Die Folgen von Ostern

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Es war zur grossen Zeit der Gewerkschaft Solidarität in den 80er Jahren in Polen. Der deutsche Arbeitsminister Norbert Blüm stand mit dem Gewerkschaftsführer und späteren Staatspräsidenten Lech Walesa vor einer riesigen Menschenmenge und rief in die Mikrophone: „Karl Marx ist tot! Jesus lebt!“

Recht hat er. Aber was heisst das? Manche Theologen sehen im Ostergeschehen nur den Impuls, die Sache Jesu weiterzuführen. Aber man muss schon ein hemmungsloser Optimist sein, um damit Hoffnung zu verbinden. Die biblischen Osterberichte betonen, dass Jesus echt auferstanden ist. Leibhaftig. Wer das begreift, dem öffnen sich ungeahnte Perspektiven.

Wenn er auferstanden ist …

Wenn Jesus lebt, dann sind die Toten nicht unwiederbringlich tot, dann ist die Todesgrenze ein für alle Mal überschritten, und es gibt auch „auf der anderen Seite“ Leben.

Wenn Jesus lebt, dann müssen sich die Grossen der Weltgeschichte nicht mehr als die Grössten aufspielen, weil es nur einen gibt, der letztlich das Sagen hat. Er allein wird einmal alle zur Rechenschaft ziehen.

Wenn Jesus lebt, dann stehen die Politiker trotz aller Probleme nicht vor ausweglosen Situationen. Dann gibt es einen, der immer noch mehr weiss, bei dem alle „Schätze der Weisheit verborgen sind“.

Wenn Jesus lebt, dann müssen auch Leitungsgremien nicht mehr so tun, als hinge das Schicksal ihrer Kirchen, Gruppen und Werke von ihnen ab. Dann gilt auch ihnen die Zusage, dass Jesus alle Tage bei uns ist – pausenlos und unbefristet.

Wenn Jesus lebt, dann hat alles, was wir tun, nur einen vorläufigen Charakter. Der Zwang, Vollkommenes schaffen zu müssen, ist gebrochen, denn die neue und vollkommene Schöpfung kommt von Gott.

Bitte entkrampfen

Was für eine Entkrampfung für alle Macher und Verantwortungsträger! Und doch gibt es so viele verängstigte Christen, die ihren Glauben zur privaten Innerlichkeit machen und sich im öffentlichen Leben nicht zu ihm bekennen. Warum bringen wir die Welt der „Tagesschau“ und die Herrschaft Gottes so schwer zusammen? Weshalb denken wir so klein von Gott und kapieren nicht, dass er „der Herr aller Herren“ ist?

Ohne Ostern stirbt das mutige Handeln der Christen. Wer Jesus auf dem Friedhof lässt, verehrt vielleicht den grössten Toten aller Zeiten; den lebenden Jesus Christus, dessen Macht ohne Grenzen ist. Nein, ich rede jetzt nicht den Theologen, die mit der leibhaftigen Auferstehung von Jesus Christus nicht viel anfangen können. Ich meine jene Frommen, die den auferstandenen Jesus in die Welt dogmatischer Lehrsätze und Glaubensbekenntnisse einschliessen und nicht begreifen, dass Jesus auch in der Welt des Mikro- und Makrokosmos, der Mathematik und Naturwissenschaft zu Hause ist. Warum nur suchen wir den Lebenden immer noch bei den Toten?

Was könnte in diesem Land geschehen, wenn allein die, die an die Auferstehung von Jesus Christus glauben, tatsächlich damit Ernst machten – ganz praktisch und alltagsbezogen?! Wir brauchen Menschen, die dem lebendigen Jesus ungebrochen ihr Vertrauen schenken – sei es in Werkstätten, Chefetagen oder Plenarsälen. Nicht die kleine Zahl der Christen ist das Kernproblem des geringen Einflusses der christlichen Gemeinden in diesem Land, ihre ängstliche Zurückgezogenheit ist es. Wer das begreift, lebt anders.

(leicht bearbeitet durch Jesus.ch)

Datum: 29.03.2002
Autor: Peter Strauch

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