Römer

Eine Zusammenfassung der christlichen Lehre

»Denn der Lohn der Sünde ist der Tod; aber die Gnadengabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn« (Römer 6,23).

Unter all den von Paulus verfassten Büchern nimmt der Römerbrief eine Vorrangstellung ein; nicht nur weil er am Anfang steht oder der längste ist, sondern weil er die vollständigste Zusammenfassung der Gedanken Paulus’ widerspiegelt. Er zählt weder zu seinen frühesten noch zu seinen letzten Briefen. Der Römerbrief präsentiert uns eine ausgereifte Ausarbeitung der zentralen Themen des Evangeliums, die unter der Leitung des Heiligen Geistes niedergeschrieben wurde. Dieser Brief ist und bleibt ein Muss in der Schule christlicher Jüngerschaft.

Autor und Abfassungszeit

Verfasst von Paulus ca. 56 n. Chr.

Niemand stellt in Frage, dass der Apostel Paulus den Römerbrief geschrieben hat. Aufgewachsen als römischer Bürger und hingegebener Jude genoss er eine hervorragende Ausbildung als Schüler des bekannten Rabbiners Gamaliel (Apg 22,3). Wie sein Vater war auch Paulus ein Pharisäer (Apg 23,6) und damit gehörte er zur strengsten Sekte des Judentums (vgl. Phil 3,5). In den Monaten nach der Auferstehung Jesu machte er sich einen Namen als gnadenloser und brutaler Verfolger der Gemeinde.

Nach seiner wundersamen Bekehrung auf dem Weg nach Damaskus (ca. 33-34 n. Chr.), wo er Christen verhaften wollte, begann Paulus sogleich mit der Verkündigung des Evangeliums. Mehr als jede andere Einzelperson hat er zur Verbreitung des Christentums im ganzen Römischen Reich beigetragen. Er unternahm drei Missionsreisen, die ihn durch weite Teile des Mittelmeerraums führten. Unermüdlich verkündete er das Evangelium, das er einst auszurotten versucht hatte (Apg 26,9). Etwa 65-67 n. Chr. starb er in Rom den Märtyrertod (vgl. 2. Tim 4,6). Mehr zur Person Paulus unter Häufig gestellte Fragen (»Wer war Paulus?«).

Schlüsselpersonen im Brief an die Römer

Paulus – Apostel und Autor des Römerbriefes (1,1 – 16,22)

Phöbe – Diakonin in der Gemeinde zu Kenchreä; Paulus vertraute ihr seinen Brief (den Römerbrief) an, um ihn den römischen Gläubigen zu überbringen (16,1-2)

Hintergrund und Umfeld

Rom war Hauptstadt und Mitte des Römischen Reichs. Die Stadt wurde 753 v. Chr. gegründet, wird in der Bibel jedoch erst im NT erwähnt. Zur Zeit von Paulus zählte die Stadt mehr als eine Million Einwohner, darunter viele Sklaven. Rom rühmte sich monumentaler Gebäude, wie z.B. des Kaiserpalasts, des Circus Maximus und des Forums, doch die Schönheit der Stadt wurde geschmälert durch die Elendsviertel, in denen viele dahinvegetierten. Der Überlieferung zufolge wurde Paulus während Neros Regierungszeit (54-68 n. Chr.) ausserhalb von Rom auf der Via Ostiensis als Märtyrer hingerichtet.

Wahrscheinlich hatten einige der Christen, die sich am Pfingsttag in Jerusalem bekehrt hatten, die Gemein de in Rom gegründet (vgl. Apg 2,10). Schon seit langem hatte Paulus versucht, die Gläubigen dort zu besuchen, war jedoch stets daran gehindert worden (1,13). Nach Gottes Vorsehung erhielt die Welt dieses inspirierte Meisterwerk der Lehre des Evangeliums, weil Paulus bis zu dieser Zeit verhindert worden war, nach Rom zu reisen.

