Propheten der Bibel

Hosea - Gott liebt und richtet sein Volk

Statt ihrem Gott Jahwe treu zu sein, laufen die Israeliten anderen Göttern nach. Als Jahwes Prophet prangert Hosea dies an. Er tut dies – eigenartig originell – nicht nur mit Worten, sondern indem er Gomer, eine Hure, heiratet. Denn Jahwe ist zornig wie ein Ehemann, dessen Liebe nicht erwidert wird.
Wenn die Liebe nicht erwidert wird ...

Die Namen der mit Gomer gezeugten Kinder deuten auf Gericht. Beim dritten sagt Jahwe: «Gib ihm den Namen Lo-Ammi, denn ihr seid nicht mein Volk, und ich gehöre nicht zu euch!» (Die Bibel, Hosea, Kapitel 1, Vers 9). Gott wird den schändlichen religiösen Ehebruch aufdecken: «Sie selbst werde ich heimsuchen der Tage der Baale wegen, da sie ihnen Rauchopfer dargebracht hat… und ihren Liebhabern nachgelaufen ist – mich aber hat sie vergessen!» (2,15).

Es kommt der Tag…

Doch es kommt der Tag des Erbarmens Jahwes, an dem er Israel und Juda, das Nord- und das Südreich, als ein Volk zusammenfügt (2,2). Er wird die frühere Liebesbeziehung wiederherstellen – wie eine unauflösliche Verlobung: «An jenem Tag wirst du sagen: Mein Mann!, und du wirst nicht mehr zu mir sagen: Mein Baal!» (2,18.21). Bevor die Israeliten Jahwe wieder suchen, werden sie lange ohne eigenen Staat und Kult sein (3,4.5). Von ihm gestraft, werden sie schliesslich zu ihm umkehren (6,1-3).

Land ohne Gott

Hosea klagt das Volk an: «Jahwe hat einen Rechtsstreit mit den Bewohnern des Landes, denn es gibt keine Wahrhaftigkeit und keine Treue und keine Gotteserkenntnis im Land! Verfluchen und Lügen und Töten und Stehlen und Ehebrechen haben sich ausgebreitet, und Blutschuld reiht sich an Blutschuld!» (4,1-2). Auch Aberglaube: «Mein Volk – es befragt seinen Baum, und sein Stab soll ihm Auskunft geben» (4,12).

Spiel der Treulosen

Die Priester und die Herrscherhäuser kommen an den Pranger: «Du hast die Erkenntnis verworfen, und nun verwerfe ich dich, so dass du nicht mehr Priester bist für mich!» (4,6). «Die Fürsten von Juda sind denen gleich geworden, die Grenzen verrücken, wie Wasser werde ich meinen Zorn ausgiessen über sie» (5,10). Gott will, dass seine Menschen ihm treu sind und ihn erkennen – nicht mit aufwändigem Gottesdienst gottloses Treiben überspielen (6,6) oder sich fremden Mächten an den Hals werfen (7,11). «Wehe ihnen, denn sie sind vor mir geflohen! Verwüstung über sie, denn sie haben mit mir gebrochen!» (7,13).

«Israel hat das Gute verworfen, der Feind wird es verfolgen» (8,3). «Sie werden nicht im Land Jahwes bleiben», sondern nach Ägypten zurückkehren und in Mesopotamien Unreines essen müssen (9,3). Hosea wird fast verrückt ob der enormen Schuld der Israeliten (9,7). «Alle ihre Fürsten sind störrisch! Efraim (der grösste Stamm des Nordreichs) ist geschlagen, ihre Wurzel ist verdorrt, sie bringen keine Frucht» (9,15.16).

Abwegiger Staatskult

Staatsideologie und Kult des Nordreichs Israel, die Genusssucht der Oberschicht und soziale Ungerechtigkeit werden von Hosea angeprangert, denn sie sind miteinander Ausdruck der Untreue, des Weglaufens von Jahwe. Israel, das nach Salomo mit dem Jerusalemer Herrscherhaus brach, wird untergehen samt dem Kult, den ihm seine in Samaria residierenden Herrscher verordneten. «Vernichtet ist Samaria, sein König – wie Schaum auf dem Wasser! Und die Kulthöhen von Awen werden zerstört, die Sünde Israels» (10,7,8). 

Gott liebt sein Volk noch

Indem er Gericht ansagt, ruft Hosea zur Umkehr auf: «Sät für euch, wie es der Gerechtigkeit entspricht, erntet nach Massgabe der Gnade! Es ist an der Zeit, Jahwe zu suchen, bis er kommt, um Gerechtigkeit auf euch regnen zu lassen» (10,12). Jahwe kommt nicht von seinem Volk los, das er einst aus Ägypten befreite, damit es für ihn lebe. «Als Israel jung war, habe ich es geliebt, und ich rief meinen Sohn aus Ägypten» (11,1). Der Abfall hebt Gottes Liebe nicht auf: «Wie könnte ich dich preisgeben, Efraim, wie dich ausliefern, Israel? … Mein Herz sträubt sich, all mein Mitleid ist erregt» (11,8).

Jagen nach Wind

Der Wohlstand, mit dem sich Efraim und das ganze Nordreich in Hoseas Zeit, dem 8. Jahrhundert vor Christus, brüstet, verhindert eine Umkehr: «Wie reich bin ich geworden! Ich habe mir ein Vermögen verschafft. Bei all meinem Erwerb wird man keine Schuld an mir finden, die Sünde wäre» (12,9). Gott sieht es anders: «Efraim hat mich umzingelt mit Lüge, … weidet Wind und jagt dem Ostwind nach, den ganzen Tag mehrt es Lüge und Gewalttat» (12,1.2). «Es hat dich zugrunde gerichtet, Israel, dass du gegen mich, deine Hilfe, bist. Samaria wird büssen, dass es widerspenstig war gegen seinen Gott» (13,9; 14,1).

Heilung verheissen

Hosea ruft zur Umkehr: «Kehre zurück, Israel, zu Jahwe, deinem Gott! Denn durch deine Schuld bist du zu Fall gekommen» (14,1). Wenn sich Volk und Herrscher wieder ihm zuwenden, wird Jahwe «ihre Abtrünnigkeit heilen» und sie segnen. «Ich werde für Israel sein wie der Tau, und es wird sprossen wie die Lilie» (14,5.6). Der Prophet endet mit einer Mahnung (14,10): «Die Wege Jahwes sind gerade, und die Gerechten gehen auf ihnen, aber die sich vergehen, kommen auf ihnen zu Fall.»

Fazit: Umkehr ist möglich – und dringend geboten.

Lesen Sie am Mittwoch den nächsten Text der Reihe «Propheten in der Bibel».

In dieser Reihe:
Micha - Gott sorgt für sein Recht

Datum: 27.12.2010
Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

Verwandte News
Werbung
Werbung
Livenet Service