Gottesbegegnung im Knast

«Alles ist vergeben»

Sein Leben war ein Trümmerhaufen: Er nahm Drogen, hatte keine Arbeit und lebte auf der Strasse. In sich fühlte er einen unbändigen Hass gegen alle Menschen und litt unter Schuldgefühlen, die ihn fest im Griff hatten. Der Niederländer Jacques Vermeulen ging durch viele Lebenskrisen, erlebte aber auch Hilfe durch Christen und durch Gottes Eingreifen.

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Jacques Vermeulen
Als Ältester von sieben Kindern wuchs er mit Eltern auf, die beide alkoholabhängig waren. Gewalt und Misshandlung waren Alltag zuhause. «Ich bin in Angst gross geworden», erzählt Jacques. Zudem machte er sich Vorwürfe, weil er seine jüngeren Geschwister nicht vor seinen Eltern schützen konnte. Die damit verbundenen Schuldgefühle waren eine kaum erträgliche Belastung, Alpträume und Flashbacks begleiteten ihn über viele Jahre.

Als sein Leben am Zerbrechen war, wusste er keinen anderen Weg als zur Polizei zu gehen. Er hatte zwar «nur» ein Schaufenster eingeworfen und gestohlen, doch er zeigte sich wegen der Vergehen selbst an. Er bezichtigte sich noch weiterer Straftaten, um Hilfe zu bekommen.

Wärter, die von ihrem Glauben erzählen

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Jacques Vermeulen
Im Gefängnis sprachen zwei Wärter mit ihm, die beide Christen waren. Sie redeten über ihren Glauben, schenkten ihm eine Bibel und sorgten dafür, dass Menschen aus ihrer Gemeinde ihn einmal die Woche besuchten. Ausserdem bekam er jeden Tag eine Karte von einem Gemeindemitglied. Das erste Mal in seinem Leben, erlebte Jacques, dass Menschen sich um ihn kümmerten, und zwar Menschen, die ihn nicht einmal kannten.

«Glaube mir, alles ist vergeben»

Die Worte einer Karte berührten ihn besonders. Dort hiess es: «Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen.» (Die Bibel, Matthäus-Evangelium, Kapitel 11, Vers 28) Auf diese Worte hin, legte er sein Leben in Gottes Hand und bat um Vergebung. Er sagte Gott alles, was ihm an Schuld einfiel. Drei Wochen lang war das Gebet um Vergebung sein ernsthaftes Gebet.

An einem Abend passierte es. Er hörte hinter sich eine Stimme, die zu ihm sagte: «Glaube mir, alles ist vergeben.» Jacques berichtet, dass er diesen Satz nicht nur gedacht, sondern wirklich gehört hat. In diesem Moment kam eine grosse Ruhe über ihn. «Es war eine unglaubliche Ruhe. Das Wissen, es ist wirklich vergeben.»

Heirat, aber kein Lebensglück

So einschneidend das Erlebnis mit Gott war, hatte Jacques noch einen schwierigen Weg vor sich. Aus dem Gefängnis herausgekommen, schloss er sich einer christlichen Gemeinde an und lernte dort eine Frau kennen; schon nach vier Monaten heirateten die beiden. Jacques war so froh, dass er endlich jemanden gefunden hatte. «Ich hoffte, dass die Liebe alles gut macht und dass wir es zusammen schaffen.» Zwar war das Paar siebzehn Jahre zusammen, aber schon bald nach der Hochzeit zeigten sich erste Probleme. Letztlich, so sieht es Jacques Vermeulen heute, war er in der Beziehung nicht fähig, sich zu öffnen und zu vertrauen.

«Wenn Du mich noch willst, hier bin ich wieder»

Mit der Scheidung verlor Jacques einmal mehr den Boden unter den Füssen. Inzwischen hatte er eine Zeit hinter sich, in der er mit Gott nichts mehr zu tun haben wollte. Zu gross war die Enttäuschung über all das, was in seinem Leben nicht funktionierte.

An einem Tag aber betete er verzweifelt zu Jesus: «Wenn Du mich noch willst, hier bin ich wieder.» Zugleich wusste er, dass es an der Zeit war, seinen Eltern zu vergeben. Er betete: «Ich kann nicht vergeben, aber ich will es.» Anderen, die an ihm schuldig wurden und sich selbst vergab er auch. Diese Schritte der Vergebung haben ihn weiter geführt und frei gemacht.

Heute arbeitet Jacques Vermeulen bei der Heilsarmee. Er kümmert sich um Menschen, die auf der Strasse leben oder im Gefängnis. «Was ich erlebt habe, darf ich weitergeben. Auch andere sollen Vergebung, Befreiung und Heilung erfahren.»

Zum Videobeitrag:
Unfassbare Vergebung

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Datum: 08.11.2016
Autor: Norbert Abt
Quelle: Jesus.ch / ERF Medien

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