Bei der Abfassung des Römerbriefs beabsichtigte Paulus in erster Linie, die Gläubigen, die niemals apostolische Unterweisung bekommen hatten, in die grossartigen Wahrheiten des Evangeliums der Gnade einzuführen. Ausserdem stellte der Brief ihn einer Gemeinde vor, der er bis dahin persönlich unbekannt war. Doch hoffte er, sie bald aus verschiedenen wichtigen Gründen besuchen zu können: um die Gläubigen aufzuerbauen (1,11), das Evangelium zu verkünden (1,15) und um die Christen aus Rom kennen zu lernen, damit sie ihn ermutigen (1,12; 15,32), besser für ihn beten (15,30) und ihm bei seiner geplanten Spanienreise helfen konnten (15,28).

Im Gegensatz zu anderen Briefen von Paulus (z.B. 1+2Kor, Gal), schrieb er diesen Brief nicht, um falsche Lehren zu korrigieren oder ungeistliches Leben zu tadeln. Die Gemeinde von Rom war lehrmässig gesund, doch wie alle Gemeinden brauchte sie die reiche theologische und praktische Unterweisung dieses Briefes.

Schlüssellehren im Brief an die Römer

Die Sündhaftigkeit des Menschen – Sünde trennt jeden Menschen von Gott; einzig Christus kann Gott mit den Menschen versöhnen (3,9-20; 1Mo 3,6.7; 18,20; 2Mo 32,31; 5Mo 9,7; 1Kö 8,46; 14,16; Ps 38,19; Spr 20,9; Pred 7,20; Jer 2,22; Röm 5,12; 2Kor 5,21; Hebr 4,15; 7,26)

Rechtfertigung aus Glauben – Vollkommene Freiheit von Gericht und den Fesseln der Sünde wird uns nur durch Glauben an Jesus Christus zuteil (1,16-17; 3,21 – 4,25; 5,1-2.18; 3Mo 18,5; Jes 45,25; 50,8; 53,11; Jer 23,6; Hab 2,4; Joh 5,24; Apg 13,39; 1Kor 6,11; Gal 2,14-21; 3,11; 5,4; Tit 3,7; Jak 2,10)

Heiligung – Durch Christi Sühnewerk sind die Gläubigen verherrlicht und abgesondert zum Dienst für Gott (6,1 – 8,39; 15,16; Ps 4,4; Hes 37,28; Apg 20,32; 26,18; 2Kor 6,17; Eph 5,26.27; 1Th 4,3.4; 5,23; 2Th 2,13; 2Tim 2,21; Hebr 2,11; 13,12; 1Pt 1,2; Jud 1,1)

Versöhnung – das Opfer Christi stellt die Beziehung/Gemeinschaft zwischen Gott und dem Menschen wieder her (5,1.10.11; 3Mo 8,15; 16,20; Dan 9,24; Jes 53,5; Mt 5,24-26; 2Kor 5,18-20; Eph 2,14-16; Kol 1,20-22; 2,14; Hebr 2,17)

Gottes Wesen im Brief an die Römer

Gott ist zugänglich – 5,2

Gott ist ewig – 1,20

Gott ist vergebend – 3,25

Gott ist herrlich – 3,23; 6,4

Gott ist gut – 2,4

Gott ist unbestechlich – 1,23

Gott ist rechtschaffen – 2,11; 3,4.26

Gott ist langmütig – 2,4.5; 3,25; 9,22

Gott ist Liebe – 5,5.8; 8,39; 9,11-13

Gott ist barmherzig – 9,15.18

Gott ist mächtig – 1,16.20; 9,21.22

Gott hält seine Versprechen – 1,1.2; 4,13.16.20; 9,4.8; 15,8

Gott ist vorhersehend – 8,28; 11,33

Gott ist ein Versöhner – 5,1.10

Gott ist gerecht – 2,5; 3,25.26

Gott ist unausforschlich – 11,33

Gott ist weise – 11,33; 16,27

Gott ist zornig – 1,18; 2,5.6.8; 3,5.6; 5,9; 9,18.20.22

Christus im Brief an die Römer

Der Römerbrief stellt in erster Linie ein lehrmässiges Werk dar und präsentiert Christus als den Erlöser der Menschheit. Paulus erklärt, dass die tiefe Kluft zwischen den sündhaften Menschen und dem heiligen Gott einzig durch Christus überbrückt werden kann. Somit wird der Mensch auf der Grundlage des Werkes Christi am Kreuz gerechtfertigt.

