Simson Junior und der rätselhafte Pharao – Teil 2

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Simson verkleidete sich als Löwe. Dadurch versetzte er sein Dorf in Angst und Schrecken.
"Simson Junior und der rätselhafte Pharao" ist eine Fantasy-Geschichte, die sich an die biblische Person Simson anlehnt (nachzulesen in der Bibel, Richter, Kapitel 13-16). Lesen Sie hier den zweiten Teil der Geschichte.

Die weiteren Teile der Geschichte finden Sie hier.

Simson war mulmig zumute. Er hatte genug gehört. Vermutlich war er der einzige Aussenstehende, der von diesem düsteren Vorhaben etwas wusste. Aber was konnte er dagegen unternehmen? Auf keinen Fall dürfte er diesen Rebellen in die Hände fallen; die würden keine Skrupel kennen und ihn sofort beiseite schaffen.

Sanft spielte der Wind mit der Baumkrone der Akazie. Ramhos' Bote überprüfte die abgewetzten Sattelriemen seines Pferdes, während Simson ungesehen durch das Savannengras davonglitt, so als wäre er nie dagewesen.

Bald schon hatte er das Bergland hinter sich gelassen, die unbewohnten rauhe Gegend südlich von Eschthaol, einem kleinen Dorf in den Hügeln von Juda. Schnell zurück zu Vater, dachte sich Simson. Erst als er zwei Anhöhen zwischen sich und den ahnungslosen Freischärlern gebracht hatte, lief er aufrecht weiter. Ja, sein Vater würde ihm sicherlich glauben und mit ihm dann einen Armeeposten aufsuchen.

Alleine hätte er keine Chance. Einem Jungen glaubt man solche Verschwörungsgeschichten nie und nimmer. Noch eine Stunde bis in Zorah am westlichen Ende der Hügelkette; dann wäre er daheim. Die Sonne brannte an diesem frühen Nachmittag vom Himmel und presste eine melancholische Hitze aus den zerklüfteten Felsteilen, welche die Savanne da und dort ungefragt unterbrachen. Skorpione tippelten zwischen den windgepeitschten Steinen. Die Luft roch nach trockenem Gras.

Simson war diese Wärme gewohnt und gönnte sich auf seinem Marsch keine Pause. Ein paar Gazellen liessen sich vom vorbeieilenden Jungen nicht aufschrecken. Stellenweise hatte der Trampelpfad gegen die Natur verloren, aber Simson kannte seinen Weg. Es machte ihm nichts aus, in dieser Landschaft auch bei grosser Hitze zu rennen; sehr oft war er schon in der freien Natur umhergestreift. Nur noch eine Hügelkuppe, dann hätte er sein Dorf erreicht. Das Land hier war gepflegt, an einem Südhang hatte man sogar Weingärten angelegt.

Da traf ihn das Wurfgeschoss wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Während er zu Boden fiel, tanzten an diesem Himmel plötzlich ungemein viele weisse Sterne. Benommen blinzelte er den Schatten an, der sich über ihn beugte und ihn diebisch angrinste: "Dich habe ich aber ganz schön erwischt", frohlockte eine aufgeweckte helle Stimme.

"Margalit, bist du nicht mehr ganz bei Trost?", stöhnte Simson, der nicht recht wusste, ob er nun seine Gefährtin anfahren oder anlächeln sollte. Da sprudelte es schon aus dem Mädchen heraus: "Ich hab meine neue Schleuder ausprobiert, selbst gemacht!" Triumphierend hielt sie Simson, der sich matt auf seinen Ellbogen stützt, ihre Wunderwaffe vor die Nase. Sein Schädel brummte. Sie neigte ihren Kopf leicht zur Seite und lächelte ihr überraschtes Opfer mit einem Anflug von Mitleid an. Selbstbewusst stubste sie mit der Schleuder auf seine Brust.

"Lass das", brummte Simson. Aber es liess sich nicht verhindern, dass ein Grinsen über sein Gesicht flog. Die junge Dame lachte. Simson mochte sie; vermutlich mehr als er sich eingestehen wollte. In den vergangenen Monaten war seine Zuneigung merklich gewachsen. Nur anmerken lassen wollte er sich nichts.

