Erlebt

Ein Professor erlebt die Auferstehung

Ich hatte immer gehofft, ein Christ zu sein. Aber vor dreissig Jahren spürte ich, wie ich eine richtige Kreuzigung erlitt. Ich war aller meiner Kräfte beraubt, im Innersten gelähmt und kam doch wieder zum Leben als ein veränderter Mensch. Was mich rettete, war, dass ich auf das grösste Ereignis im Leben Jesu zurückblicken und meine kleine Verfinsterung in seinem grossen Leiden erkennen konnte. Das machte mich fähig, in vollem Glauben auf die Auferstehung zu warten, der Kreuzigung in meinem eigenen Erleben zu folgen. Seitdem schien es mir immer töricht, an der historischen Wirklichkeit der ursprünglichen Kreuzigung und Auferstehung zu zweifeln.

Die Kreuzigung ist der Ursprung meiner Verdienste, sie ist die grosse Entscheidung, von der her alle Vorgänge ausgehen, die für mein inneres Leben von grösster Wirklichkeit sind, und meine erste Antwort auf unsere Tradition ist ein Dankwort für die Quelle, die meinen Bezugsrahmen im Alltagsleben bildet. Von da aus leuchtet mir unsere Zeiteinteilung: vor Chr. und nach Chr. ein. Etwas Neues kam damals ins Sein, nicht ein Mensch als Teil der Welt, sondern der Mensch, der der Welt Himmel und Hölle, Körpern und Geistern Sinn gibt. Wenn eine Braut den Namen ihres Ehemanns empfängt, ist ein neues Reich geschaffen, auf das alle ihre Taten bauen. Ebenso treten wir in Seinem Namen in ein Reich der Freiheit, das blossen Erben unbekannt bleibt.

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Prof. Dr. Eugen Rosenstock-Huessy

Kreuzigung und Fortschritt

"Der Fortschritt hängt ab von denen, die sich auf etwas festnageln lassen; ziemlich oft an ein Kreuz."

Abscheuliches Christentum?

"Nur dann, wenn ich mit dem Aufgefahrenen unzertrennbar zusammengehöre, gegen alle Philosophien, Mythen und theologischen Hörsalldiskussionen 'über' ihn, nur dann ist das Christentum nicht etwas Abscheuliches."

Den Tod hinter sich

"Der Christ hat das Ende der Welt, seiner Welt, hinter sich; Anfang und Ende haben ihre Plätze gewechselt. Der natürliche Mensch in mir beginnt heidnisch in der Geburt und durchlebt die Zeit vorwärts zum Tod hin. Der Christ in mir beginnt lebt in der gegensätzlichen Richtung: vom Ende seines Lebens in einen neuen Anfang hinein. Im Überleben des Todes sieht er den ersten Tag der Schöpfung wieder vor sich. Er steigt aus dem Grab seines eigenen Selbst in die Offenheit einer wirklichen Zukunft. ... Nur der ist ein wirklicher Mensch, der seine Welt überleben kann."

Gekreuzigte Wahrheit

"Die Wahrheit ist etwas Größeres als das, mit dem sich die meisten Menschen zufriedengeben. Oft wird große Wahrheit gehaßt und gekreuzigt."

Ostern dringt in die Welt

"Ohne den christlichen Glauben gibt es keine wirkliche Zukunft für die Menschen. Zukunft bedeutet Neuheit, Überraschung; bedeutet Herauswachsen aus alten Gewohnheiten und dem, was bisher erreicht war."

Vom Bankrottgehen

"Nur durch diesen großen Schrei 'Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen' wurde Jesus unser Bruder. Denn jeder von uns ist zu Zeiten bankrott."

Datum: 28.03.2002
Autor: Eugen Rosenstock-Huessy
Quelle: Des Christen Zukunft oder Wir überholen..

Glaubensfragen & Lebenshilfe

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