Schlüsselworte im Brief an die Römer

Rechtfertigung: Griechisch dikaiosis – 4,25; 5,18 – stammt von dem griechischen Verb dikaio und bedeutet »freisprechen« oder »für gerecht erklären«; Paulus verwendet dieses Wort an folgenden Stellen 4,2.5; 5,1. Der Begriff stammt aus der Rechtsprechung und vermittelt den Gedanken eines vorteilhaften Urteilsspruchs. Wir müssen uns die Szene folgendermassen vorstellen: Gott sitzt zu Gericht über die Menschen und beurteilt ihren Gehorsam und ihre Treue angesichts der Forderungen des Gesetzes. Im ersten Abschnitt des Römerbriefs hält Paulus fest, dass kein Mensch dem Gericht Gottes widerstehen kann (3,9-20). Das Gesetz wurde nicht gegeben, um Sünder zu rechtfertigen, sondern um ihre Sünde zu offenbaren. Um einen Ausweg aus dieser aussichtslosen Situation zu schaffen sandte Gott seinen Sohn, damit er stellvertretend für unsere Sünden sterbe. Wenn wir an Jesus glauben, rechnet uns Gott seine Gerechtigkeit zu und wir werden als gerechtfertigt vor Gott erklärt. Auf diese Weise erzeigt sich Gott als gerechter Richter und wird zugleich zu unserem Rechtfertiger (3,26).

Versöhnung: Griechisch katallage – 5,11; 11,15 – bedeutet eigentlich »ändern« oder »austauschen«. Im Kontext menschlicher Beziehungen spricht der Begriff von einer veränderten Einstellung/Haltung zweier Parteien, d.h. Feindschaft wird ersetzt durch Freundschaft. Im Kontext der Beziehungen zwischen Gott und den Menschen spricht der Begriff von einer veränderten Einstellung/ Haltung zweier Parteien, das betrifft sowohl Gott als auch den Menschen. Es ist offensichtlich, dass der Mensch von seinem sündigen Verhalten ablassen muss; einige vertreten aber die Meinung, dass keinerlei Gesinnungswandel von Seiten Gottes nötig sei. Die veränderte Haltung Gottes gegenüber dem Sünder ist aber untrennbar mit der Lehre der Rechtfertigung verbunden. Gott erklärt einen ehemaligen Feind als in seinen Augen gerechtfertigt.

Hoffnung: Griechisch elpis – 4,18; 5,2; 8,20.24; 12,12; 15,4.13 – beschreibt ein »vertrauensvolles Erwarten« oder »Vorahnung« und nicht wie allgemein in der Welt angenommen ein »Wunschdenken«. Der Gebrauch des Wortes Hoffnung ist in diesem Zusammenhang eher unüblich und wird von einem ironischen Beigeschmack begleitet. Es deutet hier an, dass die Heiden, die nichts, oder bestenfalls wenig, vom Messias wissen, sein Kommen erwarten. Nichtsdestotrotz, wenn wir an Kornelius denken (Apg 10) sehen wir einen Heiden, der das Kommen des jüdischen Messias erwartete. Jesus kam nicht allein, um die Juden zu retten, sondern er brachte auch Rettung für die Heiden. Da Gott der Ursprung und Grund unserer Errettung ist, können wir ihn auch den Gott unserer Hoffnung nennen, denn er hat uns Hoffnung geschenkt (15,13).