Die Spielgefährtin von früher hatte mit einem Mal etwas Anziehendes. Ihre bronzefarbene Haut, ihre langen schwarzen Haare, die zierliche, aber nicht zerbrechliche Figur .... Simsons Blick auf dieses Geschöpf hatte sich eindeutig verändert. Eine kluge, manchmal etwas freche Göre stand da vor ihm. Auch sie war auch eine Pharuda, und dieses Wort gefiel ihr sogar, wie sie meinte.

Ihre Familie gehörte zu den angeseheneren der Gegend. Man hatte ihr sogar einen hebräischen Namen gegeben: Margalit, "Perle". "Jeder deiner Zähne ist ein Margalit", wäre es Simson neulich fast rausgerutscht. Doch er hatte sich dieses Kompliment gerade noch verkneifen können. Wie sie es wohl aufgenommen hätte?

"Hallo, träumst du?" riss sie Simson aus seinen Gedanken und blickte ihn mit ihren dunklen scharfsinnigen Augen an. "Mara ... ", so nannten sie ihre Freunde, "... ich muss dir was erzählen." Sie grinste. "Was denn? Willst du mir Tipps geben, wie ich das Freiwild hier in der Steppe noch besser zu Boden kriege?" Ein Hauch von Überlegenheit in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Dabei hatte ihr die Mutter den Umgang mit Waffen, besonders mit Schleudern, streng verboten. Ihr Vater teilte diese Ansicht, obwohl er insgeheim ziemlich stolz war auf seine schöne energische Tochter.

" Quatsch! Hör mal gut zu. Wir haben bald ein echtes Problem. Es gibt Männer, die unser Land vernichten wollen, ich habe sie gerade belauscht." Simson hatte sich inzwischen wieder gefasst und er Margalit eindringlich an. Diese kicherte aber nur, als hätte er einen Scherz gemacht: "Aber natürlich. Du hast die grossen bösen Männer belauscht, hast ihnen getrotzt und bist dann auf dem Rückweg flugs in den Hinterhalt der kleinen Mara geraten."

Flappsig betonte sie die letzten Worte, verzog das Gesicht und gestikulierte: "Der Aufstieg und Fall meines grossen Simson." Dieser konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Doch er winkte leicht verärgert ab und erzählte er ihr alles. Unschlüssig neigte Margalit ihren Kopf zur Seite. Ob Simson ihr da einen Bären aufbinden wollte? Vielleicht wollte er ihr nun eins auswischen, weil sie ihn eben niederstreckt hatte. Ohnehin scherzte der Gute ja sehr gern und sehr überzeugend.

"Margalit, es stimmt", bekräftigte Simson.
"Und wenn nicht, dann werde ich wieder zum Gespött der Leute", warf das Mädchen ein.
"Ich versprech dir: Wenn es nicht stimmt, stelle ich mich als Zielscheibe für deine Schleuderübungen zur Verfügung", beteuerte er inbrünstig.

Auf so ein Angebot ging Margalit nun natürlich gerne ein; das war das Risiko wert. Insgeheim wünschte sie sich sogar, dass Simson nicht die Wahrheit sagte und er sein Versprechen würde wahrmachen müssen. Ein besseres Trainingsziel als den flinken Simson konnte sie sich nicht vorstellen. Wenn er nun aber die Wahrheit sagte, dann standen die Dinge wirklich schlimm. Die beiden Teenager schwiegen eine Weile. Fliegen summten um sie herum, verspielt wogten die Grashalme im Wind. Aber die beiden waren sehr ernst geworden.

"Wir müssen etwas unternehmen", unterbrach Simson nachdenklich die Stille.
"Ja, aber was?"
"Wir müssen diesen Verbrechern das Handwerk legen." Dann, nach einer kleinen Denkpause, entschlossen: "Du berichtest alles deinen Eltern. Sie müssen das Militär informieren und dann ..."
Mara fiel ihm ins Wort: "Nie und nimmer glauben mir meine Eltern so etwas. Nein, nicht nach der Lachnummer mit dem Löwen im Frühjahr."

Damals hatte Margalit vor ihren Eltern die Erschrockene gespielt und ihnen von einem gewaltigen Löwen berichtet, der in der Nähe sein Unwesen treiben würde. Tatsächlich erblickten einige Dorfbewohner in der Dämmerung das Raubtier, zum Glück in sicherem Abstand. Wochenlang traute man sich abends nicht mehr auf die Felder, und auch tagsüber hatten die meisten stets eine Fackel dabei, um das Raubtier notfalls fortscheuchen zu können.

