Experten warnen

Latte bei guten Vorsätzen nicht zu hoch hängen

Rauchen aufhören? Weniger Bier trinken? Mehr Obst und Gemüse essen und häufiger Joggen gehen? Gute Vorsätze für das neue Jahr gehören für viele zur Silvesterparty wie Sekt und Kracher. Laut aktuellem DAK-Gesundheitsbarometer will die Mehrheit der Deutschen im neuen Jahr 2009 weniger Stress, mehr Zeit für die Familie oder sich selbst und mehr Sport treiben.

Andere wollen abnehmen, sich gesünder ernähren, weniger fernsehen, weniger Alkohol trinken und das Rauchen aufgeben.

"Ich halte die Tradition der guten Vorsätze für unbedingt notwendig", sagt der Volkskundler Andreas Hartmann von der Universität Münster. Der 31. Dezember sei ein Datum, das Ordnung und Orientierung verschaffe. Das Ende eines Jahres und der Beginn eines neuen Jahres vermittelten die Vorstellung eines Neuanfangs. Hinzu komme ein "Register der guten Vorsätze", das meist auf dem klassischen Tugendkatalog des Christentums aufbaue, so Hartmann. "In vielen Menschen schlummert der Wunsch, von einem sündigen Verhalten abzulassen und umzukehren."

Ernst gemeint

Und weil es laut Hartmann bei den guten Vorsätzen zum Jahreswechsel einen kulturellen und gesellschaftlichen Konsens gibt, geht man nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit der Umwelt einen Vertrag ein, sobald man den Vorsatz formuliert. Daher sei ein Bruch des Vertrags sowohl ein Betrug an sich selbst - und an den anderen.

Dass es viele Menschen mit den Vorsätzen wirklich ernst meinen, zeigt die DAK-Befragung: Jeder zweite Deutsche bleibt seinen guten Vorsätzen im Jahresverlauf auch wirklich treu - zumindest nach Auskunft der Befragten.

Biblisch begründbar

Der evangelische Augsburger Theologe Waldemar Pisarski erläutert, die Tradition der guten Vorsätze könne durchaus biblisch begründet werden, getreu dem Motto: "Suche das Gute und jaget ihm nach." Doch viele Menschen legten die Latte zu hoch: "Wenn ich bisher ausbeuterisch mit mir selbst gelebt habe und dann denke, dass 2009 alles besser wird - das geht nicht so einfach."

Viele Menschen hielten dann bis Februar durch, doch dann komme der Rückfall in alte Gewohnheiten. "Die Menschen rauchen und trinken wieder - und fühlen sich als Versager." Besser wäre es, rät der Seelsorger, dem Satz von Antoine Saint-Exupéry zu folgen: "Gott lehre mich die Kunst der kleinen Schritte." Denn man dürfe sich ruhig auch an den kleinen Erfolgen freuen. Anders sei es natürlich, so Pisarski, wenn eine Sucht vorliege. Dann müsse man grundsätzlich ran, und dann helfe nur der "klare Schnitt".

Schrittweise Veränderung

Dem stimmt auch Marita Völker-Albert, Sprecherin der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung in Köln, zu. Man könne sein Verhalten schrittweise ändern, wenn es um eine gesündere Ernährung oder mehr Bewegung gehe. Von Crash-Diäten und Extremsport als gutem Vorsatz hält die Expertin jedoch ebenso wenig wie von dem Entschluss, aus einer Silvesterlaune heraus mit dem Rauchen oder dem Trinken aufhören zu wollen. "Es bringt gar nichts, sein Verhalten innerhalb von 14 Tagen ändern zu wollen." Konkrete Schritte könnten auch ein paar Tage nach Silvester beschlossen werden.

Link zum Thema: Das Dossier zum Jahreswechsel

Datum: 29.12.2008
Quelle: Epd

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