Gesetz: Griechisch nomos – 2,12.27; 3,27; 4,15; 7,1.7.23; 9,31; 13,10 – spricht von einem inneren Grundprinzip/Ablaufkonzept, das gut oder böse sein kann, das gesetz- oder routinemässig abläuft. Der Begriff umschreibt auch den Massstab, den eine Person für ihr Leben ansetzt. Der Apostel Paulus unterscheidet drei Gesetzmässigkeiten: 1) »Das Gesetz der Sünde«, das sich des Fleisches bedient und es zur Sünde verführt. Paulus ging es wie uns allen auch, er benötigte ein anderes Gesetz, um das Gesetz der Sünde überwinden zu können. 2) »Das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesu« befreit uns vom »Gesetz der Sünde und des Todes« (8,2). Indem die Gläubigen sich an dieses Gesetz halten sind sie tatsächlich in der Lage, die Rechtsforderungen des Gesetzes Gottes zu erfüllen (8,4). Das ist das dritte Gesetz: 3) »das Gesetz Gottes«. Anhand dieses Massstabs werden alle Taten der Menschen danach gemessen, ob sie mit dem gerechten Wesen Gottes im Einklang sind.

Gliederung

Gruss und Einleitung (1,1-15)

Thema (1,16.17)

Verdammnis: Gottes Gerechtigkeit ist notwendig (1,18 – 3,20)

  • Ungerechte Heiden (1,18-32)
  • Ungerechte Juden (2,1 – 3,8)
  • Ungerechte Menschheit (3,9-20)

Rechtfertigung: Gottes Gerechtigkeit steht bereit (3,21 – 5,21)

  • Die Quelle der Gerechtigkeit (3,21-31)
  • Das Beispiel für Gerechtigkeit (4,1-25)
  • Die Segnungen der Gerechtigkeit (5,1-11)
  • Die Zurechnung der Gerechtigkeit (5,12-21)

Heiligung: Der Erweis von Gottes Gerechtigkeit (6,1 – 8,39)

Wiederherstellung: Israels Annahme von Gottes Gerechtigkeit (9,1 – 11,36)

Anwendung: Der Wandel gemäss Gottes Gerechtigkeit (12,1 – 15,13)

Schluss, Grüsse und Segen (15,14 – 16,27)

Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde …

Kaiser Ming-Ti führt in China den Buddhismus ein.

Häufig auftauchende Fragen

1. Wer war der Apostel Paulus und warum scheint er zwei Namen zu haben?

Paulus gehörte wie sein Namensvetter Saul, der erste König Israels (Saulus war sein hebräischer, Paulus sein griechischer Name), zum Stamm Benjamin (Phil 3,5). Ausserdem war er römischer Bürger (Apg 16,37; 22,25). Paulus wurde etwa zur gleichen Zeit wie Jesus in Tarsus geboren (Apg 9,11), einer wichtigen Stadt (Apg 21,39) in der römischen Provinz Zilizien in Kleinasien (der heutigen Türkei).

Einen Grossteil seiner Jugend verbrachte er in Jerusalem als Schüler des bekannten Rabbiners Gamaliel (Apg 22,3). Wie sein Vater war auch Paulus ein Pharisäer (Apg 23,6) und da mit gehörte er zur strengsten Sekte des Judentums (vgl. Phil 3,5). Er war ein aktiver und bewusster Gegner aller Nachfolger Jesu. Seinen ersten »Auftritt« hatte er bei der Steinigung des Stephanus, bei der er Zeuge war (Apg 7,58).

Nach seiner wundersamen Bekehrung auf dem Weg nach Damaskus (ca. 33-34 n. Chr.), wo er Christen verhaften wollte, begann Paulus sogleich mit der Verkündigung des Evangeliums (Apg 9,20). Als er in Damaskus in Lebensgefahr war, konnte er mit knapper Not aus der Stadt fliehen (Apg 9,23-25; 2Kor 11,32.33) und verbrachte anschliessend drei Jahre in der nabatäischen Wüste (»Arabien«), südlich und östlich vom Toten Meer (Gal 1,17.18). Während dieser Zeit empfing er einen wesentlichen Teil seiner Lehre als direkte Offenbarung vom Herrn (Gal 1,11.12).

