2. Mose (Exodus)

Die grosse Flucht

Im 2. Buch Mose erleben wir, wie Gott sein Volk rettet und ihm die Zehn Gebote gibt.

Die frühen griechischen Übersetzer des AT gaben dem 2. Buch Mose den beschreibenden Titel Exodus. Im Griechischen bedeutet der Ausdruck Exodus einfach »hinausgehen«. Angesichts des gewaltigen Erlösungswerkes Gottes hinsichtlich seines Volkes kann man das wohl schlicht Untertreibung nennen.

Autor und Abfassungszeit

Geschrieben von Mose ca. 1445 bis 1405 v. Chr.

Dass Mose der Autor von 2. Mose ist, steht ausser Frage. Mose befolgte Gottes Anweisungen und »schrieb alle Worte des HERRN nieder« (24,4). Ähnliche Aussagen über Moses Autorschaft finden sich auch an anderen Stellen in der Schrift.

Schlüsselpersonen im 2. Buch Mose

Mose – Autor des Pentateuch und Befreier Israels aus der ägyptischen Sklaverei (2–40)

Miriam – Prophetin und ältere Schwester von Mose (2,7; 15,20-21)

Die Tochter des Pharao – Die Prinzessin rettete Mose, als er noch ein Baby war, aus dem Fluss und adoptierte ihn (2,5-10)

Jethro – Ein Schafhirte aus Midian, er wurde Moses Schwiegervater (3,1; 4,18; 18,1-12)

Aaron – Moses Bruder und der erste Hohepriester Israels (4,14–40,31)

Pharao – Ein nicht namentlich bekannter Führer Ägyptens zur Zeit des Exodus (5,1–14,31)

Josua – Ein Mitarbeiter Moses und militärischer Führer, der Israel in das verheissene Land führte

Hintergrund und Umfeld

Die 18. Dynastie Ägyptens, während der Israels dramatischer Auszug stattfand, war eine politisch und wirtschaftlich starke Periode der ägyptischen Geschichte. Obwohl Mose als Sklave geboren wurde, fand er sich bald in einer schnell wachsenden und expansiven Gesellschaft wieder. Was militärische, wirtschaftliche und politische Stärke betraf, war Ägypten eine sog. Supermacht. Gott benutzte sowohl das Erziehungs- und Regierungssystem Ägyptens, als auch die Zeit in der Wildnis im Exil in Midian, um Mose zuzurüsten. Als Mose dann so weit war, vertrat er sein Volk vor dem mächtigen Pharao Amenothep II und führte sein Volk während der Zeit der Wüstenwanderung.

Exodus beschreibt die jungen Jahre Moses und Details hinsichtlich des Auszugs Israels aus Ägypten. 2. Mose schliesst damit ab, dass Gott dem Volk die Zehn Gebote gibt und es die Stiftshütte am Fusse des Berges Sinai baut. Trotz des schrecklichen Götzendienstes, den Israel beging, als Mose auf dem Berg war, fuhr Gott zu diesem Zeitpunkt fort, das Volk in das verheissene Land zu führen.

Schlüssellehren im 2. Buch Mose

Bündnisverheissungen – Gott verspricht Abraham, sein Erbe für immer zu bewahren (12,1-3.7.31-42; 1Mo 17,19; 3Mo 26,45; Ri 2,20; Ps 105,38; Apg 3,25)

Das Wesen Gottes – Menschen werden Gott zwar nie völlig verstehen und begreifen, sie können ihn aber persönlich kennen lernen (3,7; 8,15; 34,6-7; 2Sam 22,31; Hi 36,26; Mt 5,48; Lk 1,49-50)

Die Zehn Gebote – Grundwahrheiten in Bezug auf Gott (20,1-17; 23,12; 3Mo 19,4.12; 5Mo 6,14; 7,8-9; Neh 13,16-19; Jes 44,15; Mt 5,27; 19,18; Mk 10,19; Lk 13,14; Röm 13,9; Eph 5,3.5)

Gottes Wesen im 2. Buch Mose

Gott ist zugänglich – 24,2; 34,4-7

Gott ist herrlich – 15,1.6.11; 33,18-23; 34,5-7

Gott ist gut – 34,6

Gott ist gnädig – 34,6

Gott ist heilig – 15,11

Gott ist langmütig – 34,6

Gott ist barmherzig – 34,6.7

Gott ist mächtig – 6,3; 8,15; 9,3.16; 15,6.11-12

Gott ist vorhersehend – 15,9-19

Gott ist treu – 34,6

Gott ist einzigartig – 9,14

Gott ist weise – 3,7

Gott ist zornig – 7,20; 8,2.12.20; 9,3.9.23; 10,13.22; 12,29; 14,24.27; 32,11.35

Christus im 2. Buch Mose

Als Gott das Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei befreite, legte er ein neues Fundament, indem er ihm das Gesetz gab. Im 2. Buch Mose finden wir zwei Schwerpunkte: 1) einen Bericht der Erlösung des Volkes Gottes; 2) die Bildung der erwählten Nation, durch welche Christus in die Welt kommen würde. Das Gesetz bereitete Israel darauf vor, Christus zu empfangen, seinen verheissenen Messias und König.

