Gebote

Leitplanken fürs Leben

Die persönliche Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung gehören zu den grössten Gütern unseres Lebens. Niemand lässt sich gerne vorschreiben, was er oder sie zu tun oder zu lassen hat. Vielleicht lässt man sich noch beraten oder «coachen», aber entscheiden, das möchte man schon selbst. Das ist gut so und in unserer zusehends schneller und komplexer werdenden Welt auch notwendig.
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Welchen Wert hat es denn heute noch, einen Text wie die Zehn Gebote, überhaupt noch zu beachten. Löst das stereotype «Du sollst» nicht Abwehr aus? Schränken Ge- und Verbote nicht die persönliche Freiheit und Autonomie ein?

Wenngleich einem die Zehn Gebote vermutlich inhaltlich noch einleuchten mögen, so stellt die Formulierung unsere moderne Sichtweise doch in Frage. Dabei wird etwas Wesentliches übersehen. Die Gebote sind eine Antwort. Und zwar auf das Handeln Gottes, das dem Bundesschluss vorausgeht. Gott hat sein Volk aus der Sklaverei geführt und in die Freiheit gebracht. Die Gebote sind die Reaktion auf dieses Geschehen, dass sich dem Volk Israel so tief eingegraben hat, dass es die grosse Erfahrung der biblischen Menschen ist. Gott befreit und führt sein Volk.

Wenn man versucht, von dieser Urerfahrung die Brücke zu uns heutigen Menschen zu schlagen, dann muss zuerst nach dem «Ägypten» unserer Tage gefragt werden. Was versklavt uns, wo sind wir in Gefangenschaft und Frondienst? Beispiele lassen sich je nach Lebensumständen viele finden: Zeit- und Termindruck, Leistungsdruck, Konsumzwang, Modediktat, Anpassungsdruck an vorgegebene Normen, Unterordnung unter «heilige» Hierarchien und so weiter.

Gott will uns aus diesen Zwängen befreien. Wenn wir die Erfahrung machen können, dass er der Herr unseres Lebens ist, dann fällt es leichter, die Gebote zu akzeptieren, die in seinem Reich gelten. Dann wird aus dem «Du sollst» ein «Du wirst nicht». Wenn Gott mein Leben gestaltet, dann werde ich nicht lügen, töten, stehlen und mit all diesen Verhaltensweisen mich und andere schädigen.

Wenn ich mich als Mensch mit Gott auf den Weg mache, wenn ich ja sage, aus der tiefen Überzeugung heraus, dass dieser Gott es gut mit mir meint, dass er mein Leben fördern will, dann erscheinen die zehn Gebote weniger drohend und einengend, sondern eher wie Leitplanken auf unserer Lebensreise. Leitplanken helfen, dass der Weg gerade verläuft und man nicht in das eine oder andere Extrem abrutscht. An diesen Orientierungspunkten kann man sich ausrichten und den nicht einfachen Weg als Mensch gehen.

Zum Thema:
Jesus als «Leitplanke» kennenlernen


Autor: Stephan Brunner
Quelle: Kipa

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