Paulus hat mehr als jede andere Einzelperson zur Verbreitung des Christentums im ganzen Römischen Reich beigetragen. Er unternahm drei Missionsreisen, die ihn durch weite Teile des Mittelmeerraums führten. Unermüdlich verkündete er das Evangelium, das er einst auszurotten versucht hatte (Apg 26,9). Als er nach Jerusalem zurückkehrte, wurde er von den Römern verhaftet (Apg 21,27-31). Nach zwei Jahren berief er sich auf sein Recht als römischer Staatsbürger und brachte seinen Fall vor den Kaiser in Rom (Apg 27 – 28). Dort wurde er vorübergehend freigelassen und konnte eine kurze Zeit lang dienen, wurde dann aber wieder in Haft gesetzt. Etwa 65-67 n. Chr. starb er in Rom den Märtyrertod.

Körperlich war Paulus zwar unscheinbar (vgl. 2Kor 10,10; Gal 4,14), doch hatte er durch die Kraft des Heiligen Geistes eine enorme innere Stärke (Phil 4,13). Die Gnade Gottes genügte seinen täglichen Bedürfnissen (2. Kor 12,9.10) und befähigte diesen herausragenden Diener Jesu, erfolgreich das Ziel seines geistlichen Laufs zu erreichen (2. Tim 4,7).

2. Paulus schreibt: »Darum, gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und so der Tod zu allen Menschen hindurchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben« (Römer 5,12). Was will er damit sagen?

Paulus’ Darlegung der andauernden Auswirkung der Sünde Adams (5,12-21) zählt zu den tiefgründigsten und bedeutendsten theologischen Abschnitten der Schrift. Er erklärt, wie der Tod eines einzelnen Menschen Rettung für viele bieten kann. Um seine Aussage zu beweisen, verweist er auf Adam und verdeutlicht somit die prinzipielle Möglichkeit, dass die Tat eines einzelnen Menschen unaufhaltsame Konsequenzen für viele andere hat.

Nicht eine bestimmte einzelne Sünde kam in die Welt, sondern die innewohnende Neigung zum Sündigen. So wurde der Mensch von Natur aus zum Sünder. Aufgrund seines ersten Ungehorsams vererbte Adam diese innere sündige Natur an alle seine Nachkommen. Diese Natur ist vom Augenblick der Empfängnis an gegenwärtig (Ps 51,5) und macht es dem Menschen somit unmöglich, auf Gott wohlgefällige Weise zu leben.

Als Adam sündigte, sündigte mit ihm die gesamte Menschheit in seinen Lenden (V. 18; vgl. Hebr 7,7-10). Da seine Sünde seine innere Natur umformte und zu geistlichem Tod und Verdorbenheit führte, wird diese sündige Natur auch an seine Nachkommenschaft durch Zeugung weitergereicht. Weil in den Lenden Adams bereits die gesamte Menschheit existierte, die durch Vererbung seinen gefallenen Zustand und seine Verdorbenheit übernahm, kann man sagen, dass in Adam alle gesündigt haben. Daher sind die Menschen nicht Sünder, weil sie sündigen, sondern vielmehr sündigen sie, weil sie Sünder sind.

3. Welche Art von Tod meint Paulus, wenn er in Röm 5,12 und 6,23 von Tod spricht?

In der biblischen Terminologie kann Tod drei Dinge bedeuten:

  • Geistlicher Tod oder Trennung von Gott (Eph 1,1 – 2,4.18)
  • Physischer Tod (Hebr 9,27)
  • Ewiger Tod (auch zweiter Tod genannt), das bedeutet nicht nur ewige Trennung von Gott, sondern auch ewige Qual im Feuersee (Offb 20,11-15).

