Welt

Das griechische aión bedeutet einen Zeitlauf samt seinen Zuständen

Für Welt stehen im griechischen Text zwei Ausdrücke: aión und kósmos. Äon bedeutet eigentlich ein Zeitalter, Zeitlauf; dann aber werden mit dem Ausdruck aión auch bezeichnet die in einem bestimmten Zeitalter herrschenden Zustände oder der Grund­charakter dieser Zustände.

Schon eine alte prophetische Über­lieferung unterscheidet zwischen diesem Äon und dem kom­menden Äon, zwischen dem jetzigen Weltlauf und dem zukünftigen, den vorhandenen Weltzuständen und den zu er­wartenden.

Dieser Äon ist dämonisch, der kommende göttlich bestimmt

Der Grundcharakter dieses Weltlaufs ist dämonisch (satanisch), der des kommenden - göttlich. Die Weltenwende (das Ende des alten Weltzustandes und der Beginn des neuen) vollzieht sich, wenn der Weltretter kommt.

Jesus setzt dieses prophetische Weltbild als allgemein bekannt voraus und bestätigt es. Er stellt in seiner Rede oft die beiden Weltzeitalter nebeneinander.

  • »Wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird es nicht vergeben werden, weder in dieser noch in jener Welt« - also weder in diesem noch in jenem Weltzeitalter (Äon, Matth. 12,32).
  • »Es ist niemand, der Haus oder Brüder . .. verlässt um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfange: jetzt in dieser Zeit (Zeitlauf) Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder ... mitten unter Verfolgungen - und in der zukünftigen Welt (Weltzeit, Äon) das ewige Leben« (Mark. 10,29.30).
  • »Die Kinder dieser Welt (Weltzustände, Weltlauf) heiraten und lassen sich heiraten; welche aber gewürdigt wer­den, jene Welt zu erlangen (Weltzeit, Weltlauf) und die Aufer­stehung von den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen« (Luk. 20,34f.; vgl. Matth. 22,30).

Einige Worte Jesu und der Apostel werfen Schlaglichter auf die Art des jetzigen Zeitlaufs.

  • Im Gleichnis vom Sämann heisst es: »Die Sorge der Welt (Weltzustände) und der betrügerische Reichtum ersticken das Wort« (Matth. 13,22).
  • »Die Kinder dieser Welt (die Menschen, deren Art durch die Zustände dieses Weltzeitalters bestimmt ist) sind unter ihresgleichen (in ihren Angelegenhei­ten) klüger als die Kinder des Lichts« (in ihren: Luk. 16,8).
  • Paulus schildert in 1. Korinther 2 die Bildung dieser Welt (Weltzeit, Weltzustandes): Ihre ganze Richtung, ihre Grundbe­stimmung, ihr Lebensgefühl, ihre tiefsten Inspirationen sind derart, dass sie sich mit der von oben stammenden Weisheit gar nicht berühren kann (1. Kor. 2,6-8).
  • Das Evangelium bleibt denen verdeckt, denen der Gott dieser Welt (der Urheber, Ge­stalter und Beherrscher dieser Weltzustände, der Satan) den Sinn verblendet hat (2. Kor. 4,4).

Wo im Evangelium vom Ende der Welt (Äon) die Rede ist, ist überall genauer zu übersetzen: Ende dieses Weltlaufs, Zeitalters, dieser Weltzustände. »Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende« (Matth. 28,20). »Was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?« (Matth. 24,3).

Der griechische Ausdruck Kosmos - Schmuck, Schöpfung, Erdkreis

Kosmos. Dieser Ausdruck bedeutet ebenso wie der lateinische mundus: Geschmücktes, Schmuck, Zier. Im griechischen Alten Testament steht kósmos für das hebräische ssaba, welches die Ordnung der Sterne bezeichnet als einen Schmuck des Himmels (zum Beispiel 1. Mose 2,1).

Kosmos bedeutet dann die Welt als göttlich geordnetes Ganzes, Weltall, die gesamte Schöpfung. Paulus in Athen: »Gott, der die Welt (das Weltall) gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind« (Apg. 17,24; vgl. auch 1. Kor. 3,22; 8,4; Joh. 21,25).