Schlüsselworte im 2. Buch Mose

Erlöst: Hebräisch natsal – 3,8; 5,18; 21,13; 22,6.9.25; 23,31 – dieses Verb bedeutet entweder »abkratzen, plündern« oder »entreissen, befreien«. Das Wort wird oft benutzt, um zu beschreiben, wie Gott Israel aus der Sklaverei befreit (3,8) oder rettet (6,6). Manchmal beschreibt es auch, wie Gottes Volk von Sünde und Schuld befreit wird (Ps 51,16). Die Verse in Kap. 18,8-10 verdeutlichen hingegen Gottes Überlegenheit und Triumph über die ägyptischen Götter.

Weihen: Hebräisch qadash – 28,3.41; 29,9.33.35; 30,30; 32,29 – dieses Verb bedeutet »heilig machen«, »etwas als abgesondert erklären« oder »zur Seite stellen«. Das Wort beschreibt, wie etwas oder jemand dem Herrn hingegeben oder für ihn ausgesondert wird. Indem Gott Israel aus der ägyptischen Sklaverei befreite, sonderte er es ab. Durch sein gewaltiges Befreiungswerk demonstrierte er, dass Israel sein Volk, und er sein Gott war (6,7). Die von Gott veranlasste Waschung am Berg Sinai veranschaulicht, dass Gott und das Volk in einer speziellen Beziehung zueinander standen (19,10).

Waschung: Hebräisch rachats – 2,5; 19,10; 29,4.17; 30,18.21; 40,12.30 – Waschung oder Bad. Dieser Begriff wurde sowohl im religiösen wie auch im kulturellen Bereich benutzt. Einem Gast die Füsse zu waschen war ein sehr alter Brauch und ein Zeichen von Gastfreundschaft, das wir auch im NT noch vorfinden (1Mo 18,4; Joh 13,5). Rituelle Waschungen zählten zu den wichtigen Bestandteilen, um die Priester für ihren Dienst in der Stiftshütte vorzubereiten (40,12). Das Waschen mit Wasser symbolisierte auch geistliche Reinigung, welche nötig war, um in die Gegenwart Gottes treten zu können (Ps 26,6; 73,13). Die atl. Propheten versinnbildlichten damit auch Busse (Jes 1,16; Hes 16,4). Im NT beschreibt Paulus die Erlösung in Christus mit den Worten »Bad der Wiedergeburt« (Tit 3,5).

Gliederung

Israel in Ägypten (1,1 – 12,36)

  • Die Bevölkerungsexplosion (1,1-7)
  • Die Unterdrückung unter den Pharaonen (1,8-22)
  • Die Heranbildung eines Befreiers (2,1 – 4,31)
  • Die Konfrontation mit dem Pharao (5,1 – 11,10)
  • Die Vorbereitung auf den Auszug (12,1-36)

Israel auf dem Weg zum Sinai (12,37 – 18,27)

  • Der Auszug aus Ägypten und die Angst (12,37 – 14,14)
  • Die Überquerung des Roten Meeres und die Freude (14,15 – 15,21)
  • Die Reise zum Sinai und das Murren (15,22 – 17,16)
  • Die Begegnung mit Jethro und das Lernen (18,1-27)

Israel lagert am Sinai (19,1 – 40,38)

  • Das Gesetz Gottes wird erteilt (19,1 – 24,18)
  • Das Heiligtum Gottes wird beschrieben (25,1 – 31,18)
  • Die Anbetung Gottes wird befleckt (32,1-35)
  • Die Gegenwart Gottes wird bestätigt (33,1 – 34,35)
  • Das Heiligtum Gottes wird gebaut (35,1 – 40,38)

Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde …

Das Eisenzeitalter beginnt in Syrien und Palästina. Die mediterranen und skandinavischen Völker perfektionieren die Kunst des Schiffsbaus.

Häufig auftauchende Fragen

1. Warum finden wir in den historischen Überlieferungen Ägyptens keine Hinweise auf die vernichtenden Plagen, die Niederlage der Armee und den Auszug der Israeliten?

