Unsere Wurzeln

Wie die Bibel die Schweiz prägte

Der Einfluss der Bibel auf die Geschichte der Schweiz, auf Kultur, Gesellschaft und Staat, kann kaum eingeschätzt werden. Sicher ist: Die Bibel prägte die Schweiz wie wohl wenig andere Länder der Welt und kam den Menschen vielfältig zugute.

Im Gebiet der heutigen Schweiz gab es schon in der römischen Antike Spuren christlichen Glaubens. In Gräbern hat man Gürtelschnallen mit christlichen Symbolen gefunden. Im Mittelalter gehörte das Abschreiben von Bibeln zu den am höchsten geachteten Tätigkeiten. Weil die Bibel in Schulen laut gelesen wurde, konnten frühere Generationen - verschont von medialer Überreizung - sich die Worte besser einprägen. Biblische Texte dienten als Fibeln, mit denen Kinder lesen lernten.

Buchdruck begünstigte Verbreitung

Vor der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg um 1440 wurde buchstäblich Alles von Hand geschrieben; Koloristen und Illustratoren verschönerten die Bibel. Die ersten gedruckten Bibeln kosteten mehr als ein Bauernhof.

Die erste Bibel in der Schweiz wurde ums Jahr 1468 in Basel gedruckt. Es gab «Armenbibeln», in denen alt- und neutestamentliche Texte zusammengestellt wurden. Basel entwickelte sich nach dem Kirchenkonzil im 15. und 16. Jahrhundertes zu einem Zentrum der Arbeit an der Bibel und auch des aufkommenden Buchdrucks.

Ein markantes Datum ist das griechisch-lateinische Neue Testament, das vom Humanisten und Sprachgenie Erasmus fertiggestellt und vom geschäftstüchtigen Basler Drucker Froben 1516 verlegt wurde.

Prägend in der Reformationszeit

Der Zürcher Reformator Huldrich Zwingli lernte die Kraft des Evangeliums durch das fleissige Abschreiben von ganzen Paulus-Briefen im griechischen Original kennen. Die Reformatoren erlebten es in besonderem Mass: «Es geht niemand mit dem Wort der Bibel um, ohne dass er von ihr geprägt wird».

Die Schweizer Stände, die reformiert wurden, anerkannten die Bibel als massgebend für ihr Gemeinwesen. So bezeichnet die Reformationsordnung Basels, das neue Grundgesetz vom 1. April 1529, die Heilige Schrift als «wahre Seelenspeise», die verkündigt werden solle, damit die Hörer «lernen zu glauben». In der Reformationszeit wurde die Bibel auch deshalb ein Schlager, weil man sie für die Gestaltung des öffentlichen Lebens zu Rate zog. Nicht nur in Zürich legte man Wert darauf, sie jeden Tag in der Kirche auszulegen.

Bibel-Rivalitäten unter den Alten Orten

Lange bevor es Kantone gab, zeigte sich der helvetische «Kantönli-Geist» schon in der Wahl verschiedener Bibel-Übersetzungen. Als die Zürcher unter Bullinger ihre Version herausbrachten und Basel die Fassung von Olivetan akzeptierte, suchten die Berner ihre eigene Übersetzung und fanden sie bei einem in Herborn lehrenden Theologen namens Fischer (latinisiert: Piscator). Die Arbeit an der Bibel bedeutete in unseren Breitengraden eine intensive Pflege der Sprache, wie auch verschiedene rätoromanische Übersetzungen zeigen.

Anstösse durch Pietisten und Bibelgesellschaften

Die Pietisten legten die Betonung aufs Bibellesen daheim, in frommen Kreisen. Die Bibel wurde nach 1700 eher erschwinglich und infolge des Pietismus zunehmend auch ausserhalb des Gottesdiensts, im privaten Umfeld, gelesen und diskutiert. Später wurde der Rollendruck erfunden, was die Bibeln verbilligte. Starke Anstösse zur Bibelverbreitung in der Schweiz gab es im 19. Jahrhundert, nachdem die Französische Revolution die Alte Ordnung erschüttert hatte.

In der Schweiz kam es zur Gründung kantonaler Bibelgesellschaften; noch heute gibt es neben ihrem Schweizerischen Zusammenschluss (erst 1955!) die private Genfer Bibelgesellschaft, und die Zürcher reformierte Landeskirche gibt die Zürcher Bibel in eigener Regie heraus. Die ersten Familienbibeln stammen aus dem 18. Jahrhundert; die Bibelgesellschaften förderten den Brauch, zur Trauung dem Paar eine Familienbibel zu schenken. Sie hatten das Bestreben, in alle Haushaltungen eine Bibel zu geben.

Diesem Ziel verpflichtet war auch der bedeutende katholische Reformer Ignaz Heinrich von Wessenberg in Konstanz. An der in den 1820-er Jahren neugegründeten katholischen theologischen Fakultät von Luzern richteten zwei Professoren für die Studenten ein Bibeldepot ein, das von Basel aufgefüllt wurde. Der spätere Chrischona-Gründer Christian Friedrich Spittler war in Basel die treibende Kraft hinter der Bibelverbreitung; er setzte sich dafür ein, dass auch durchziehenden fremden Soldaten die Heilige Schrift in ihrer Sprache abgegeben wurde.

Tipps zum Bibellesen


Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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