Altes Testament taufrisch: Karriere nach dem Knick

Zoom
Jenseits des Toten Meeres lebten die Nachbarstämme und gierten nach den Schätzen Judas.
Erfolgreicher könnte er kaum sein: Seinem Land hat König Joschafat Frieden und Wohlstand verschafft (siehe 1. Teil) . Gott segnet ihn offensichtlich. Aber nun steht er wegen eines Bündnisses mit dem nördlichen Nachbarn in der Pflicht – und tut, was ihm gar nicht geheuer ist: Er zieht mit König Ahab in den Krieg.

Joschafat, Herrscher von Jerusalem, hat in Ahabs Hauptstadt Samaria noch durchgesetzt, dass nach den 400 Hofpropheten, die vollmundig Sieg künden, auch ein glaubwürdiger, von Gott Jahwe inspirierter Seher befragt wird. Dieser hat Ahab schliesslich den Untergang prophezeit. Was nun? Soll Joschafat dem in Jerusalem verehrten Gott Glauben schenken, mehr als Ahabs Höflingen, die ihm und seiner heidnischen Gattin Isebel nach dem Mund reden? Der König von Samaria will das Gesicht nicht verlieren.

Ramot soll zurückerobert werden, die bedeutende Stadt in Gilead jenseits des Jordanflusses, welche die Syrer besetzt haben. Vom Prophetenwort erschüttert, verkleidet sich Ahab für die Schlacht. Doch der Pfeil eines Bogenschützen verwundet ihn tödlich. Joschafat hingegen, als Herrscher erkennbar, wird eingekreist. In höchster Gefahr schreit er, Jahwe möge ihm helfen – und entkommt dem Gemetzel.

Entkommen

Der Schock über diesen ‚Ausflug’ sitzt tief. Zurück in Jerusalem, hat Joschafat es mit seiner Schwiegertochter Atalja zu tun. Sie verbreitet nach dem Tod ihres Vaters Ahab mehr von der Aura ihrer herrschüchtigen Mutter. Doch die Regierungsgeschäfte rufen ihn. Nach mehreren Reisen durch sein Land ordnet Joschafat die Rechtsprechung neu – ein weiterer Markstein seiner Herrschaft

In allen Städten setzt er Richter ein, die er ausdrücklich vor Bestechlichkeit warnt: „Nicht für Menschen richtet ihr, sondern für Jahwe!“ In Jerusalem schafft er zwei Gerichte und bestimmt, dass der Hohepriester Amarja Rekurse zu religiösen Streitfragen entscheidet, der Fürst Sebadja verwaltungsrechtliche Rekurse. Diese Massnahmen fördern die Gerechtigkeit im Land.

Invasion

Unvermittelt droht eine Invasion an der nicht befestigten Wüstengrenze. Die jenseits des Toten Meeres lebenden Nachbarstämme gieren nach den Schätzen Judas. Ihr Heer befindet sich bereits diesseits des Salzmeeres, wenige Tagesmärsche vor Jerusalem. Was tun? Die Invasion hat Joschafat auf dem falschen Fuss erwischt. Hätte er aggressive Aussenpolitik treiben sollen, statt sich der Justiz zu widmen? Er steht vor dem härtesten Test.

Vertreter der Bevölkerung eilen nach Jerusalem. Vor ihnen macht der König klar, wer hier noch helfen kann: Er betet zu dem Gott der Israeliten. „Jahwe, Gott unserer Vorfahren, bist du nicht der Gott im Himmel und der, der über alle Königtümer der Nationen herrscht? In deiner Hand sind Kraft und Macht, und niemand kann dir standhalten.“ Der König bittet Jahwe, die Feinde zu richten – im Wissen, dass ihm die Truppen dafür fehlen. „Wir wissen nicht, was wir tun sollen – auf dich sind unsere Augen gerichtet.“

Hilfeschrei und Antwort

Mitten in der Versammlung beginnt ein Mann zu sprechen. Er hat eine Weisung von Jahwe: Die Männer von Juda sollen morgen in die Wüste hinabziehen, nach Ziz, dem feindlichen Heer entgegen – aber nicht um zu kämpfen, sondern um zu schauen, was Jahwe tun wird! Im Unterschied zu Ahab befolgt Joschafat die Weisung aus Prophetenmund.

Am nächsten Morgen verlässt eine Schar Jerusalem, voran eine Gruppe von Sängern, die den Gott laut loben, der sich so eindeutig kundtut. Sie gelangt nach Ziz – und da liegen nur Leichen. In der Koalition der Wüstenstämme gewann Misstrauen die Oberhand; die Kämpfer haben das Schwert gegeneinander gerichtet, die Überlebenden das Weite gesucht. Dem König wird eine gewaltige Beute gemeldet – offensichtlich wollten sich die Krieger in Juda häuslich einrichten.

Ehrgeiz

Der Triumph Jahwes sichert König Joschafat einen besonderen Platz in der Geschichte seines Volks. Weitherum erzählt man davon; das kleine Land Juda wird nicht mehr angegriffen.

So verläuft der Rest der 25jährigen Herrschaft Joschafats in ruhigen Bahnen und erfolgreich. Mit einer Ausnahme: Juda ist ein Hügelland, bewohnt von Bauern. In Joschafat reift ein ehrgeiziger Plan: eine Handelsflotte aufzubauen, die das Rote Meer befahren und dem Kleinstaat einen Anteil am orientalischen Goldhandel sichern soll. Er tut sich dafür mit Ahabs Sohn und Nachfolger Ahasja zusammen. Erneut erhebt ein Prophet Einspruch. Joschafat lässt nicht ab vom Vorhaben – und es scheitert. Die Schiffe kentern.

Joschafats Weisheit und Frömmigkeit beeindruckt das Volk. Alle wissen, dass Jahwe sein einziger Gott ist. Im Land aber halten sich trotz Massnahmen des Königs, die er zu Beginn seiner Herrschaft ergriff, weitere Kulte; die Leute opfern auch anderen Gottheiten. In der künftigen Königin Atalja haben sie eine Verbündete – am Horizont ziehen dunkle Wolken auf.

Die Bibel erzählt von Joschafat in 1.Könige, Kapitel 22 und 2.Chronik, Kapitel 17-21.


Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Information

Anzeige