Das Fehlen dieser Berichte in den ägyptischen Überlieferungen sollte uns nicht erstaunen. Die meisten dieser Berichte existieren in Form offizieller Inschriften auf Gräbern oder Denkmälern antiker Herrscher. Öffentliche Gedenkstätten dieser Art wurden selten dazu benutzt, um an demütigende Niederlagen und Katastrophen zu erinnern. Interessanterweise stellt die Art und Weise, wie die Bibel sowohl über die Erfolge wie auch über die Niederlagen des Volkes Gottes berichtet, einen aussagekräftigen Beweis für ihre Echtheit dar. Die Bibel präsentiert uns einerseits etliche Beispiele von Versagen, andererseits aber auch zahlreiche Beispiele von echten Glaubenstaten.

2. Was sollen wir im 21. Jhdt. von den uns berichteten Wundern im 2. Buch Mose halten? Tatsachenberichte wie z.B. der brennende Dornbusch, die Plagen, Gottes Gegenwart in der Wolken- bzw. Feuersäule, die Teilung des Roten Meeres oder das Manna, um nur einige zu nennen.

Der wissenschaftliche Materialismus, in dem viele Menschen des 21. Jhdts. stecken, erschwert ihnen den Zugang zu sog. Wundern. Werden die Naturgesetze als höchste Instanz angesehen, dann übersteigt der Gedanke an ein über alles erhabenes Wesen, das auch die Naturgesetze ausser Kraft setzen kann, die Vorstellungskraft der Leute bei weitem. Beispiele von Wundern üben wenig Überzeugungskraft aus, wenn jemand bereits der festen Meinung ist, dass es keine Wunder geben kann.

Wunder können Gottes Existenz veranschaulichen, aber nicht beweisen. Die Menschen verfügen über einen ausgesprochenen Einfallsreichtum, wenn es darum geht, Gottes Wirken in der Vergangenheit wegzudiskutieren. Es ist nicht so, dass Menschen im 21. Jhdt. nicht an Wunder glauben könnten, sondern vielmehr so, dass sie schlicht und einfach nicht daran glauben.

Für uns Christen klärt sich alles anhand des Glaubens. Als wir Christen wurden, mussten wir ein ganz zentrales Wunder im Glauben annehmen: Gott kam im Fleisch auf diese Welt, Jesus Christus lebte, starb und ist von den Toten auferstanden, um in Ewigkeit als Herr und Heiland zu regieren. Im Lichte dieses Wunders geben die Wunder aus Exodus keinen Anlass zu Spekulationen, sondern bewirken bei uns Anbetung und Staunen. Sie verdeutlichen, wie sehr es Gott am Herzen liegt, mit Menschen zu kommunizieren. Sogar die Christen des 21. Jhdts. werden durch Gottes überwältigende Macht gedemütigt und von Ehrfurcht ergriffen.

3. Stellen die Zehn Gebote Erwartungen und Forderungen von gestern dar, oder repräsentieren sie Gottes ewiggültigen Standard?

Die Leute erliegen einem schwerwiegenden Irrtum, wenn sie darüber reden, »die Zehn Gebote zu brechen«. Die Geschichte verdeutlicht auf eindrückliche Art und Weise, dass es die Leute waren, die an den Zehn Geboten »zerbrachen«. Egal, welche Streitfragen hinsichtlich der Auslegung und Anwendung der Zehn Gebote im Raum stehen mögen; sie repräsentieren Gottes absoluten und unveränderlichen Standard.

Der Titel »Zehn Gebote« rührt von Mose her (34,28). Es wird klar betont, dass Gott selbst gesprochen und die Zehn Gebote geschrieben hat. Deshalb sind auch alle Theorien, dass Israel sich Rechtsgrundlagen und -bestimmungen von Nachbarvölkern ausgeliehen haben soll, zu verwerfen.

Man kann die Zehn Gebote in zwei Hauptkategorien unterteilen: die Vertikale – die Beziehung zwischen den Menschen und Gott (20,2-11); und die Horizontale – die zwischenmenschlichen Beziehungen (20,12-17). Die Zehn Gebote gewähren echte und saubere Theologie, aufrichtige Anbetung und bieten idealen Schutz für den Namen Gottes, den Sabbat, die Familienehre, das Leben selbst, die Ehe, Eigentum, die Wahrheit und jede Form von Tugend.

Kurzstudium zum 2. Buch Mose/einige Fragen

  • Welches sind die Höhepunkte in Moses jungen Jahren?
  • Welche verschiedenen Mittel setzte Gott im 2. Buch Mose ein, um sich selbst zu offenbaren?
  • Welche zehn Plagen haben Ägypten heimgesucht?
  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Plagen und den Göttern Ägyptens?
  • Wie können wir anhand des Gesetzes, das in den Zehn Geboten zusammengefasst ist, erkennen, dass wir Gottes Hilfe nötig haben?
  • Welche der Zehn Gebote bestimmen unsere Beziehung zu Gott, und welche unsere Beziehung zu den Mitmenschen?
Fortsetzung: 3. Mose (Levitikus)

Autor: John MacArthur
Quelle: Basisinformationen zur Bibel

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