Irgendwann entpuppte sich dann der Löwe als maskenbewährter Simson. Im Halbdunkel und auf grosse Entfernung hatten die Einwohner von Zorah ihn für ein besonders gefährliches Exemplar des Königs der Tiere gehalten. Margalit hatte gerne mitgespielt bei dem Streich. Wenn sie nun aber erzählen würde, Simson habe in der Gegend Aufständische belauscht - nein, mit viel Verständnis könnte sie da nicht rechnen ...

Das leuchtete auch Simson ein: "Stimmt, in Zorah ist nichts zu machen. Lauf zum Armeeposten in Eschtaol. Die müssen dir einfach glauben. Ich gehe zurück zu der Stelle, wo ich auf diese Typen gestossen bin ... "
"Bist du jetzt übergeschnappt?" polterte Mara entsetzt. "So etwas geht nicht zweimal gut! Die lynchen dich, sobald sie dich gefasst haben. Ausserdem finden die anderen den Hügel besser, wenn du selber sie hinbringst. Es gibt dort Tausende von Hügeln."

"Beruhige dich", meinte er gereizt, auch wenn es ihm gefiel, dass sie sich Sorgen um ihn machte. "Ich halte Abstand zu ihnen, und wenn sie aufbrechen, zieh ich mit und hinterlasse eine Spur, damit die Soldaten nachkommen können. Sie werden ihren Platz sicher bald verlassen."
"Nein, das geht nicht gut", protestierte das Mädchen.
"Ach was, im Anschleichen macht mir so schnell keiner etwas vor. Die bemerken mich nie. Die hatten ja nicht einmal Wachen aufgestellt!"
"Und das findest du nicht seltsam?" entgegnete ihm Mara.

Nun, das war in der Tat ungewöhnlich, daran hatte Simson noch gar nicht gedacht. Doch er wand sich heraus: "Wachen wären bestimmt zu auffällig gewesen. Sie kleiden sich ja auch nicht wie Krieger, sondern wie gewöhnliche Leute. Damit sind sie bereits bestens getarnt. Sie schauen nicht aus wie Verschwörer; eher wie Freunde bei einem Picknick."
"Und nun musst du dich ihnen zum Frass vorwerfen!" konterte Mara.

Simson merkte, dass er gegen ihre Bedenken nur schwer argumentieren konnte. Nach einer Pause meinte er: "Es gibt keinen anderen Weg, ich muss mich an sie halten und Zeichen hinterlegen, damit ihr uns folgen könnt."
"Warum gehen wir nicht gemeinsam zu diesem Armeeposten?" Simson schüttelte den Kopf: "Das dauert zu lange." Ja, damit hatte er wohl recht.
Doch das Mädchen gönnte ihm nicht seinen Triumph: "Was hättest du eigentlich gemacht, wenn wir jetzt nicht ganz zufällig aufeinandergestossen wären? Dann hättest zweigeteilen müssen ..." Sie hatte wieder ihr verschmitztes Lächeln auf dem Gesicht.

Simson schwieg einen Augenblick: "Ich glaube nicht, dass das Zufall war. Das hat Gott so arrangiert."
"Na, dann war meine Schleuder also der verlängerte Arm Gottes", scherzte Mara. Doch sie wusste, jetzt durfte sie ihn nicht aufhalten oder beirren. Simson war Gott geweiht. Das hatte sich im ganzen Dorf herumgesprochen. Ein Engel des Herrn hatte das schon bei seiner Geburt angekündigt.* So etwas geschah nur einmal in hundert und mehr Jahren. Früher oder später würde Simson für die Nation eine wichtige Rolle erfüllen. Er wusste darum. Umso erstaunlicher war es, dass ihm diese Zusage nicht in den Kopf stieg. Für Mara war er einfach der Freund aus der Nachbarschaft. -Ob diese Geschichte, die er ihr erzählt hat, nun schon Teil von Simsons Bestimmung wäre? Und sie gehörte dazu?

* Nachzulesen in der Bibel, Richter 13

Lesen Sie am Donnerstag Teil 3 des Simson-Junior-Abenteuers.

Datum: 25.10.2007
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Jesus.ch

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