Weissagung

Hellsehen ist angeborene Gabe, Weissagung ist unmittelbare Geisteswirkung

Die Weissagung oder Prophetie* ist wohl zu unterscheiden vom Hellsehen und von der Wahrsagung. Das Hellsehen ist eine belastende Veranlagung, die sich oft familien- ­und sippenweise findet und mit der kein göttlicher Auftrag ver­bunden ist. Der Weissagende hat sein Licht durch unmittelbare Geisteswirkung und redet immer im Auftrag. Weissagung ist ein Charisma (Geistesgabe), zwar dem einzelnen gegeben, aber für den Dienst an der Gemeinde bestimmt wie alle Geistesgaben (1. Kor. 12,10; Röm. 12,6.7).**

Wahrsagung ist das satanische Gegenstück der Weissagung

Die Wahrsagung verhält sich zur Weissagung wie die Nacht zum Tag; sie ist ihr satanisches Gegenstück. Der Wahrsagende spricht aus einem dunklen Trieb oft unbewusst oder halbbewusst. Beim Wirken dämonischer Mächte wird die menschliche Per­sönlichkeit stets ausgeschaltet. Der Weissagende ist bei dem, was er zu sagen hat, stets persönlich beteiligt und weiss sich verantwortlich für das, was er sagt. Er darf seiner Gabe nicht schrankenlos den Lauf lassen. Die Geister der Propheten sind dem Propheten untertan (1. Kor. 14,32).

Durch die Weissagung spricht Christus unmittelbar zu seiner Gemeinde

Die unvergleichliche Bedeutung der Weissagung liegt darin, dass durch sie Christus, der Herr, unmittelbar zu seiner Gemeinde spricht (Offb. 19,10). Was der Geist durch den Weissagenden mitteilt, empfängt er jedesmal von Christus (Joh. 16,13-14).

Durch die prophetisch begabten Glieder leitet Christus die Ge­meinde, gibt er Klarheit bei wichtigen Entscheidungen (Apg. 13,1.2), kündet er kommende Dinge an, damit die Gemeinde für sie gerüstet ist (Apg. 11,27-30; 21,10.11).

Durch die Weissa­gung sorgt Christus dafür, dass das ganze Gemeindeleben auf ihn gegründet ist (Eph. 2,20), tut er der Gemeinde Dinge kund, die noch keinem vorhergehenden Geschlecht offenbar geworden sind (Eph. 3,5) - nicht zur Befriedigung ihrer Neugier, sondern um ihr die Ziele und Aufgaben zu weisen, die gerade ihr für ihre Zeit bestimmt sind.

Alles in allem: Die Weissagung ist durchaus nicht nur Vorhersagen des Zukünftigen; sie stellt auch das Ver­gangene ins Licht und hat es immer am meisten auf die Gegen­wart abgesehen. Die Gemeinde soll durch die Weissagung er­leuchtet werden in dem, was ihr jetzt zu erkennen nottut.

Die Prophetie bringt ins Leben der Gemeinde immer wieder einen Zug göttlicher Frische und Unmittelbarkeit; durch sie kommt auch immer neues Leben in das sonst zum Buchstaben erstar­rende Bibelwort. Darum hängt Sein und Nichtsein der Ge­meinde daran, ob es unter ihr Weissagung gibt.

Weissagung - die vor allem zu erstrebende Geistesgabe

Paulus sagt darum: Strebt nach den Geistesgaben, vor allem nach der Weissagung (1. Kor. 14,1.5.39). Schon ein Spruch Salomos sagt: »Wo keine Weissagung ist, wird das Volk wild und wüst« (Spr. 29,18). Die ganze alttestamentliche Geschichte zeigt uns das.

Weil bei der Weissagung der Mensch als freies und verantwortliches Wesen mittätig ist, muss in diesem Weltzeitalter, wo wir so viel Schwachheit an uns tragen, »unser Weissa­gen Stückwerk« sein (1. Kor. 13,9).

Gross ist freilich die Verant­wortung, die auf den prophetisch Begabten liegt: Alles, was den Wert und die Reinheit der Weissagung beeinträchtigen könnte, soweit es irgend an ihnen liegt, aus ihrer Person zu entfernen.

Es ist ein Zeichen grosser geistlicher Verblendung, wenn man die Weissagung, wo sie auftritt, nicht als Weissagung erkennt, son­dern den Propheten als religiöses Genie ansieht.

Genie ist ange­boren; Prophetie ist immer Geistesgabe. Aus dem Genie redet das Geschöpf; aus dem Propheten der Schöpfer.

* Siehe den Artikel zu «Prophetie».
** Siehe den Artikel zu «Geistesgaben».


Autor: Ralf Luther
Quelle: Neutestamentliches Wörterbuch

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