Simson Junior und der rätselhafte Pharao – Teil 3

Zoom
Diesmal helfen die Verstecke der Natur wenig: Simson gerät in die Falle (Bild: pdphoto.com).
"Simson Junior und der rätselhafte Pharao" ist eine Fantasy-Geschichte, die sich an die biblische Person Simson anlehnt (nachzulesen in der Bibel, Richter, Kapitel 13-16). Lesen Sie hier den dritten Teil der Geschichte.

Die weiteren Teile der Geschichte finden Sie hier.

Simson rannte den gleichen Weg zurück. Als er sich dem Hügel näherte, hinter dem das Lager war, wurden seine Schritte langsamer. Er huschte von einer Deckung zur anderen, ging nun gebückt und glitt bald ganz hinab ins Gras der Savanne, unsichtbar für jeden Beobachter.

Robbend bewegte er sich durch die wogenden Halme. Jeden kleinen Vorteil, den ihm das Gelände bot, nutzte er zum Anschleichen; einen Kapernstrauch hier, einen Maulbeerbaum dort – immer darauf bedacht, auf keinen Fall von vorne wahrgenommen zu werden. Simson wusste, man würde ihn nicht entdecken. Er hinterliess keine Spur. Die Landschaft hatte ihn regelrecht verschluckt. So ausgefeilt ihr Plan jener Verschwörer auch sein mochte – im Feld war er ihnen überlegen.

Wo war er gelandet?

Als Simson wieder zu sich kam, fand er sich an eine mächtige Eiche gefesselt. Schon brach die Dämmerung über das Land herein und beraubte die Sonne ihrer Strahlen. Simson bemerkte rasch, dass dies nicht der Ort war, an dem er erst vor Stunden die Aufständischen belauscht hatte. Dieser Platz hier war ihm fremd.

Mehrere Stunden musste er bewusstlos gewesen sein. Langsam kehrte seine Besinnung zurück. Sein Hinterkopf schmerzte, und die mächtigen Fesseln gruben sich tief in seine Handgelenke. Auf dem Rücken hatte man sie ihm zusammengeschnürt und mit seinem eigenen Körper an den Baum gepresst. Ein zweifach gewundener Strick lief über seinen Oberkörper und um die ganze Eiche. Er konnte sich kaum bewegen. Auch seine Füsse waren gebunden. Bequem hatte man es ihm ganz offensichtlich nicht machen wollen.

In der Falle

Rund ein Dutzend Männer hielt sich in dem Camp auf. Das Feuer in der Mitte brannte auf kleiner Flamme. Rechts neben ihm erhob sich eine Felswand. Das niedrigen Flammen warfen ihren matten Schein auf die Steine. Die ganze Szenerie hatte etwas Unwirkliches.

«Er ist aufgewacht», meinte ein rauher Kerl spöttisch. Ein Mann trat links von Simson aus dem Schatten. Unmerklich für den Jungen hatte er sich dort aufgehalten. Mit forschen Schritten kam er auf ihn zu. Simson erkannte ihn sofort: Rahmos.

«Na, mein Junge, du wolltest uns wohl belauschen!» Rahmos schaute ihm tief in die Augen und schob sein Kinn bedrohlich weit vor.

«Nein. Ich war einfach in der Gegend; ein Schaf hatte sich verlaufen ...» versuchte Simson rasch zu entgegnen.

«Ein Schafhirte, der ohne Stock daherkommt, schnurstracks auf unser Lager zu ...» Rahmos blockte die klägliche Ausflucht Simsons ab. «Du warst du zur falschen Zeit am falschen Ort, Bürschchen», drohte der Anführer. Auf Gnade konnte Simson bei ihm nicht hoffen.

Wer ist der Verräter?

«Wie habt ihr mich entdeckt?» fragte Simson halblaut und mehr an sich selbst gewandt.

«Nun, du wurdest verraten.» Rahmos grinste schelmisch und klatschte Simson mit den Händen auf die Schulter; gerade so, als begrüsste er einen guten Freund. Höhnisch lachend verschwand die finstere Gestalt wieder in der Dunkelheit. Rahmos war stolz auf den Fang, der ihm da ins Netz gegangen war.

Simson glaubte sich verhört zu haben. – Verraten? Das war nicht möglich. Von wem? Ausser Margalit hatte noch niemand gewusst, dass er die Spur wieder aufnehmen würde, und dieses Mädchen hätte ihn niemals preisgeben.

«Das war ich», zischte eine Stimme zu Simsons Rechten. Sein Kopf schnellte auf diese Seite. Doch dort war niemand zu sehen.

«Wer ist da?» entfuhr es Simson.

«Ich», zischte es wieder von der Seite. Jetzt erkannte der Junge eine schmale Kluft in dem Felsen. Wer daraus sprach war – eine Schlange.

Nur noch widerlich

Ihre geschmeidige Haut war überzogen von einer dunklen Maserung, wie er sie noch nie bei so einem Tier gesehen. Seine ganze Oberfläche war davon durchdrungen. Die Zeichnung lieferte schemenhafte Bilder ohne Sinn. Sie schienen sich zu bewegen und gaben dem seltsamen Wesen eine spukhafte Erscheinung.

Simson wusste nicht, ob er fasziniert oder angewidert sein sollte. Er hatte noch nie so etwas gesehen. Abgrundtiefe Schwärze wechselte sich ab mit einem Grün, das zu allem anderen als einer Tarnung dienen mochte. Die Augen des sprechenden Tieres leuchteten gelb und schwarz. Die Flammen des Lagerfeuers spiegelten sich darin, als sie weiter aus ihrem Versteck hervorkroch und einen Teil ihres Körpers Simson entgegenstreckte. «Ich habe dich entdeckt», zischte sie.

Die Finsternis erhebt ihr Haupt

Jetzt glitt sie den Felsen hinab, wand sich um hervorstehendes Wurzelgeflecht und kam immer näher an den Gefesselten heran. Es schien, als würde dieses Scheusal alles Licht in seiner Nähe aufsaugen und nicht wieder hergeben. Direkt Simson bäumte es sich auf. Ihr furchterregender Kopf reichte ihm bis auf Brusthöhe, ihre hässlichen gelb-schwarzen Augen schienen zu brennen. Simson fröstelte es.

«Du willst uns in die Quere gekommen. Aber das wird dir nicht gelingen!» Ihr Zischen klang nun noch bedrohlicher. Mehrere Stimmen gleichzeitig schienen aus ihr zu sprechen; ein Chor der Finsternis. Jedes einzelne Wort hallte nach. «Wer bist du?» stotterte Simson. «Wer ich bin?» echote sie. Mit jedem Wort drang gelblicher Atem aus ihren Nasenlöchern. Kalter Schweiss rann Simsons Rücken entlang und netzte sein Gewand vor seinen zusammengebundenen Händen. – «Nun», erwiderte das Biest vieldeutig, «ich könnte deine Glücksfee werden».

Lesen Sie am Samstag Teil 4 des Simson-Junior-Abenteuers.

Datum: 24.10.2007
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Jesus.ch

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Information

Anzeige