Uralte Handschriften entdeckt

Wie historisch verlässlich ist die Bibel?

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Das Buch Habakuk in der Bibel
Die akribische Arbeit vom deutschen Bibelforscher Konstantin von Tischendorf gibt wichtige Hinweise darauf, dass die Bibel zuverlässig und glaubhaft ist.

1844 brach der deutsche Bibelforscher Konstantin von Tischendorf zu einer gefährlichen Orientreise auf. Sein Ziel: das Katharinenkloster im Sinai, das älteste Kloster der Welt (6. Jh. n. Chr.). Er hatte die Strapazen der langen und gefahrvollen Wüstenreise nur aus einem Grund auf sich genommen: Er suchte uralte Bibelhandschriften, um den Bibelkritikern zu beweisen, dass die Bibel unverfälscht über die Jahrhunderte zu uns gekommen ist.

Bis dahin benutzten Bibelübersetzer – so zum Beispiel auch Luther – hauptsächlich Handschriften des Mittelalters. Aber konnte man sicher sein, dass diese mittelalterlichen Handschriften wirklich den Originaltext der Heiligen Schrift korrekt wiedergaben? Wurde dieser Text nicht vielleicht bei der Entstehung der römischen Staatskirche unter Konstantin dem Grossen verändert? Wer konnte garantieren, dass im Laufe der Zeit nicht einfach Geschichten erfunden wurden, die Eingang in die Bibelhandschriften fanden? Tischendorf wollte hierin Klarheit schaffen. Er sagte sich, wenn man eine neutestamentliche Handschrift finden würde, die ganz nah an die Abfassungszeit der Evangelien heranreicht, dann müsse man davon ausgehen, dass dieser Text die «Ur-Evangelien» repräsentiere.

Biblische Handschriften vor «Entsorgung» gerettet

Tagelang durchsuchte Tischendorf die verstaubte Bibliothek. Ihr Zustand war erbärmlich. Durch einige der Pergamente krochen Madenwürmer; andere waren zusammengeklebt wie ein Brikett. Der Forscher war geschockt. Am Tag vor seiner Abreise sah Tischendorf im Abfallkorb der Bibliothek grossformatige Pergamentblätter, die sich als Seiten aus einer griechischen Bibel aus dem 4. Jh. n. Chr. herausstellten. Sie sollten «entsorgt» werden, da keiner der Mönche die alte Schrift lesen konnte. Die Mönche hatten schon einige Körbe mit diesem «Altpapier» verbrannt.

In letzter Minute konnte Konstantin von Tischendorf einen einzigartigen Bibelschatz vor der Vernichtung durch die Feuerflammen retten. Die Blätter enthielten Teile des Alten Testaments in griechischer Sprache (sog. Septuaginta). Bei nochmaligen späteren Reisen in das Kloster entdeckte Tischendorf weitere Blätter aus dem AT und das gesamte Neuen Testaments! Bis heute ist diese Sinai-Bibel – bekannt als Codex Sinaiticus (Codex = Buch) – die älteste komplette Handschrift des NT in griechischer Sprache. Sie stammt von 350 n. Chr.

Hervorragende Überlieferungstreue

Mit dieser Entdeckung begann die moderne Handschriftenforschung zur Bibel. Viele Forscher sind seitdem den Spuren Tischendorfs gefolgt und haben sich bis in die letzten Winkel der Erde auf den Weg gemacht, immer auf der Suche nach uralten Pergamenten und Papyri. Ihrem unermüdlichen Eifer verdanken wir heute unser Wissen über die hervorragende Überlieferungstreue der Bibel. Wir können sicher sein, dieselbe Bibel in der Hand zu halten wie die ersten Christen und vor allem, dass die Botschaft von der Liebe Gottes in seinem Sohn Jesus Christus unverfälscht zu uns gekommen ist.

Handschriften aus dem zweiten Jahrhundert

1956 gelang dem Schweizer Millionär Martin Bodmer, einem leidenschaftlichen Sammler wertvoller Bücher und Handschriften, eine ungewöhnliche Erwerbung. Im Wüstensand Unterägyptens waren Papyri im Umfang von mehr als 2000 Textseiten entdeckt worden. Bei der Auffindung waren es noch viel mehr Seiten, doch durch die Unwissenheit des Entdeckers wurden etliche Blätter zum Anzünden für eine Wasserpfeife benutzt und ins Feuer geworfen, da sie – wie so oft – einen schönen aromatischen Geruch verbreiteten! Unter den Texten befindet sich unter anderem eine Abschrift der beiden Petrusbriefe (P72/3. bis 4.Jahrhundert) und eine fast vollständige Abschrift des Johannesevangeliums (P66) aus dem Ende des 2. Jahrhunderts oder vielleicht sogar aus der Zeit um 150 n. Chr. Die Schätze werden heute in Cologny, einem noblen Vorort von Genf, im Bodmer-Museum für Weltliteratur aufbewahrt. Auffallend bei all den Papyrus-Funden ist, dass es sich um Bücher und nicht um Schriftrollen handelt. Schriftrollen wurden bis in das 8. Jh. verwendet, doch die Christen haben bereits sehr früh gefaltete Papyrusblätter zum Beschreiben benutzt. Auf den Blättern, die man zu einem Buch binden konnte, war durch die beidseitige Beschriftung viel mehr Platz als auf einer Schriftrolle. So konnte das Evangelium, die gute Nachricht, viel besser verbreitet werden.

Bibel ist bestdokumentiertes Buch der Antike

Alle diese neuen Papyrus-Funde sind natürlich für die Textforscher sehr wichtig, die den ursprünglichen Text des griechischen Neuen Testaments rekonstruieren, da es auf jeden einzelnen Buchstaben ankommt. Die Arbeit an diesen Texten zeigte, dass es bei Fragen des originalen Wortlautes neue Detailerkenntnisse gibt, doch die inhaltliche Botschaft des Neuen Testaments blieb genauestens überliefert. Einer der Spezialisten für die antiken Papyri, der amerikanische Professor Philip Wesley Comfort, urteilte nach jahrzehntelanger Forschung: «Egal, welche Differenzen im Wortlaut in diesen frühen Handschriften existieren (...), die frühen Christen, die diese Handschriften besassen, lasen dieselbe grundlegende Botschaft über Jesus Christus, den Sohn Gottes, der am Kreuz für die Vergebung der Sünden starb und auferstand, um allen das Leben zu geben, die an ihn glauben.»

Vom griechischen Text des Neuen Testaments liegen heute insgesamt 5400 Handschriften vor. Dazu kommen noch über 9000 Übersetzungen in lateinisch, syrisch, koptisch etc. und 36‘000 Bibel-Zitate aus den anfänglichen Schriften der Kirchenväter. Von keinem Werk der Antike gibt es mehr Handschriften. Bis auf einen ganz geringen Zeitabstand reichen die neutestamentlichen Handschriften an die berichteten Ereignisse heran. Auch dies unterscheidet das Neue Testament von allen anderen Büchern der Antike. Das Fazit der Forscher: Das Neue Testament ist besser als jedes andere Buch der antiken Weltliteratur überliefert.

Dieser Ausschnitt wurde mit freundlicher Genehmigung entnommen von www.sakrileg-betrug.de und Alexander Schick «Das wahre Sakrileg – Die verborgenen Hintergründe des Da-Vinci-Codes» (Knaur 2006).


Autor: Alexander Schick
Quelle: www.sakrileg-betrug.de

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