Als die Sünde durch Adam in die Menschheit eindrang, brachte sie all die oben genannten Konsequenzen mit sich. Adam war ursprünglich nicht dem Tod unterworfen, aber durch seine Sünde wurde der Tod zu einer grausamen Tatsache für ihn und all seine Nachkommen. Tod, wie er in Röm 6,23 beschrieben wird, bezieht sich auf die oben aufgeführten Punkte 1. und 3. Dieser Vers bildet die Grundlage für zwei unumstössliche Prinzipien: 1) geistlicher Tod und ewige Trennung von Gott sind jedes Menschen Lohn für seine Sünde; 2) ewiges Leben ist ein unverdientes Geschenk Gottes an Sünder, die an seinen Sohn glauben (Eph 2,8-9).

4. Von welchem Standpunkt aus schreibt Paulus Römer 7,7-25?Beschreibt er seine eigenen Erfahrungen als Gläubiger oder Ungläubiger, oder bedient er sich einfach eines literarischen Stilmittels?

Paulus schreibt hier durchwegs in der Ich-Form, um anhand seiner eigenen Erfahrungen zu erläutern, was einerseits für die unerlöste Menschheit (7,7-12) und andererseits für echte Christen zutrifft (7,13-25). Einige Ausleger deuten diese Beschreibung der inneren Konflikte des Apostels als einen Erfahrungsbericht aus seinem Leben, bevor er zu Christus kam. Sie verweisen darauf, dass Paulus sich beschreibt als »unter die Sünde verkauft« (7,14), »nichts Gutes wohnt in ihm« (7,18) und er ist ein »elender Mensch«, gefangen in einem »Todesleib« (7,24). Diese Schilderung widerspricht scheinbar seiner Beschreibung des Gläubigen in Kap. 6 (vgl. V. 2.6, 7.11.17.18.22).

Wir sollten den Text so verstehen, dass Paulus hier über einen Gläubigen spricht. Dieser möchte dem Gesetz Gottes gehorchen und hasst seine Sünde (7,15.19.21); er erkennt demütig, dass in ihm als Mensch nichts Gutes wohnt (7,18); er sieht die Sünde in sich, aber sie ist nicht alles, was in ihm ist (7,17.20-22); und er dient Jesus Christus mit seinem Sinn (7,25). Paulus hat bereits gezeigt, dass keine dieser Eigenschaften jemals auf einen Unerretteten zutrifft (vgl. 1,18-21.32; 3,10-20). Dass Paulus in 7,14-25 das Präsens verwendet, ist ein starkes Indiz dafür, dass er sein gegenwärtiges Leben als Christ beschreibt. Aus diesen Gründen scheint es sicher zu sein, dass Kap. 7 einen Gläubigen beschreibt.

Doch auch unter denen, die sich in dieser Auffassung einig sind, gibt es Meinungsverschiedenheiten. Einige sehen in der beschriebenen Person einen fleischlichen Christen unter dem Einfluss alter Gewohnheiten, andere einen gesetzlichen Gläubigen, der enttäuscht ist von seinen vergeblichen Versuchen, durch das Einhalten des mosaischen Gesetzes Gott aus eigener Kraft zu gefallen. Aber das Personalpronomen »ich« bezieht sich auf Paulus selbst, der ein Vorbild an geistlicher Gesundheit und Reife war. So muss 7,14-25 also eine Beschreibung aller Christen sein – einschliesslich der geistlichsten und reifsten. Wenn sie sich im Licht des gerechten Massstabs des Gesetzes Gottes aufrichtig selber prüfen, erkennen sie, wie weit sie von diesem Massstab entfernt sind. Paulus gesteht sein diesbezügliches Versagen in einer Reihe von vier Wehklagen ein (7,14-17.18-20.21-25).

