Woher kommen die Osterbräuche?

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Unbestritten ist Ostern das größte christliche Fest. Sein deutscher Name Ostern und der englische Name easter sind etwas Besonderes. In den meisten anderen Kirchen und Kulturen der Welt wird das Fest Passah genannt. Vieles im österlichen Brauchtum erscheint uralt, manche Deutungen und Interpretationen des Brauchtums sind irreführend.

Ostern bezeichnet die Festzeit vom Ostersonntag bis Pfingsten. Die Ableitung des Namens von einer angeblichen Göttin Eostre oder Ostara ist unbegründet. Einziger Gewährsmann dafür war Beda Venerabilis, ein englischer Mönch und Schriftsteller (674-735), der damit versucht, den Namen "Ostermonat" zu erklären. Es handelt sich schon bei ihm um eine bloße sprachwissenschaftliche Spekulation. Denn in keinem Monatsnamen steckt ein Göttername.

Das "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens" kam in seiner Ausgabe von 1935 (!) zu dem wissenschaftlichen Schluß: "Wenn schon eine angelsächsische Eostra auf schwachen Füßen stand, hielt die Forschung erst recht eine deutsche Göttin Ostara für nicht nachweisbar." Die Bedeutung des Wortes Ostern Für die Deutung des Wortes Ostern für das christliche Hauptfest in der deutschen und englischen Sprache können heute ernsthaft nur Erklärungen herangezogen werden, die vom christlichen Hintergrund des Festes ausgehen: Entweder kommt Ostern schlicht von angelsächsisch eastron, das die Morgenröte bezeichnet, mit der die Osternacht endet und das Fest beginnt; oder eastron sollte eine Übersetzung der "Weißen" Woche oder der weißen Tage (hebdoma alba oder diei albae) sein, der "Osterwoche", in der die Neugetauften in ihren weißen Osterkleidern in die Kirchen kommen mußten; neuerdings aber hat der Göttinger Sprachwissenschaftler Jürgen Udolph "Ostern" hergeleitet vom altnordischen "austr" = begießen und damit vom zentralen Tun der Kirche bei diesem Fest, dem Taufen, das seine Spuren u.a. auch in den Bräuchen um das Osterwasser hinterlassen hat.

Was zu Ostern gehört

Festcharakter und Festbrauch sind vor allem von der Verkündigung des christlichen Hauptfestes bestimmt, die sich ausdrückt in der liturgischen Gestaltung des Festes einschließlich seiner Vorbereitungszeit sowie in den gelesenen alttestamentlichen Texten und den Festevangelien. Von daher lassen sich als Kernbestandteile des Osterfestes festhalten:

1. Eine 40tägige Buß- und Fastenzeit zur Vorbereitung auf Taufe oder
Wiederaufnahme in die Kirche mit strengem Fasten, das auch Eierspeisen und z.T. Milchprodukte einschloß. Eine Nachtfeier mit Lichtsymbolik (Exodus 13, Feuersäule, Christus das Licht der Welt).

2. Taufen nach Vorbereitungszeit, festgemacht u.a. an Exodus 14 (daraus ergeben sich dann verschiedene Bräuche um das Wasser).

3. Eine Morgenfeier mit anschließendem Fastenbrechen, Speisensegnung einschließlich Eierweihe,Osterlamm (Genesis 22, Exodus 12, Passionsgeschichte).

4. Acht Tage Ostern (Joh. 20, 19-29) ("Weiße Woche").

5. Eine 50tägige Festzeit (bis Pfingsten = "50 Tage").

Alle heutigen Osterbräuche sind aus den Riten dieser Festzeiten abgeleitet.

Gesegnete Eier

Während des Fastens vor Ostern - in einer guten Legezeit der Hühner - waren Eier reichlich angefallen. Sie wurden aufgehoben und konserviert als Soleier (in Salzlake) oder in kühlender Erde und Sägespänen. Am Ende der Fastenzeit wurden die Eier - wie heute noch in orthodoxen und römisch-katholischen Kirchen - in den Ostergottesdienst gebracht und in einer besonderen Zeremonie gesegnet.

Die zu Ostern in der Kirche gesegneten Eier waren hartgekocht und gefärbt. Zusammen mit dem Osterfladen und der Osterbutter wurden sie endlich zum Fastenbrechen gegessen. Durch die byzantinischem Brauch folgende Färbung (in Deutschland existiert diese Sitte spätestens seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts) ließen sich die gesegneten Eier von den ungeweihten unterscheiden. Als Farbe wurde zunächst nur Rot benutzt. Deshalb bedeutet "rote Eier" in manchen Gegenden Deutschlands bis heute "bunte Ostereier" -auch in anderen Farben. Seit vielleicht achthundert Jahren gibt es bei uns solche "Ostereier".

