Zeuge

Zeugen sind Menschen, die direkte Kunde bringen von Taten Gottes, oder die ihnen unmittelbar Offenbartes mitteilen

Der griechische Ausdruck mártys (davon abgeleitet: Märtyrer) bedeutet einen Menschen, der auf Grund eigenen Augenscheins und Erlebens oder auf Grund einer unmittelbaren Mitteilung seitens eines Menschen sichere Kunde von etwas geben kann.

Der Ausdruck wird auch im Neuen Testament gebraucht von Menschen, die vor einem Gericht zeugen (Matth. 18,16; 26,65; Mark. 14,63; Apg. 6,13 und öfter). In der Hauptsache aber hei­ssen im Neuen Testament »Zeugen« Personen, die direkte Kunde bringen können von Taten Gottes oder die ihnen unmittelbar Offenbartes mitteilen können.

Vor allem heisst Christus der treue Zeuge Gottes (Offb. 1,5; 3,14) als der, der wie kein anderer bei allem dabei war und unmittelbar Offenbartes mitteilen kann.

Der Heilige Geist zeugt von Christus, das heisst, er empfängt es persönlich (jedesmal) von Christus, was er der Ge­meinde durch ihre besonders begabten und berufenen Vertreter mitteilt (Joh. 16,13-15). Darum heisst der Geist der Weissagung das Zeugnis Jesu (Offb. 19,10; 22,16-20): Durch die prophetisch Begabten empfängt die Gemeinde unmittelbare Weisungen und Äusserungen ihres zu Gott erhöhten Hauptes Christus (vgl. die Sendschreiben der Offenbarung).

Die Apostel sind in einzigartiger Weise Zeugen

Die elf Apostel und der nach der Himmelfahrt Jesu hinzuge­wählte Matthias sind Zeugen im einzigartigen Sinn: Sie sind »von Anfang an« mit Jesus gewesen, nämlich seit dem Beginn seiner öffentlichen Wirksamkeit gleich nach der Taufe des Jo­hannes bis zum Tag der Himmelfahrt. Christus hat ihnen alles offenbart, was der Vater ihm kundgetan hat (Joh. 15,27; Apg. 1,21. 22; Joh. 15,15).

Wieder im besonderen Sinn ein Zeuge ist Paulus. Er hat es zu wiederholten Malen mit allem Nachdruck betont, dass er die Kunde von Christus nicht mittel­bar durch die anderen Apostel hat, sondern unmittelbar von Christus selbst, der ihn auch ausdrücklich zu seinem Zeugen bestellt hat (Apg. 22,3-21; 26,9-20; Gal. 1,11-2,10).

Paulus hat die Berührung mit den anderen Aposteln bis auf einzelne Ausnahmefälle fast ängstlich gemieden, weil bei seiner Sendung als Heidenapostel, der in vielem einen einzigartigen Weg zu gehen hatte, alles daran lag, dass seine Autorität als gänzlich unmittel­barer Bote über allen Zweifel erhaben war.

Zeugen heissen schliesslich alle, die »dabei waren« bei den Taten Jesu und bei seiner Auferstehung (Apg. 2,32; 3,15; 10,39-42; 13,30-31). Ein Zeuge im Sinne des Neuen Testaments ist endlich jeder, der etwas auf Grund unmittelbarer göttlicher Offenbarung oder auf Grund erlebter Gottestaten mitteilen kann, aber auch nur ein solcher.

Nicht der Tod, sondern das Zeugnis im Tod macht die Märtyrer

Noch einmal einzigartige Zeugen sind die Blutzeugen, die im Neuen Testament deutlich hervorgehoben werden.

  • »Und als das Blut des Stephanus, deines Zeugen, vergossen wurde, stand ich auch dabei« (Apg. 22,20).
  • Im Sendschreiben an die Gemeinde in Pergamon heisst es: »Du hast den Glauben an mich nicht ver­leugnet, auch nicht in den Tagen, als Antipas, mein treuer Zeu­ge, bei euch getötet wurde, da, wo der Satan wohnt« (Offb. 2,13).
  • »Und ich sah die Frau betrunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu« (Offb. 17,6).

Das Zeugnis, nicht der Tod, macht den Märtyrer. Martyrium ist Tod um des Zeugnisses willen. Ein Märtyrer ist kein Held, sondern ein schlichter Zeuge.

Die Person des Zeugen tritt ganz zurück hinter dem, was er aussagt

Überhaupt tritt der Zeuge ganz zurück hinter dem, was er aus­sagt, - wie der Bote hinter dem, der ihn gesandt hat. Es ist kein Zufall, dass wir keine Biographien der Apostel haben. Auch das ist ein Zeugnis.

In dieser Tatsache ist auf uns gekommen die sichere und überführende Kunde davon, wie gesund im ganzen die Stellung der ersten Gemeinden zu ihren Führern war.


Autor: Ralf Luther
Quelle: Neutestamentliches Wörterbuch

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