5. Was hat es mit dem von Paulus geschilderten Prozess in Römer 8,28-30 und 9,6-29 auf sich? Was lehren uns Worte wie berufen, zuvor erkannt, vorherbestimmt und erwählt hinsichtlich unserer Stellung vor Gott?

Mit diesen Begriffen offenbart Gott seine göttliche Rolle bei der Errettung auf menschlich verständliche Weise. Paulus’ Beschreibung ist eine Beleidigung für den menschlichen Verstand, da unser Mitwirken auf ein Minimum reduziert wird. Doch nur diejenigen, die ihre völlige Hilflosigkeit angesichts der Sünde erkannt haben, werden in der Lage sein, Gottes gnädiges Wirken zu schätzen, indem er uns erwählt hat vor Grundlegung der Welt. Wir können Gott nie überraschen, er ist uns immer meilenweit voraus. »Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren« (Röm 5,8).

Der Begriff »Zuvor ersehen« (8,29) meint nicht nur Gottes Allwissenheit, d.h., dass er in der ewigen Vergangenheit wusste, wer zu Christus kommen würde. Vielmehr meint er, dass Gott durch eine Auswahl vorherbestimmt. Gott hat vorherbestimmt, uns zu lieben und eine innige Gemeinschaft mit ihm zu haben. »Auserwählt« (9,11) bezieht sich auf dasselbe Handeln Gottes (1. Pt 1,1 – 2,20). Die Errettung hat ihren Ursprung nicht in der Wahl des Menschen. Sogar der Glaube ist eine Geschenk Gottes (Röm 1,16; Joh 6,37; Eph 2,8-9). »Vorherbestimmt« heisst wörtl. »markieren«, »einsetzen« oder »vorher bestimmen«. Wen Gott auserwählt hat, den bestimmt er auch zu seinen erwählten Zielen, nämlichen seinem Sohn gleich zu sein (s. Anm. zu Eph 1,4.5.11). Das Ziel von Gottes vorherbestimmtem Ratschluss für die Seinen ist es, dass sie Jesus Christus gleich gemacht werden.

Die Tatsache unserer Sicherheit und Stellung vor Gott liegt einzig und allein im Wesen und der Entscheidung Gottes begründet. Wir haben damit nichts zu tun. Paulus beendet seine Lehre über die Sicherheit des Gläubigen in Christus mit einem Crescendo von Fragen und Antworten, mit denen er auf die Sorgen eingeht, die seinen Leser womöglich immer noch zu schaffen machten. »Wer will uns scheiden von der Liebe des Christus? Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blösse oder Gefahr oder Schwert?« bildet den absoluten Höhepunkt (Röm 8,35). Das Ergebnis ist ein geradezu poetischer Lobpreis auf die Gnade Gottes, die völliges Heil zu allen brachte, die auserwählt sind und glauben. Es ist ein feierliches Lied auf die ewige Sicherheit in Christus.

Kurzstudium zum Brief an die Römer/einige Fragen

  • Welches sind die Hauptthemen, die Paulus uns im ersten Kapitel vorstellt?
  • Wie behandelt Paulus das Thema der Sünde? Zum einen hinsichtlich der Auswirkungen auf dein persönliches Leben und zum anderen in Bezug auf die gesamte Welt?
  • In welchem Sinne bilden die folgenden Verse (3,23; 5,8; 6,23; 10,9.10) eine Zusammenfassung des Evangeliums, wie wir es in Römer 1,16 finden?
  • Wodurch unterscheiden sich die letzten fünf Kapitel des Römerbriefs von den ersten elf?
  • Welches waren die Schlüsselworte im Römerbrief, die Zeit erforderten, um richtig verstanden zu werden?
  • Fasse zusammen, was Paulus im Römerbrief hinsichtlich des Wesens und Wirkens Gottes schildert!
  • Hat der Römerbrief dein persönliches Leben verändert? Wenn ja, wie?
Fortsetzung: 1. Korinther

Autor: John MacArthur
Quelle: Basisinformationen zur Bibel

Glaubensfragen & Lebenshilfe

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