Weiter bedeutet Kosmos den Erdkreis, die Erde:

  • »Wir haben nichts in die Welt (auf die Erde) gebracht; darum werden wir auch nichts hinausbringen« (1. Tim. 6,7).
  • Der Versucher zeigt Jesus die Reiche der Welt (Erde) mit ihrer Pracht (Matth. 4,8).
  • »Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt (auf der ganzen Erde), da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat« (Matth. 26,13).

Welt gleich Menschheit

Sehr oft bedeutet Kosmos die Bevölkerung der Erde, die Menschheit.

  • Im Gleichnis vom Weizen und Unkraut: »der Acker ist die Welt« (Menschheit, Matth. 13,38).
  • »Weh der Welt (Menschheit) der Verführungen wegen« (Matth. 18,7).
  • »... aber die Welt (Menschheit) erkannte ihn nicht« (Joh. 1,10).
  • »Das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt« (Menschheit; Joh. 1,29).
  • »So sehr hat Gott die Welt geliebt, ...« (Joh. 3,16).
  • »Aber die Welt (Menschheit) soll erkennen, dass ich den Vater liebe und tue, wie mir der Vater geboten hat (Joh. 14,31).«
  • »... damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast« (Joh. 17,21).
  • Ebenso: »Ich bin das Licht der Menschheit« (Joh. 8,12).
  • »Wir haben selber gehört und erkannt: Dieser ist wahrlich der Retter der Menschheit« (Luther: Heiland der Welt; Joh. 4,42).

Welt gleich Menschheit mit dem Antlitz dieser Weltzustände

Kosmos bedeutet oft auch die Menschheit in diesem Weltlauf, das heisst die Menschheit mit dem dämonischen Antlitz, mit dem Lebensgefühl, mit der Grundstimmung und Willensrich­tung, die aus diesen Weltzuständen stammt; mit anderen Wor­ten: die gottfeindliche Menschheit.

In diesem Sinn steht Kosmos (Welt) zum Beispiel an folgenden Stellen:

  • »Die Welt kann euch nicht hassen. Mich aber hasst sie, denn ich bezeuge von ihr, dass ihre Werke böse sind« (Joh. 7,7).
  • »Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat ..., weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt (her­ausgeholt) habe, darum hasst euch die Welt« (Joh. 15,18.19).
  • »Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen« (Joh. 16,20).
  • »In der Welt (inmitten der gegen Gott meuternden Menschheit) habt ihr Angst«; aber seid kühn im Kampf, ich habe über den in der Menschheit herrschenden Geist der Feindschaft gesiegt (Joh. 16,33).

In diesem Sinn heisst auch der Satan der Fürst dieser Welt (Kosmos), der Beherrscher der gottwidrigen Menschheit (Joh. 12,31; 14,30; 16,11). »Die ganze Welt liegt im Argen« (1. Joh. 5,19) bedeutet: Die ganze Menschheit dieses Weltlaufes befindet sich im Machtbereich des obersten Dämon.

Welt gleich Summe der Erdengüter

Endlich bedeutet Welt manchmal die Summe der auf der Erde in ihrem jetzigen Zustand vorhandenen Güter, Genüsse, Reichtü­mer, Ehren, Annehmlichkeiten und Möglichkeiten: »Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist ...« (1. Joh. 2,15.16).

Welt bedeutet immer ein Ganzes. Im Neuen Testament hat alles Welthorizont

In so verschiedenem Sinn aber auch im Neuen Testament das Wort Welt gebraucht wird, immer bedeutet es ein Ganzes, ein Gesamtes, ein Umfassendes. Es ist kein Zufall, dass im Neuen Testament das Wort Welt so oft vorkommt.

Hier im Neuen Testament geht es nicht nur um Gott und die Seele, nicht bloss um religiöse Fragen kleiner Kreise - hier hat alles Welthorizont: »So sehr hat Gott die Welt geliebt.«

Das Neue Testament zeigt uns nicht den Ausblick, dass aus dem allgemeinen Verderben der Menschheit einzelne wenige Seelen errettet werden, während alles andere in der Nacht der Gottlosigkeit versinkt. Das Neue Testament verkündigt eine Erlösung im Weltformat. Christus steht vor uns als der Retter der Menschheit, der die neue Welt­zeit heraufführt und dessen Wiederkunft die Weltvollendung bringt.


Autor: Ralf Luther
Quelle: Neutestamentliches Wörterbuch

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