Auch das "Eierpecken" ist keine deutsche oder germanische Erfindung. Mit dem Ruf "Christus ist auferstanden" schlägt man bis heute bei den serbisch-orthodoxen Christen die Ostereier gegeneinander. Wer es schafft, das Ei des anderen zu knacken, darf es aufessen. Das Ei, das als das härteste übrig bleibt, hebt man da und dort bis zum nächsten Jahr auf - als Erinnerung an Ostern. Übrigens läßt sich schon in frühchristlicher Zeit das Färben und Verschenken von Eiern in Armenien nachweisen.

Zinseier und Schenkeier

Wie an manch anderem Festtermin, (z.B. an Martini, 11. November) wurden auch zu Ostern (genauer: am Gründonnerstag) Zins- und Pachtzahlungen für Grund und Boden fällig, die nach altem Brauch unter anderem auch in Eiern erstattet wurden. Auch andere Zahlungen erfolgten an Ostern in Naturalien -was kleine Leute in kleiner Münze, nämlich ebenfalls in Form von Eiern erledigten. In der Bedeutung des zu Ostern abzuliefernden Zinseies läßt sich das Wort Osterei im Deutschen seit dem 15. Jahrhundert nachweisen. (Im Niederdeutschen gibt es auch noch die Bezeichnung Paskeier von Passah = Ostern).

Zugleich waren Zinstage stets auch Heischetage, also Zahltage und Unterstützungstage für Gesinde und Arme, die das Recht, darum zu bitten, zum Teil aber sogar Anspruch auf die betreffenden Leistungen hatten. Auch diese Leistungen erfolgten in Naturalien, unter anderem in Form von Eiern und Gebäck. Als die Naturalabgaben durch Geldzahlungen abgelöst wurden, erhielten sich die Bräuche als Geschenkbräuche vor allem für Kinder, die besondere Eiergeschenke von ihren Taufpaten erhielten.

Eiersuchen

Das Eiersuchen selbst hat keinen besonders tiefen Sinn, sondern ist, wie jede Bäuerin weiß, eine der täglichen "Freuden" und Pflichten bei artgerechter Hühnerhaltung. Daß man nun auch besonders die frischen Eier zur guten Verwendung sucht und sammelt, ist klar. Daß den Kindern die Eier versteckt werden, ist Ausdruck der städtischen, frühbürgerlichen "kindgemäßen" Ausgestaltung des Festes.

Bedeutung der Ostereier

Eier haben in vielen Kulturen symbolische Bedeutung: als Frühlings- und Fruchtbarkeitssymbol. Das Christentum kennt das Ei aber zunächst aus der jüdischen Sedermahlzeit an Passah, wo ein Teller auf den Tisch gestellt wird mit Kräutern, Nüssen, Äpfeln, Gemüse, Geflügelfleisch und einem hartgekochten Ei. Eigentlich ist das Ei in diesem Zusammenhang ein Zeichen der Trauer. Jedoch bot es sich auch zu allegorischen Deutungen auf die Auferstehung Christi an; es ist ja auch ein Lebenssymbol. Als "rotes Ei" wurde es zum Zeichen für den auferstandenen Christus und sein Blut. So wurde es auch zum Bestandteil des Osterbrauchtums - erst in den orthodoxen Kirchen Griechenlands, Rußlands, Serbiens, dann seit dem 12. und 13. Jahrhundert auch in Deutschland. Interessant ist, daß sich der Brauch um die gefärbten Ostereier besonders bei den Sorben in der Lausitz und im Spreewald in Sachsen und Brandenburg erhalten und ausgeweitet hat. Der einst nur sorbische Brauch, die zum Kuchenbacken ausgeblasenen, dann bemalten Ostereier an Zweige zu hängen, ist inzwischen über ganz Deutschland verbreitet, wobei inzwischen auch bunte Plastikeier verwandt werden.

Osterfeuer

Die Osternacht ist die Nacht des Lichtes. In der Kirche waren alle Lichter am Gründonnerstag gelöscht worden. Ostern erscheint das Licht neu. Dabei wird angeknüpft an Genesis 1: Gott schafft Licht, an Exodus 13: Gott, weist seinem Volk in der Feuersäule auch in der Dunkelheit den Weg, an Christus als das Licht der Welt. Vor der Kirche wird ein Feuer entzündet, möglichst aus Stein geschlagen. Daran wird die Osterkerze entzündet, mit der Licht in die Kirche gebracht wird. Dreimal ziehen die orthodoxen Christen mit dem Osterlicht um ihre Kirche oder den ganzen Häuserblock, bevor sie mit dem Licht in die Kirche einziehen. In der alten Liturgie der Heiligen Osternacht heißt es: "Dies ist die Nacht, die das Dunkel der Sünde durch das Leuchten der Feuersäule verscheucht hat. Dies ist die Nacht, die heute auf der ganzen Erde alle, die an Christus glauben, den Lastern der Welt und der Sündennacht entreißt, der Gnade zurückgibt, den Heiligen einreiht. Dies ist die Nacht, in der Christus die Bande des Todes zerriß und siegreich vom Grabe erstand. ... Dies ist die Nacht, von der geschrieben steht: ‚Nacht wird lichthell wie der Tag ',‚Finsternis ist wie das Licht'!"

