Samuel, ein Mann Gottes

Kraft von oben ist nicht alles…

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Warum hast du nicht auf die Stimme Jahwes gehört...?
…es kommt auch auf den Charakter an. Und der beweist sich in Prüfungen. Mit König Saul erlebt Samuel dies hautnah.

Samuel, der Mann Gottes, ist Gold wert. Mit ihm sind die Israeliten über Jahrzehnte gut gefahren. Uneigennützig hat er seine Autorität, die auf dem direkten Draht zu Jahwe (1) beruht, zum Wohl des Volkes eingesetzt. Es war Frieden im Land. Samuel hat den Glauben der Leute auf Jahwe ausgerichtet und unbestechlich Gericht gehalten (2). Das Joch der lange übermächtigen Nachbarn, der Philister, drückt nicht mehr so hart (3).

Wider Willen

Doch Samuel ist alt geworden (4). Wie seine Kräfte nachlassen, braut sich eine neue Gefahr zusammen. Nachasch, der Herrscher der Ammoniter, der Nachbar im Osten, stellt die Solidarität der israelitischen Stämme auf die Probe. Wie ernst er es meint, zeigt die wilde Drohung gegen die nächstgelegene Stadt (5). Die Stämme haben in dieser Lage einen König gefordert, und Samuel hat – durchaus widerwillig – den jungen Saul als Herrscher gesalbt und eingesetzt. „Ihr habt euren Gott verworfen“, urteilt er über die Stämme, um auch wieder zu mahnen: „Dient Jahwe von ganzem Herzen!“ (6).

Widerwilliger Prophet, nachgiebiger Gott

Gott will dreinreden

Wie kann Saul, als Herrscher gänzlich unerfahren, sein Amt führen? (7) Samuel gibt ihm klare Weisungen, lässt aber auch vieles offen. „Tu, was dir vor die Hände kommt, denn Gott ist mir dir“, ermutigt er ihn – doch Saul wird gewisse Dinge zu beachten haben. Namentlich muss er bereit sein, auf Gottes Weisung durch Samuel zu warten und sie zu befolgen (8). Dies gerade auch angesichts der Tatsache, dass Gottes Geist ihn umtreibt und zu aussergewöhnlichen, ja überragenden Taten befähigt (9).

Ein glänzender Sieg

Nachasch holt sich eine blutige Nase: Mit einem glänzenden Sieg über die Ammoniter festigt Saul seine Stellung entscheidend (10). Samuel kann in Pension gehen. Der nächste Konflikt, der sich Jahre später entwickelt, fordert ungleich mehr Mut und Durchhaltewillen: Die Philister im Küstenstreifen sind den Israeliten waffentechnisch haushoch überlegen (11). Verwegen ist, wer sie herausfordert. Das geschieht mit einer Guerillaaktion, ausgeführt von Jonathan, dem Sohn Sauls (12). Die Provokation bringt das Fass zum Überlaufen. Die Philister rüsten zur Schlacht, um dem Emporkömmling den Meister zu zeigen und die israelitischen Freiheitsgelüste zu knicken.

Sieben Tage…

Samuel hat sich bei Saul angemeldet. Der König soll sieben Tage warten. Samuel will Gott mit einem Opfer anrufen, auf ihn hören und dann seinen Willen Saul darlegen. Darauf kommt es an – gerade wenn der König unter grossem Druck steht. Saul wartet und wartet – die sieben Tage werden ihm sehr lang (13). Warum kommt der alte Prophet nicht? Die Spannung steigt; das Heer der Philister ist unterwegs. Saul brennt darauf zu handeln; die Leute wollen kämpfen. Die ersten, der Untätigkeit des Königs überdrüssig, laufen weg – Alarm!

Nun nimmt Saul die Angelegenheit in die Hand. Er opfert selbst. Kaum hat er getan, wird ihm die Ankunft Samuels gemeldet. Saul geht ihm entgegen – und Samuel wirft ihm gleich die Frage an den Kopf: „Was hast du getan?“ Saul erklärt seine Motive. Samuel verurteilt das Vorgehen. Saul hat das von Gott Gebotene nicht getan, bei diesem entscheidenden Test versagt. Er eröffnet ihm: „Nun wird dein Königtum keinen Bestand haben – weil du nicht gehalten hast, was dir der Herr geboten hat“ (14).

Sensation

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...auf ihn hören und dann seinen Willen Saul darlegen.
Dem verunsicherten König schwant Schlimmes. Seine Soldaten verkriechen sich in die Berge. Doch Jonathan bringt mit einer nicht ebenso spontanen wie kühnen Einzelaktion die Philister aus dem Konzept. Ein Erdbeben bringt das Heer zusätzlich durcheinander; Mann wendet sich gegen Mann. In der Schlacht siegen die Israeliten. Eine Sensation! Denn die Philister sind und bleiben militärisch überlegen (15).

