ins Herz» trifft sie viele Zuhörer. Doch Zwischenrufe aus dem Publikum fordern mehr Klarheit: «Brüder, was sollen wir tun?»

Und Petrus bleibt ihnen die Antwort nicht schuldig: «Ändert euch und euer Leben! «Wendet euch Gott zu!» fordert sie Petrus auf. «Lasst euch auf den Namen Jesu Christi taufen, damit euch Gott eure Sünden vergibt und ihr den Heiligen Geist empfangt. Das alles ist euch, euern Nachkommen und den Menschen in aller Welt zugesagt, die der Herr, unser Gott, in seinen Dienst berufen wird.»

Das Resultat ist überwältigend: Rund 3000 Menschen gehen auf diesen Aufruf ein und werden «Christen», wie man sie später nennt. Die christliche Kirche ist geboren.


Zu Pfingsten finden Sie eine Auswahl weiterer Texte. Stöbern Sie auch im Dossier zu Pfingsten.

Buch zum Thema:
Der unterschätzte Gott. Den Heiligen Geist entdecken



Quelle: Jesus.ch

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