Zahlreiche Feuerbräuche schließen sich hier an. Geblieben ist davon in den meisten evangelischen Kirchen nur die Osterkerze, die dann das ganze Jahr über als Taufkerze dient. In den evangelischen Gebieten haben sich die Osterfeuer verselbständigt und werden heute oft von weltlichen Vereinen - oft praktischerweise von der Freiwilligen Feuerwehr - veranstaltet und ausgerichtet. Daß man zu einem Osterfeuer auch allerhand dürres Holz aus dem Winter benutzt, leuchtet ein. Daß es - möglicherweise - auch "germanische" Winterschlußfeuer gegeben hat, wird vermutet, ist aber für den Ostertermin nicht erwiesen.

Osterlamm und Osterfladen

Das Verspeisen eines Osterlammes gehört zu den Osterbräuchen, die direkt aus dem jüdischen Passahbrauchtum kommen. Biblischer Bezug ist das 12. Kapitel des Exodus (2. Buch Mose), wo die Geschichte aufgezeichnet ist, wie das Blut der Passahlämmer ein Schutzzeichen für die Häuser der Kinder Israel in Ägypten gewesen ist, damit der Todesengel an ihren Wohnungen vorübergeht. "Auch wir haben ein Passahlamm, das ist Christus, der geopfert ist" (1. Kor. 5,7) und dessen vergossenes Blut uns schützt. Das Opferlamm ist für die Christen aber von Anfang an auch das Siegeslamm (Offenbarung 14,1 ff, 22,3 u.a.). Berichtet wurde noch in diesem Jahrhundert davon, daß man im östlichen Böhmen reisefertig angezogen, in Hut und Mütze, mit einem Wanderstock in der Hand das Osterlamm esse - fast wie bei einer jüdischen Passah-Mahlzeit.

Wer sich kein Lamm zu Ostern leisten konnte, wollte wenigstens ein aus süßem Teig gebackenes Osterlamm haben oder einen Osterfladen, gelegentlich auch mit einem eingebackenen Osterei. Und wenn Jesus das wahre Osterlamm und das Himmelsbrot ist, dann ist dies ja eine richtige Veranschaulichung. Abendmahlsdarstellungen zeigen, daß Osterlamm und Abendmahlsbrot zusammengehören. Luther konnte dichten: Hie ist das rechte Osterlam / Davon Gott hat gebotten / Das ist an des creutzes stam / In heisser lieb gebraten: Deß blut zeichnet unser thür / Das helt der glaub dem todte für / Der würger kan uns nit rühren / Halleluja. Wir essen und leben wol / In rechten osterfladen / Der alte sawerteig nicht sol / Seyn bey dem wort der gnaden / Christus wil die koste sein / Und speisen die seel allein / Der glaub wil keins andern leben / Halleluja.

Ostermontag

Der Ostermontag ist der letzte Rest der einst ganz arbeitsfreien Osterwoche (Osteroktav: Festwoche von Ostersonntag bis Quasimodogeniti). In Anlehnung an das Osterevangelium von den Emmausjüngern (Lukas 24, 13-35) macht man am Ostermontag die ersten Ausflüge ins Grüne, früher auch zu Waldkapellen, benachbarten Kirchen usw. ("Emmausgang").

Osterwasser

Zweimal im Jahr wurden in der Frühzeit des Christentums Erwachsene getauft:
vor allem zu Ostern und auch noch einmal zu Pfingsten. Sichtbar geweiht wurde das Wasser in der Osternacht durch das Kreuz oder durch die Osterkerze. Christlicher Brauch hat die "zuerst" Getauften für besonders begnadet gehalten. Das hierfür gesegnete Wasser galt als besonders wirkmächtig und wurde gern auch nach Hause mitgenommen, um denen, die nicht in der Kirche dabei waren, den Segen mitzuteilen. Allerhand Wasserbräuche (Osterwasser, Weihwasser) haben sich später angeschlossen; selbst wenn manche dies heute als abergläubisch bewerten, sind diese Wasserbräuche aus christlichem Taufbrauch, nicht aber aus dem Heidentum hervorgegangen.

Datum: 24.06.2010
Autor: Thomas Gandow
Quelle: idea Deutschland

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