Lust auf Beute…

Auch Nachbarn im Süden und Osten lauern darauf, das Land auszuplündern und den Israeliten die Ernten zu rauben. Saul gewinnt zahlreiche Schlachten (16). Der Lust auf Beute, die seine Kämpfer dabei entwickeln, will er sich nicht ganz verschliessen. (Für ihn fällt der Löwenanteil ab.) Mit dem ausdrücklichen Verbot Samuels, bei den Amalekitern Beute zu machen, nimmt es der König deswegen nicht so genau. Die starken Tiere, die sie erbeuten, wollen die Israeliten mit nach Hause nehmen. Auch mit dem Amalekiter-Herrscher verfährt Saul nicht, wie Samuel es angeordnet hat (17).

Das nächste Treffen der beiden verläuft nicht nach dem Geschmack des Königs. Samuel hört das Blöken und Brüllen von Schafen und Rindern – es bestätigt, was Gott ihm in der Nacht zuvor offenbart hat: dass Saul seine Weisungen missachtet und sich des Amts nicht würdig erwiesen hat. „Er hat sich von mir abgewandt“, hat Samuel gehört.

…statt Gehorsam

Mit dem ganzen Zorn, dessen ein frustrierter Gottesmann fähig ist, fährt er den König, als er ihn trifft, an: „Warum hast du nicht auf die Stimme Jahwes gehört und bist mit Geschrei über die Beute hergefallen und hast getan, was böse ist in den Augen Jahwes?!“ Sauls hohle Rechtfertigungsversuche (das Volk wolle die Tiere Gott opfern) erledigt Samuel mit dem Satz: „Gehorsam ist besser als Schlachtopfer; besser als das Fett von Widdern ist es, achtsam zu sein. Ob Wahrsagerei oder Widerspenstigkeit – beides ist Sünde… Weil du das Wort Jahwes verworfen hast, hat er dich verworfen, so dass du nicht mehr König bist“ (18).

Es ist das letzte Treffen von Saul und Samuel. Der Prophet hat dem König nichts mehr zu sagen. Ein anderer Mann, dessen Herz darauf gerichtet ist, Gottes Willen zu erkennen und zu tun, soll an seine Stelle treten (19). Damit verdüstert sich für Saul der Horizont und ein Konflikt zeichnet sich ab, der das Land während Jahren in Atem halten wird.

(1) In der Bibel ist Jahwe der Name, mit dem sich Gott zuerst Mose und dann den Israeliten als Volk offenbart und einen Bund mit ihnen geschlossen hat, 2. Mose, Kapitel 3 und 19. Mose war Prophet Gottes, sein Sprachrohr gegenüber seinem Volk, Mittler des Bundes und Richter; Samuel ist Prophet, im Hören auf Gottes Reden, und Richter. Ausführlich erzählt die Bibel, wie Samuel auf Gott hören lernte, 1. Samuel 1-3.
(2) 1. Samuel 7,2.3. Seine Söhne, die er im Alter an seiner Stelle amten lässt, sind nicht aus seinem Holz geschnitzt. Sie werden am Vater gemessen und wegen Bestechlichkeit abgelehnt, 8,3.
(3) 7,13
(4) 8,1
(5) Nachasch will in der Stadt Jabesch in Gilead „jedem das rechte Auge ausstechen und damit über ganz Israel Schande bringen“, 11,2.
(6) 10,19 und 12,20
(7) Dass die Bibel keine Übermenschen kreiert, keine Legenden webt, zeigt sich im Portrait Sauls eindrücklich. Der junge Mann fürchtet sich zuerst ganz einfach vor dem Amt, in das er von einer Stunde auf die andere katapultiert worden ist. Als er aufgerufen wird, vor das Volk zu treten, versteckt er sich, 10,21-23.
(8) 10,7.8
(9) Saul wird durch den Geist „ein anderer Mensch“, 10,6; er hat sich zeitweise nicht unter Kontrolle, 10,10; er schafft es, mit einem Kraftakt das ganze Volk zu mobilisieren, 11,6.7.
(10) 11,11-15
(11) 13,5.19.22
(12) 13,3
(13) Wie viel Zeit zwischen 10,8 und 13,8 liegt, ist unklar.
(14) der dramatische Wortwechsel in 13,11-14.
(15) 14,20-46
(16) 14,47.48
(17) 15,1-9. Die Weisung, den König zu töten, ist zu sehen von den früheren Erfahrungen her: Der Stamm hatte die Israeliten heimtückisch angegriffen, als sie eben Ägypten verlassen hatten, und Gottes Gerichtsurteil auf sich herabgerufen, 2. Mose 17,8-16.
(18) 15,10-23
(19) 13,14 – die Konsequenz ist die Salbung Davids zum König, 16,13.


Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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